Konstanz (ft) Erich Bloch sei in Konstanz sehr beliebt gewesen, erzählt sein Enkel, der zusammen mit einer Schülergruppe bei Bürgermeister Claus Boldt im Konstanzer Ratssaal geladen war. So beliebt, dass zum Beispiel der Lokführer, der wusste, wann der Herr Anwalt zur Arbeit fuhr, immer den Zug habe warten lassen, falls der Herr Bloch noch nicht am Bahnsteig gewesen sei. Diese Zeiten sind allerdings lange her, sowohl hinsichtlich des Kundenservices der Bahn als auch hinsichtlich Herrn Blochs, denn dieser war Jude und musste 1939 nach Israel emigrieren. Aber er verzieh und kam 1968 als engagierter Bürger zurück. Blochs Nachkommen dagegen blieben in Israel, dort wirkt heute sein Enkel Eyal Bloch im gleichen Sinne, brachte Jugendliche aus schwierigen Heimatländern zu einer Jugendolympiade zusammen und hatte auch seinen Anteil daran, dass nun im Ratssaal deutsche und israelische Schüler saßen. Sie verbringen auf den Spuren der Familie Bloch eine Woche mit einem intensiven Programm zwischen Freiburg und Konstanz: Sie interviewen Zeitzeugen, üben israelischen Tanz, besichtigen Spuren jüdischer Geschichte oder gehen auch mal einfach nur in die Stadt. Diese Woche wiederum ist eingebunden in einen ambitionierten Austausch, denn im April gibt es den Gegenbesuch in Israel und bis dahin einige Monate hoffentlich intensiver Diskussion in einem Internetforum. Der Dialog soll, so heißt es, die Grenzen überwinden und demokratische Prozesse verstärken. Hinter dem Projekt steckt die Geschichtswerkstatt der Lessing-Realschule Freiburg, die vor Ort mit der Initiative "Stolpersteine für Konstanz" zusammenarbeitet. Das Geld wiederum kommt vom Fonds "Erinnerung und Zukunft", dessen Vermögen zusammen mit den Entschädigungen für die Zwangsarbeiter des Dritten Reiches mühsam bei deutschen Firmen eingesammelt wurde. Wichtiger Bestandteil derartiger Besuche sind offizielle Empfänge. Claus Boldt bekam eine Flasche israelisches Olivenöl und eine CD geschenkt und gab dafür jedem der Schüler einen Konstanz-Anstecker. Eyal Bloch erzählte von seiner Vision, dann ging das Wort an eine der Schülerinnen und an die Organisatorinnen. Nach dem Empfang führte ein jüdischer Stadtrundgang zuerst zu einem der Stolpersteine. Deren gibt es in Konstanz erst drei, in Berlin oder Köln dagegen schon einige Tausend. Sie haben Pflastersteinformat, sind aber goldfarben und gedenken jeweils einer im Dritten Reich ermordeten Person, deren Schicksal zuvor intensiv recherchiert wird. Zwei der Schüler entzifferten die Inschrift, dann ging es weiter. Jeder, der die Döbele- oder Hussenstraße entlanggeht, kann dort auf den Boden sehen.
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