Erstmals 1691 erwähnt, beherbergte das Haus über 100 Jahre lang das Wirtshaus "zum Sankt Peter". Am 1. Dezember 1829 wurde jedoch im Breisacher Grundbuch vermerkt und vom Stadtrat genehmigt, dass "der hiesige Israelitenvorstande" das Anwesen erworben habe. Damit konnte die jüdische Gemeinde endlich eine eigene Schule einrichten. Obwohl Großherzog Karl Friedrich 1808 eine Grundverfassung erlassen hatte, die Juden zu "erbfreien Staatsbürgern" erklärte, wurde die Rechtsstellung der jüdischen Bürger erst 1892 gesichert. Damit wurde eine eigene "Judenschule" obsolet und das Gebäude diente fortan als Gemeindehaus und Wohnung der Kantorenfamilie. Etwa 231 jüdische Bürger lebten Anfang der 1930er Jahre in der Stadt. Viele waren angesehene Mitglieder der Vereine und zur Breisacher Bevölkerung bestand ein gutes Verhältnis.
Das änderte sich mit der Machtübernahme durch die Nazis. Erster Gewaltakt war 1933 das Ausgehverbot nach 12 Uhr; persönliche Belästigungen und Schikanen gehörten nun zum Alltag der jüdischen Einwohner. Am 10 November 1938 schließlich ging die 1804 von der Gemeinde erbaute Synagoge im von SA-Männern gelegten Feuer zugrunde. Darauhin wurde ein Betraum im Obergeschoss des Gemeindehauses eingerichtet; er war das letzte religiöse Refugium der jüdischen Gemeinde bis zu ihrer Auslöschung. Kantor, Vorbeter und Prediger war seit 1923 Michael Eisemann. Er wurde nach der Pogromnacht ins Konzentrationslager Dachau gebracht und verstarb aufgrund der Drangsal 1939 in einem Freiburger Krankenhaus. Julius Rosenburger, letzter Gemeindesekretär und Vorsteher-Stellvertreter, wurde mit den noch in Breisach verbliebenen 34 Juden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Von dort ging es zur so genannten "Endlösung" ins Vernichtungslager Auschwitz.
Das Haus wurde als Fabrik genutzt, diente nach dem Krieg als Wohnhaus und verfiel zusehens. Am 10. November 1999 gründeten engagierte Bürgerinnen und Bürger einen Förderverein mit dem Ziel, das inzwischen erworbene Haus zu sanieren und als Gedenk- und Begegnungsstätte sowie zur Erfoschung der historischen Bedeutung jüdischen Lebens in Breisach wieder zu eröffnen. Ermöglicht wurde die Realisierung diese Vorhabens durch die Unterstützung zahlreicher Institutionen und Sponsoren, darunter die Landesstiftung für Denkmalpflege und das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, die Stadt Breisach, der Arbeitskreis Alemannische Heimat, das Büro für ungewöhnliche Maßnahmen Freiburg sowie viele private Förderer. Breisacher Schulklassen, Konfirmanden und Studenten aus mehreren europäischen Ländern haben in über 1400 Arbeitsstunden zur Hauserneuerung beigetragen. Die Firma Domiziel aus Titisee-Neustadt übernahm im Rahmem ihres Projektes mit Wohnunglosen und Langzeitarbeitlosen die Planung, Leitung dund Durchfühung der Sanierung, an der auch Handwerksfirmen aus Breisach, Freiburg und Titisee beteiligt waren. Die feierliche Einweihung des Hauses, das ebenso wie die Jüdische Woche vom 19. bis 26. Juni unter der Schirmherrschaft von Erwin Teufel steht, übernimmt am 20. Juni, 11 Uhr, Regierungspräsident Dr. Sven von Ungern-Sternberg.
Etwa 50 Gäste aus sechs Ländern, Überlebende des Holocaust der Breisacher jüdischen Gemeinde, nehmen mit Kindern, Enkeln und Freunden am Festakt und der zweiten Woche der Begegnung teil. "Das Haus leuchtet in frischen Farben und ist bereit, mit einem Leben und mit der Erinnerung an eure Familien erfüllt zu werden", so Dr. Walesch-Schneller in der herzlichen Einladung des Fördervereins an die ehemaligen Breisacher Mitbürger.
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