Förderverein
Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus Breisach e.V.
Christiane
Walesch-Schneller
Es haben sich mit der Bitte, Grüße an die Versammlung auszurichten, entschuldigt:
Herr Francois Loeb,
Herr Prof. Haumann, Dr. Geisel, Sibylle Hoeschele, Ingeborg Fulde, Gabriela
Walterspiel und Dr. Ulrich Sartorius, Heidelore Goldammer,
Reiner Zimmermann,
Michael Nathanson und Robert Krais
Abschied und Gedenken
an verstorbene Mitglieder und Freunde :
René
Breisacher aus Angers am 15. Oktober 2004
Dr.
Arno Cahn aus Köln/Pearl River, N.J. am 29. Oktober 2004 in Pearl River, N.J.
Naum
Koton aus St. Petersburg und Breisach am 30. Mai 2004 in Freiburg
Alex
Salm aus Wegberg
Albert
Sobol, Vorsitzender der Schweizerischen Vereinigung für Jüdische
Genealogie, Basel
Mitgliederzahl: 158 Mitglieder
4 Austritte: Bärbel Runge, Freiburg, Inge Lang, Breisach
(Umzug), Arno Bohn, Freiburg,
Michaela Wagner (Umzug)
5 neue
Mitglieder: Thomas Harter, Breisach,
Gabriele Walterspiel, Freiburg, Wolfgang
Schnürer, Freiburg, Gertraud Schnibbe, Breisach, Ursula
Raap, Breisach,
Im 1. Quartal 2005: 2
neue Mitglieder: Martin König, Rheintorstr. Breisach, Sabine Charlotte
Herrschaft, Merdingen,
Der Pressespiegel
liegt Ihnen vor, er dient uns heute als eine fast vollständige Chronik der
Ereignisse im Blauen Haus und im Förderverein im Jahr 2004.
Im
Rechenschaftsbericht möchte ich den Schwerpunkt legen Ereignisse, die in die
Zukunft des Blauen Hauses weisen.
Das Blaue Haus hat
den zweiten Winter und die erste volle Heizperiode hinter sich.
Notwendige
Ausbesserungs- und Reparaturarbeiten wurden Anfang Mai von einer Gruppe von
Mitgliedern vorgenommen unter der Leitung von Ralf Hojenski, der seine
Arbeitszeit „gespendet“ hat. Dazu gehörten das Reinigen und Weißeln von Wänden,
vor allem im Flur und den häufig benutzten Bereichen und das Ausbessern von
Schäden an der Außenfassade.
Das Sommerlager von
Aktion Sühnezeichen machte sich zur Aufgabe, das Fundament des Kellers weiter
freizulegen. Zum ersten Mal kam die Schönheit der Pflasterung zum Vorschein.
Nun ist noch der westlichste Teil des Kellers auszuheben; wir möchten diese
Aufgabe für das diesjährige Sommerlager vorschlagen, denn nach unserer
Erfahrung kann nur eine gut zusammenwirkende Gruppe diese schwere Arbeit
leisten; Schüler wären damit vor allem physisch überfordert.
Der Einbau einer
Brandmeldeanlage wird im Verlauf des Sommers erfolgen. Nach gründlicher
Diskussion entschied sich der Vorstand, auf die Nutzung der kleinen Räume im 1.
OG als Gästeappartment zu verzichten.
Diese Nutzung brächte Auflagen mit sich, z.B. den Einbau von zwei
Rauchschutztüren zur Absicherung des Treppenhauses als Fluchtweg.
Es liegen zwei
Angebote vor, eine Besprechung mit dem Kommandanten der Feuerwehr in Breisach
und dem Kreisbrandmeister sind geplant, um Details zu besprechen und
insbesondere die Aufschaltung zur Feuerwehr möglichst kostengünstig zu
gestalten.
Die Tür, die das Haus
zum Garten hin öffnet, und die Eingangstür zum Garten von Westen her, sind bestellt
und werden demnächst eingebaut.
