Die unglaubliche
Geschichte des ehemaligen Rotteck-Schülers Freddy Mayer
In unserer Schule haben Schülerinnen einer Projektgruppe die
Namen der ehemaligen jüdischen Schüler im Treppenhaus und Foyer angebracht um
ihnen und ihrem Schicksal zu gedenken. Wie ist es, wenn sich auf einmal die
Gelegenheit bietet, einen von diesen Menschen tatsächlich zu begegnen und ihn
kennen zu lernen?
Am 20.10.06 hatte das Rotteck-Gymnasium die große Ehre den
ehemaligen Schüler Freddy Mayer bei sich begrüßen zu dürfen. Der 1921 geborene
„Friedrich“ Mayer war bis zum seinem Austritt 1935 an unserer Schule gewesen. Sein
Vater, einer der Mitbegründer der Freiburger jüdischen Gemeinde, hatte in der
Salzstraße ein Eisenwarengeschäft besessen. In Folge der Reichsprogrammnacht
floh die Familie 1938 in die USA. Sein Vater, im Ersten Weltkrieg als Offizier
mit Eisernem Kreuz ausgezeichnet, hatte noch gezögert, seine Mutter dazu
gedrängt. Freiwillig meldete sich Freddy Mayer während des Zweiten Weltkriegs zur US-Armee. 1945 wurde er der Kommandant
einer Gruppe von Geheimagenten, die die deutschen Nachschubwege nach Italien
über den Brenner ausspionierten und veranlassten, dass Innsbruck als eine von
wenigen Städten kapitulierte und somit dem Bombardement der Alliierten entging.
Dass Freddy Mayer an seine ehemalige Schule das Rotteck-Gymnasium zurückkehrte, um dort mit Schülern zu sprechen, und ihnen seine unglaubliche Geschichte zu erzählen, ist vor allem seiner Freundin Jenny Nash zu verdanken. Denn Für Freddy gibt es heute nichts Schöneres als sich in seiner heutigen Heimat Virginia stundenlang auf seinen Blumenfeldern aufzuhalten, tanzen zugehen oder gemeinsam mit Jenny guten Wein zu genießen. Doch als vor einigen Monaten eine Einladung des Blauen Hauses in Breisach eintraf, Freiburg und die alte Schule zu besuchen, ließ sich Freddy doch dazu überreden die lange Reise in seine Geburtsstadt anzutreten. Das war unser großes Glück, denn so hatten wir die einmalige Gelegenheit diesen wunderbaren Menschen kennen zu lernen, und einen Eindruck von dem, was er geleistet hat zu gewinnen.
Tatsächlich war bisher kaum etwas über Freddy Mayer bekannt gewesen. Bis vor 15 Jahren, genau an Freddy Mayers 70. Geburtstag. Da nämlich waren sie alle versammelt gewesen: der Pilot des für Spionagezwecke umgebauten Bombers der Freddy in die Nähe von Innsbruck geflogen hatte und seine zwei Kameraden, die mit ihm dort abgesprungen waren:
Es begann in einer Februarnacht 1945. Freddy Mayer und
zwei Kameraden saßen in einem Flugzeug der US-Armee, um ihre Geheimdienstmission
in Innsbruck und Umgebung durchzuführen. Angst kannte Freddy Mayer nicht. Er
ließ die Beine aus der Absprungöffnung hängen und freute sich auf den Sprung. Endlich
ging es los. Der schwere Ausrüstungssack der an seinen Beinen befestigt war
riss Freddy mit in die Tiefe. Unten erwartete die drei Männer brusthoher Schnee
durch den es sich nun durchzukämpfen galt. Ziel war es erst einmal eine sichere
Bleibe zu finden und von dort Kontakte zu knüpfen und Informationen zu sammeln.
Die Operation GREEN UP hatte begonnen.
An jenem Tag war auch ein langjähriger Freund Freddys anwesend, welcher wie Freddy seine Kindheit in Freiburg verbracht hatte, und dann ebenfalls in die USA geflohen war. Gerald Schwab beschloss noch am selben Tag ein Buch über die Ereignisse in Innsbruck zu schreiben. Seinem Buch „OSS Agents in Hitler’s Heartland: Destination Innsbruck“ ist es zu verdanken, das wir nun eine so detaillierte und spannend geschilderte Beschreibung der Mission vorliegen haben. Denn ginge es nach Freddy Mayer, so wäre die Geschichte mit wenigen Sätzen erzählt. Freddy ist eben kein Mensch vieler Worte. Dafür lacht er umso mehr. Angst hat er während seiner gefährlichen Mission nie empfunden. Er wusste, dass etwas getan werden musste, und er hatte den Mut etwas zu tun.
Die Operation verlief optimal. Schnell hatte man in dem kleinen Dorf Oberperfuss eine Unterkunft gefunden, da Hans, Mitglied des Trios, aus diesem Ort stammte und gute Verbindungen hatte. Von hier aus baute Freddy ein großes, breites Netz von Kontakten auf und versorgte den OSS mit vielen wichtigen und wertvollen Informationen. Durch seine Spionagetätigkeit wurden über 20 Züge mit Waffen und Nachschub für die deutsche Front in Italien durch alliierte Luftangriffe zerstört, der Krieg in Italien vermutlich um Monate verkürzt. Doch nicht alles klappte perfekt. Freddy wurde schließlich verraten und in Innsbruck gefangen genommen. Um ihn zum Reden zu bringen wurde er brutal gefoltert und sogar kurzzeitig in ein KZ gebracht. Doch Freddys physische und psychische Stärke, sowie seine guten Kontakte und die immer weiter vorrückenden alliierten Truppen sorgten dafür, dass er schließlich als Vermittler zwischen den Fronten eingesetzt wurde. So konnte er die Oberbefehlshaber in Innsbruck dazu überreden die Stadt kampflos aufzugeben. Freddy Mayer rettete somit nicht nur eine Stadt sondern auch unzählige Menschenleben.
Nach Deutschland hat Freddy Mayer sich all die Jahre nicht gesehnt. Er hat seine neue Heimat in den USA gefunden. 1946 hatte er noch einmal das zerstörte Freiburg besucht. Umso mehr freute es uns, diesen Mann nach 60 Jahren wieder an seiner alten Schule willkommen heißen zu können.