Herr Fahrer, was wissen Sie historisch gesehen über den Kreis beim "Langen Weg"?
Uwe Fahrer: Der Gemeinderat hatte sich schon im Dezember 1932 und Februar 1933 mit einer Neupflasterung des "Langen Weges", der Auffahrt zum Münsterberg, befasst. Nach der NS-Machtergreifung wurde das Projekt dann gleich aufgegriffen und als erste Notstandsarbeit zur Beschäftigung Arbeitsloser durchgeführt. Es gab eine Feier zum Abschluss der Arbeiten. Der Kreis mit dem Hakenkreuz damals und der Jahreszahl 1933 sollte daran erinnern. Natürlich hat er eine Doppeldeutigkeit und erinnert auch an die Machtergreifung Hitlers 1933.
Gab es füher schon Diskussionen wegen dem Kreis?
Uwe Fahrer: Mir sind keine bekannt. Bei Stadt- und Museumsführungen gab es schon mal Nachfragen. Dann habe ich natürlich eine Erläuterung gegeben. Auch beim Begegnungscafé 2000 bei der "Jüdischen Begegnungswoche" im Stadtmuseum war das kein Thema. Erst 2003 bei den Gesprächsrunden nach der Einweihung des Blauen Hauses kam der Gedanke auf, dass der Kreis verschwinden soll. Ich selbst war leider nicht dabei. Danach hat Carl Steeg aus den USA einen Brief an die Stadt geschrieben und die Entfernung des Kreises gefordert. Inwiefern das ein Anlass für Andreas Meckel war, weiß ich nicht.
Bei Ihren Recherchen für die Stadt haben Sie sich an verschiedene Institutionen gewandt.
Uwe Fahrer: Ich habe eine Auswahl der Städte getroffen, die mit ähnlicher Problematik befasst sind. Das waren die Stadtarchive von Heidelberg, München und Nürnberg und das Institut für Zeitgeschichte in München. In München hat man an den Bauten aus der NS-Zeit auch erläuternde Hinweistafeln angebracht. Aber alle Historiker können eine Entfernung nicht befürworten, sondern halten Erläuterungen für notwendig. Nürnberg hat eine schwere Last der Geschichte mit dem großen ehemaligen Reichsparteitagsgelände. Dort ist jetzt ein Dokumentationszentrum entstanden, da man zu der Überzeugung gekommen ist, dass man diese Monumentalität ncht einfach wegsprengen kann. Wie will man sonst begreiflich machen, wie diese organisierte Massenpsychose funktionierte? Man braucht auch etwas Authentisches, damit heutige und künftige Generationen sich das vorstellen können.
Welcher Meinung sind Sie als Breisacher Stadtarchivar?
Uwe Fahrer: Sowohl die Jahreszahl als auch der Kreis sind für mich Zeugnis der jüngeren Breisacher Geschichte. Als Archivar, Historiker und Musemsleiter halte ich es für wichtig, dass die Relikte erhalten bleiben in ihrem historisch korrekten Kontext, das heißt an dieser Stelle. Dass eine Erläuterung sein muss, denke ich schon länger. Durch die einheitliche Beschilderung über das Interreg-III-Programm hatten wir die Möglichkeit, die Stelle am "Langen Weg" einzubeziehen.
Wie denken Sie jetzt über den Text der Info-Tafel? Haben Sie konkrete Ideen für eine neue?
Also, ich stehe zu dem Text in dieser knappen Form. Zu dem Gesamtthema bräuchte man jedoch erheblich mehr Platz. Ich verschließe mich nicht grundsätzlich einer anderen Formulierung, die müsste dort aber genauso kanpp sein. Soll man an der Stelle eine Wertung einfügen oder interpretieren? Man muss das mal mit den anderen Tafeln in der Stadt vergleichen. Bei dem Text ging es mir darum, den ursprünglichen Anlass und die Bedeutung des Kreises anzureißen. Weiterführend soll man sich selbst Gedanken machen.
Wie stehen Sie zu einer Dauerausstellung zu dem Thema im Stadtmuseum?
Uwe Fahrer: Ja gerne, wir müssen uns nicht auf die Tafeln beschränken. 1993 gab es schon eine Ausstellung zu "Breisach im Dritten Reich", 1994 und 2004 über Professor Josef Schmidlin, 1995 über Julius Leber, die beide entschiedene NS-Gegner und -Opfer waren. Die Beschäftigung mit dem Thema ergibt sich aus der täglichen Arbeit. Für manche Betroffene ist es sicher auch schwer, mit Relikten aus der NS-Zeit umzugehen. Für manche ist es schmerzlich, gerade wenn die Betroffenen, deren Angehörige und Nachkommen, zurückkommen nach Breisach. Aber es ist auch ein Stück Geschichte, das sie mitgeprägt hat. Ich sehe da so einen Spannungsbogen. Auf der einen Seite der Rheintorstraße, der ehemaligen Judengasse, steht das Blaue Haus und am anderen Ende ist der Kreis. Warum soll man das künftig nicht in Stadtführungen einbeziehen?
Herr Fahrer, vielen Dank für das Gespräch.
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