Von dem Plan, eine
Sickergrube zur Ableitung des Regenwassers auf der Südseite fertigzustellen,
mußten wir Abstand nehmen. Ausschlaggebend waren die Konflikte mit dem
Nachbarn, Herrn A. Gutmann, der behauptet hatte, der hintere Teil des Gartens
gehöre zu seinem Grundstück. Der Vorstand war daher der Meinung, daß die
Überleitung des Wassers in die Grube über das Dach seines Stalles mit
ziemlicher Sicherheit ein permanentes Konfliktfeld bleiben würde. Das
Regenwasser wird nun seitlich, oberhalb des kleinen Daches, das den Eingang zum
Keller trocken hält, ins Abwasser eingeleitet, der Auftrag wurde an Fa. Fleig
vergeben.
Herr Gutmann hat zwar
seine Behauptungen widerrufen, der hintere Teil des Gartens gehöre zu seinem Grundstück.
Er weigert sich aber bislang, die dem Verein in Rechnung gestellten
Anwaltskosten in der Streitsache zu übernehmen. Eine prozessuale Klärung steht
noch aus.
Eine Klingel wurde
eingebaut.
Es ist Zeit für die
jährliche Grundreinigung des Blauen Hauses. Wir bitten Sie herzlich, sich am 2.
Mai – Montag nachmittag ab 14 Uhr zu kommen, um das Haus auf viele Besucher ab
5. Mai vorzubereiten.
Die Vielfalt der Veranstaltungen
können Sie aus dem Pressespiegel ablesen. Hier seien nur wenige besonders
erwähnt: die Führungen durch das Blaue Haus und das ehemalige jüdische Viertel,
die „Cheder“ mit Gerhard Dümchen, die Buchvorstellung „Das mißhandelte Kind“
durch den Autor Dr. Yecheskiel Cohen aus Jerusalem. Mit großem Engagement hat Ines
Meister die Freiburger Klezmergruppe „Kapelje“ für ein Konzert gewonnen, das
begeisterten Zuspruch fand, sowie zwei Musikhistoriker aus Freiburg und Basel
für einen Vortrag über Jüdische Musik ins Blaue Haus bringen können.
Die Statistik ergibt
1600 Besucher im Blauen Haus im Jahr 2004.
Die neue jüdische
Gemeinschaft in Breisach hielt einmal monatlich, insgesamt elf Mal einen
Schabbatgottesdienst im ehemaligen Betraum und traf sich zum anschließendem
Kiddusch. Der Vorstand sah es als seine Aufgabe, an den Abenden teilzunehmen
und eine Verbindung zwischen dem Verein und der Gruppe der Immigranten
herzustellen. Er bedauert die Entscheidung, das Blaue Haus zu verlassen und
schlägt vor, in Zukunft rechtzeitig und gemeinsam anstehende Fragen und Wünsche
zu diskutieren.
Sehr herzlich möchten
wir uns bei den Familien Kiss, Kotlyar, Tribuchowski und allen anderen bedanken
für tatkräftige Hilfe bei verschiedenen Aufgaben im Haus.
Im April nahmen die
polnischen Gäste des Maximilian-Kolbe-Werkes, Menschen, die als Kinder den
Holocaust überlebt haben, auf Einladung der neuen Jüdischen Gemeinschaft an
einem Gottesdienst teil.
Ein Vorschlag von
Mark Kotlyar konnte umgesetzt werden, unter dem Dach der Volkshochschule
Breisach im Blauen Haus einen Intensivkurs „Deutsch für Ausländer“
einzurichten, der im Februar und März 2005 stattfand.
Wir danken Vera Koton
für die Empfehlung von Nadja Berdesinski, einer jungen russischen Germanistin,
die ihren hochqualifizierten Unterricht auf die Bedürfnisse dieser Gruppe
abstimmt.
Das Blaue Haus wurde
nach 67 Jahren wieder zu einem
Schulhaus.
Es waren 11 jüdische
und nichtjüdische „Schüler“ in diesem Kurs, sie haben in guter Atmosphäre eifrig gelernt und wünschen sich sehr, einen
neuen Kurs zu haben.
Die Bürde der
Finanzierung hat für diesen ersten Kurs eine großzügige Spende der Firma
Cemafer erleichtert, die Volkshochschule konnte einen günstigen Tarif geben,
weil der Förderverein das Blaue Haus, vor allem die Heizungskosten zur
Verfügung stellte.
Wir möchten mit Ihnen
später diskutieren, wie ein zweiter Kurs unterstützt werden kann.
Der Besuch von Ralph
und Beate Eisemann im Februar wurde zu einer „zweiten Einweihung“ des Blauen
Hauses. Ralph Eisemann kehrte in das renovierte Elternhaus zurück. Mit
Unterstützung der Landeszentrale für politische Bildung entstand ein Film, den
Bodo Kaiser anfertigte „Ralph Eisemann und das ehemalige jüdische Gemeindehaus
Breisach“.
Elaine Wolff-Wurmser
und Gary Bron aus New York kommen immer wieder zu Besuchen und lernten die
Gruppe von Schülern des Martin-Schongauer-Gymnasiums kennen, die sich gerade
konstitutierte, um ihre Reise nach New York vorzubereiten.
Marlene Feldmann und
ihr Mann Heinz aus Californien nahmen an der Einweihung des Gedenksteins am 22.
Oktober 2004 teil, dem Mahnmal für die deportierten Breisacher Juden am Platz
des Mahnmals für die Kriegsopfer am Münsterberg.
Es gibt noch über
mehrere Gäste zu berichten, manchmal haben die Besuche den Charakter einer
Stippvisite von Nachkommen der jüdischen Breisacher, der eine engere
Zusammenarbeit bei der Erforschung der Familiengeschichte folgt und sicher ein
ausführlicherer Besuch.
Zu Gast waren auch
diejenigen, die als Kinder in der Lessingschule in Freiburg unterrichtet wurden
in den Jahren 1936 bis 1940, in einer Zwangsschule, die die Absicht der
Nationalsozialisten umsetzte, jüdische Schulkinder zu segregieren. Rosita
Dienst-Demuth hat mit ihren Schülern über drei Jahre ihre Geschichten erforscht
und mit der Unterstützung des Zukunftsfonds der Stiftung „Erinnerung,
Verantwortung und Zukunft“ eine „Woche des Erinnerns und Begegnens“ vom 26. bis
zum 31. Oktober in Freiburg und den Heimatgemeinden der jüdischen Gäste
veranstaltet.
Ralph Eisemanns
Zeugnis stand am Beginn der Forschung. Jetzt führte er seine ehemaligen
Mitschüler durch das Blaue Haus.
In Ihringen hat sich
eine Gruppe von Bürgern gebildet, die die früheren Ihringer begrüßte, Kurt
Judas und seine Frau Adele und Carl Jaburg und seine Frau Frieda.
Bundestagsabgeordnete
Kerstin Andrea wollte sich über die Arbeit im Blauen Haus informieren und es
sind weitere Landes- wie Bundespolitiker angesagt.
12 Vorträge wurden an
zwei Tagen gehalten, die meisten davon lagen in englischer und französischer
Übersetzung vor, Führungen und eine ganztägige Exkursion auf der links- und
rechtrheinischen Seite, ein Abend, an dem Familienbilder an ein ehemaliges Haus
der Geismars projiziert wurden, ein Vormittag, an dem 70 Schüler den
Überlebenden unter den Gästen im Blauen Haus zuhörten, ein Nachmittag, der der
Diskussion über die Zukunft des Blauen Hauses gewidmet war.
Rechtzeitig vor
Beginn der Tagung stellten die praktisch arbeitenden Freunde des Judengarten
den Grabstein vom Gründungsvater der französichen Geismars auf, dessen
Inschrift Günter Boll abschrieb und übersetzte.
Es kamen 40 jüdische
Gäste aus 6 Ländern, viele davon erforschen seit vielen Jahren ihre
Familiengeschichte, haben aber jetzt zum ersten Mal Breisach besucht.
In einer Mitgliederversammlung
am Vorabend der Konferenz stellte Manuela Wyler die ersten Ergebnisse ihrer
Studie über die Zukunft des Blauen Hauses vor.
Wir möchten unseren
Dank allen denen ausdrücken, die dieses Ereignis möglich gemacht haben: den
Initiatoren Werner Frank und Manuela Wyler, den Gästen, die den Mut hatten zu
kommen, und ohne deren großzügige finanzielle Beiträge die Konferenz nicht
möglich gewesen wäre, den Vortragenden, den Übersetzern, den Breisacher Firmen
und Geschäftsleuten, die mit ihren Spenden zum Gelingen beigetragen haben, die
Organisationen: der Verein „Für die Zukunft lernen“ und das
Christphorus-Jugendwerk, Monsieur Strauel und die Société d’Histoire de la
Hardt et du Ried, die jüdische Gemeinschaft unter Leitung von Monika Weidmann
und Veronika Kiss, die an einigen Tagen das Essen zubereitet hat, Régine Gern
aus La Chaux de Fonds, die das Tagungssekretariat geleitet hat.
Der Zukunftsfonds der
Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ unterstützte großzügig die
Teilnahme von drei Überlebenden und ihren Partnern, Else Pripis-Geismar, Dr.
Arno Cahn und Werner Frank.
Dankbar und mit
Freude sehen wir, daß jüdische Familien mit geographische weit verzweigten
Stammbäumen sich ermutigt fühlen, aus eigener Initiative zu weiteren
Familientreffen einzuladen: so findet am 5. und 6. Mai das erste Welttreffen
der Familie Zivy statt.
Am Pfingstwochenende
treffen sich die Nachkommen von Familie Raphael Levy aus der Schweiz und Israel
zum ersten Mal auch in Breisach. Wir freuen uns über das Vertrauen und die
Unterstützung bei der Aufgabe, die Geschichte dieser Familie nachzuzeichnen.
Ein Blick über den Rhein...
Der Judengarten in
Mackenheim wird kontinuierlich von den Freunden, Benedict Achten, Peter Achten
und Barbara Vogel-Wulle gepflegt. Geplant ist die Vermessung und Dokumentation
der Grabsteine auf den ältesten und alten Teil mit Hilfe der Projektgruppe der
Hugo-Höfler-Realschule.
Das Taharahäuschen
wurde von der Gemeinde verputzt und fertiggestellt. Eine Gedenktafel an die
Opfer der Schoa aus Mackenheim und Marckolsheim und eine Informationstafel über
den Friedhof sollen an dem Häuschen angebracht werden.
Mit der Société
d’Histoire des Israélites d’Alsace et de Lorraine pflegt unser Verein
regelmäßigen Austausch; die Arbeit des Vereins auf beiden Seiten des Rheins
wird mit großem Interesse und Sympathie wahrgenommen.
-
3. Sommerlager mit Aktion Sühnezeichen Breisach und
Mackenheim 2004
In den vergangenen
Jahren hatte die breit gestreute Teilnehmerschaft aus vielen Ländern Osteuropas
die Leiter der Sommerlager mit Problemen konfrontiert, die erhebliche Zeit und
Energie in Anspruch nahmen. Einige angemeldete Teilnehmer aus den ehemaligen
GUS-Ländern , Rußland, Ukraine, Belarus konnten wegen Visa-Problemen nicht oder
verspätet anreisen. So entschieden wir uns, dieses Sommerlager für Teilnehmer
aus Polen, Frankreich und Deutschland auszuschreiben.
Es kamen 14 Teilnehmer und Teilnehmerinnen; Rona
Kremer kam als erste jüdische Teilnehmerin, die ihre Wurzeln in Breisach hat,
um dem Sommerlager Informationen über Jüdischkeit zu vermitteln.
Die gute
Zusammenarbeit und Unterstützung mit/durch die Evangelische Kirchengemeinde
wurde fortgeführt. Das Sommerlager war zu Gast im evangelischen Gemeindehaus,
das hervorragende Möglichkeiten bietet, die Freizeit zu gestalten.
Im Blauen Haus wurde,
vor allem der Keller weiter ausgehoben, eine 30 cm hohe Schicht von Erdreich,
Steinen und Scherben war zu beseitigen. Unter der Anleitung von Ralf Hojenski
arbeiteten die jungen Gäste gerne an verschiedenen Reparaturen.
Das Sommerlager war
willkommen in der Gemeinde Mackenheim, als Gäste des Vereins Les Amis du
Judengarten du Mackenheim wurde das Sommerlager begrüßt und mit Essen versorgt.
Acht Grabsteine wurden unter Anleitung von Günter Boll aufgestellt und
identifiziert und das Gelände von Unkraut freigemacht.
Bürgermeister
Spielmann nahm die Gruppe zum Abschluß in die Boote zu einer Fahrt im Gießen.
Samuel Harding, der
von Herbst 2003 bis zum Herbst 2004 als erster Freiwilliger im Blauen Haus arbeitete,
leitete zusammen mit Sandra Greuel aus Leipzig und Anka Kulczycka aus Oswiecim
dieses Sommerlager. Von Vorteil erwies sich seine gute Kenntnis vor Ort.
Die Breisacher
Geschäftsleute unterstützen das Sommerlager inzwischen mit großer
Selbstverständlichkeit.
- Langzeitfreiwillige
Samuel Harding aus
Groß Britannien arbeitete sich rasch in die Geschichte ein; wie Sie wissen, ist
er Historiker. Sein Projekt war, die pädagogische Arbeit zu beginnen,
Schulklassen zu unterrichten und im Rahmen des Future Capital Projekts eine
erste Studienmappe über Familie Eisemann zu entwerfen. Die Schüler des
Martin-Schongauer-Gymnasiums wurden von ihm angezuleitet bei der Arbeit an
weiteren Mappen.
Am 5. September 2004
traf Sharyn Jackson in Breisach ein, die zweite Freiwillige, eine junge New
Yorker Jüdin, die ebenfalls Geschichte studiert hat. Zunächst nahm Rudolf
Schilling Sharyn auf, dann Isolde Brandstädter und ihr Mann bis Anfang April,
inzwischen wohnt Sharyn in einer Wohngemeinschaft in Freiburg.
Sie unterrichtet
regelmäßig Schulklassen aus Breisach und Umgebung und erweitert das
pädagogische Konzept.
Ihr Jahresprojekt ist
die Dokumentation von Familie Heinrich und Alfred Levi, die nach Rhodesien und
Südafrika fliehen konnten. Im Rahmen dieser Forschungen konnte Sharyn Heinz
Levi in London aufsuchen und ein Interview führen.
Frau Dr. Armgard
Rund wird von ihr über ihre
Lebensgeschichte, die in die Sicherheit Kenias und Südafrikas führte, befragt.
Der Verein hat Frau Ruth Weiss eingeladen, hier im Haus der Öffentlichkeit und
einer Gruppe von Schülern zu berichten.
Als besonders konstruktiv erweist sich die Arbeit mit Schülergruppen, die sich freiwillig für ein Projekt im Blauen Haus melden, ich nenne hier die Schülerinnen des Ursula Gymnasiums, die im Rahmen des Mahnmalprojekts mit ihrer Lehrerin Angelika Büchelin Unterstützung im Blauen Haus suchten. Inzwischen ist das Mahnmal, das sie mit Unterstützung von Helmut Lutz in seiner Werkstatt hergestellt haben, halbiert worden und eine Hälfte hier in Breisach – 64 Jahre nach der Deportation – aufgestellt worden. Die andere Hälfte ist Teil eines im Entstehen begriffenen zentralen Mahnmals für die deportierten Badischen Juden in Neckarzimmern.
Seit Herbst 2004 kommen regelmäßig Schüler iund Schülerinnen der Hugo Höfler Realschule im Rahmen eines sogenannten „Moduls“ – 7.Klässler und 10. Klässer ins Blaue Haus zu Lerneinheiten mit Edeltraud Cupal und Reiner Zimmermann.
Der Besuch von nicht besonders motivierten und vorbereiteten Schulklassen erweist sich als schwierig.
Die Bibliothek und
das Archiv wurden vorgestellt, beispielhaft die Dokumente über die Geschichte
von Theodor Günzburger, die uns von seinem Stiefsohn, Herrn Bochnik, im Jahr 2000
übergeben wurden. Wir danken Siegmar
Gassert für die Beratung zur Namensgebung: Archiv und Bibliothek werden „DAS
GEDÄCHTNIS“ genannt. Eine Ehrung für Martin Bier wurde in Anwesenheit seiner
Witwe angebracht und der Dank allen Spendern ausgesprochen.
Gerd Müller:
„Die Anzahl der
Besucher unserer Internetseiten steigt weiterhin rasant an. Sie hat sich von
März 2004 bis heute mehr als verdoppelt, von 2800 auf 5000 pro Monat. Im
Tagesdurchschnitt sehen sich also 160 Menschen unsere website an. Die meisten
aus Deutschland, ca. 20 %, dann Schweiz 4 % und in absteigender Reihenfolge
Franzosen, Polen, Österreicher, Niederländer, Belgier, Israelis usw. Ungefähr
die Hälfte unserer Besucher lässt sich keinem Land zuordnen, da sie eine Netz-
bzw. Firmenadresse haben.
Auf unsere starke
Internetpräsenz lässt sich auch eine große Bücherschenkung zurückführen. Etwa
350 Bände Judaica sind aus aus dem Nachlass von Michael Horky geschenkt worden.
Seine Enkelin war durch das Internet auf uns aufmerksam geworden. Der Buchbestand
hat sich auf über 1700 erhöht. Ohne die neuen Regale, die Gerhard Dümchen
spendet, sie sind vom gleichen Typ wie die schon vorhandenen, könnten wir die
Bücher schon jetzt nicht mehr so präsentieren, wie sie es verdienen.“
Im Verlauf des
vergangenen Winters wurden die bis jetzt vorhandenen Objekte, Dokumente und
Fotos gesichtet und geordnet. Wir konnten im Verlauf der Arbeit weitere Namen
von jüdischen Breisachern finden. Das Archiv zieht in den kommenden Wochen in
zwei kleinere Räume im oberen Stockwerk um, wo Arbeitsplätze eingerichtet
werden. Wir danken Monika Thormählen für ihre umsichtige Arbeit bei der
Sichtung und Ordnung der vielen Details.
Eine junge
Historikerin, Dr. Anke Faustmann, hat sich beworben und möchte die Archivarbeit
mit und für den Verein übernehmen. Gegenwärtig prüfen wir die Möglichkeiten,
Mittel zu beantragen.
Zum Stand der Forschungen
Bei Besuchen im Leo
Baeck Institut in New York, vor allem aber im Holocaust Museum in Washington,
D.C. haben wir Dokumente gefunden, die für unsere Arbeit von Bedeutung sind.
Einmal eine Liste der am 22. Oktober 1940 nicht aus Baden deportierten Juden,
darunter auch die Breisacher Familie, die hier überleben konnte. Prof. Sauer
hat eine wissenschaftliche Expertise geschrieben und diese Einschätzung bestätigt.
Im Frühjahr 2005
haben wir Dokumente aus dem Archiv in Pau gesichtet, die im USHMM mikroverfilmt
vorliegen, 50 Rollen Film mit der Korrespondenz der Hälftlinge in Gurs an
Präfekten und Polizei, um ihre Freilassung zu erreichen. Das bedeutet, daß wir
das Schicksal jedes Gefangenen in Gurs erforschen können.
Die Arbeit an der
Zurückgewinnung von 70 Namen für Grabsteine auf den neuen Friedhof im Isenberg
wurde begonnen.
Acht Schüler und
Schülerinnen des MSG wurden von Dagmar Casetou, ihrer Geschichtslehrerin,
gefragt, ob sie an einem Schüleraustausch mit New Yorker jüdischen Jugendlichen
teilnehmen möchten. Auf der anderen Seite haben sich Carl und Rhonda Steeg und
Elaine Wolff und Gary Bron dafür eingesetzt, daß Gastfamilien in ihrer
liberalen Gemeinde, der Stephen Wise Free Synagogue, gefunden wurden. Zwei
Wochen lang wurden die jungen Leute in verschiedenste Aspekte des Lebens in New
York, besonders unter dem Gesichtspunkt der Immigration von Minoritäten
eingeführt – zwei reiche Wochen. An einem eindrucksvollen Abend berichteten die
Schüler hier im Blauen Haus.
Sie bereiteten sich
im Blauen Haus intensiv vor, erarbeiteten in Gruppen vier verschiedene
Dokumentationsmappen, die sie an einem Abend in der Stephen Wise Synagogue
einhundert Gästen in englischer Sprache vorstellten, um danach Fragen zu
beantworten.
Viele unserer
jüdischen Freunde reisten nach New York, um an diesem Wochenende an dem
Gottesdienst teilzunehmen. Dagmar Casetou und ich waren gebeten worden, die
Arbeit im Blauen Haus und Aspekte des Unterrichts über die Schoa vorzustellen.
Die Absicht und die
Hoffnung, daß nun in diesem Sommer jüdische Jugendliche ihrerseits nach
Breisach reisen und Gäste der beteiligten Familien sein werden, hat sich noch
nicht erfüllt. In einer Besprechung wurde deutlich, daß die Familien zwar gerne
Gastgeber sind und auch wieder werden möchten, daß aber die Planung des Sommers
schon frühzeitig geschehen ist.
Manuela Wyler hat
Ende September ihren Entwurf eines Konzepts vorgelegt. Der Entwurf wurde im
Vorstand und mit Ratgebern diskutiert. Vorschläge zur Überarbeitung und
Verbesserung wurden Manuela Wyler in einem Brief im Dezember mitgeteilt. Zunächst
gab es die Zusage, eine Überarbeitung bis Ende 2004 abzuliefern, dann die
zweite Zusage, sie bis Ende März 2005 abzuliefern. Zuletzt erklärte sie
fernmündlich, ohne Angabe von Gründen, sie werde an dem Konzept nicht
weiterarbeiten.
Zum einen sind die
zeitlichen Fristen nicht eingehalten worden, was damit zu erklären ist, daß
Manuela Wyler Anfang Juli schwer erkrankte. Zum anderen stellt die Mitteilung
einen Vertragsbruch dar. Vertragsgemäß hat Manuela Wyler 50 % des vereinbarten
Honorars erhalten, der Betrag war durch Spenden gedeckt.
Der Vorstand hat
einen Brief an Manuela Wyler verfaßt, in dem ein Teilbetrag zurückgefordert
wird.
Vor zwei Jahren
erkannten zwei jüdische Choreographen in New York, daß sie eine gemeinsame,
bisher verborgene Beziehung zu Breisach haben:
Aviva Geismar ist die
Tochter von Ludwig Geismar, der aus Mannheim nach Amerika fliehen konnte. Seine
Eltern waren in der Judengasse aufgewachsen. Jonathan Hollander kam zur Stephen
Wise Synagoge in New York, um zu erfahren, um was es dem Förderverein in
Breisach geht. Er hat Breisach 1986 und 1989 kennen und lieben gelernt. Was lag
näher als daß die beiden Choreographen sich an die Arbeit machten und ein
Programm zusammenstellten, das sie Ende Juli 2006 auf der Bühne des
Festspielgeländes zur Aufführung bringen wollen: Die
Tänze für das Blaue Haus
Sie kommen beide aus
der Generation, die die Shoa nicht erlebt hat
Das Projekt wurde im
Januar 2005 in Breisach, Freiburg, Frankfurt und Berlin vorgestellt und mit
großem Interesse, ja Begeisterung aufgenommen. Inzwischen wird intensiv am
Budget gearbeitet, um große und kleine Sponsoren geworben.
Geplant sind vier
Aufführungen auf dem Festspielgelände Ende Juli 2006, Arbeit der acht Tänzer
mit Schülern in Breisach und Freiburg
Das Blaue Haus ist
zum Denkmal des Monats im März 2004 gewählt worden, eine Würdigung durch die
Denkmalstiftung Baden-Württemberg.
In den Mitteilungen der Denkmalstiftung 4/2004, erschienen im Dezember letzten Jahres werden die Anstrengungen des Fördervereins gewürdigt:
„Daß
dieses bau- und sozialgeschichtliche Drama (der unwiderbringliche Verlust der
inneren Originalsubstanz durch die Umnutzung in private Wohneinheiten) nicht
stattgefunden hat, ist dem „Förderverein Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus“ zu
verdanken, der sich – wie so oft auch anderswo im letzten Augenblick - zusammengefunden, um dieses Gebäude in
seiner Würde und heimatgeschichtlichen Bedeutung zu erhalten...
Statt eines beliebigen Wohnumbaus ist so ein
grenzübergreifendes, bis in die Schweiz und ins Elsass hinein wirkendes jüdisches
Dokumentationszentrum entstanden, ‚das jegliche materielle und ideelle Unterstützung
durch die öffentliche Hand verdient‘, wie es in einem Gutachten des
Landesdenkmalamts schon vor drei Jahren hieß.“
Ich bin gebeten worden, Ihnen die besten Grüße von Staatssekretär a.D. Dieter Angst, dem Präsidenten der Denkmalstiftung, zu überbringen. Die Vorstand der Stiftung hat beschlossen, dem Förderverein am 10. September 2005 einen Förderpreis zu geben.
Den Vorstand hat
diese Mitteilung angeregt, zu diesem Tag die Gründung einer Bürgerstiftung auf den Weg zu bringen.
Wir möchten eine
weitere Mitgliederversammlung vorschlagen, bei der rechtzeitig notwendige
Satzungsänderungen zur Abstimmung gebracht werden.
Schauen wir noch
einmal zum Anfang des Jahres 2004 zurück:
Zweimal wurde der
Förderverein geehrt: zum einen durch eine Einladung von Bundespräsident Rau zum
Neujahrsempfang, zu dem er auch engagierte Bürger persönlich begrüßt, zum
anderen durch die Verleihung des Obermayer German Jewish History Award. Die
Nachkommen der jüdischen Familien: Dr. Carl Steeg, Elaine Wolff-Wurmser, Werner
Frank und Hans George Hirsch haben die Empfehlung ausgesprochen.
Der Vorstand traf
sich fünfmal zur Sitzungen im 1. Quartal, der neu gewählte Vorstand 15 mal bis
zum Ende des Jahres in guter und konstruktiver Atmosphäre.
Der Vorstand bedauert
sehr, daß Angelika Wicha ihre Mitarbeit beenden wird. Ein Umzug erlaubt ihr
nicht, weiter kontinuierlich mitzuarbeiten. Wir bedanken uns herzlich für Ihr
Engagement.
Herzlichen Dank Gerd
Müller, Gerhard Dümchen und Jürgen Lange von Kulessa, Genauso den Kassenprüfern
Bei dieser
Gelegenheit möchten wird herzlich Robert Krais zum Obermayer German Jewish History
Award gratulieren.