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BATTERY DANCE COMPANY und DRASTIC ACTION aus NEW YORK präsentieren TÄNZE für DAS BLAUE HAUS

Zwei New Yorker Tanzgruppen feiern die Aktivität einer deutschen Gemeinde zum Gedächtnis an ihr jüdisches Erbe mit Aufführungen und Workshops.

Vom 19. Juli bis 6. August 2006 in Breisach
(Aufführungen in Breisach am Donnerstag, Freitag und Samstag 03./ 04./05. August 2006)

Zwei New Yorker Tanzgruppen, die Battery Dance Company und Drastic Action, bieten im Sommer 2006 ein neunzehntägiges Programm, das sich um das Erbe des Holocaust dreht. Dieses Projekt ist gemeinsam mit dem Förderverein Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus Breisach geplant worden. Mit Workshops, Performances und dem Erarbeiten eines neuen Tanzstücks will das Projekt Dances for the Blue House einen breiten Querschnitt von Deutschen und Amerikanern, Juden und Nicht-Juden, Schülern und Erwachsenen in einem Austausch zusammenführen, der auf ein besseres gegenseitiges Verstehen angelegt ist.

Die Tänze für das Blaue Haus sollen einen Dialog über die gewichtigen Fragen anstoßen, welche die 400 jährige Geschichte der Breisacher Juden aufwirft, die mit der Deportation der in der Region lebenden jüdischen Bevölkerung im Oktober 1940 zu Ende ging. Die beiden Tanzgruppen arbeiten eng mit dem Förderverein Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus in Breisach zusammen. Er bewahrt das Gedächtnis an die jüdische Erbschaft der Stadt durch den Kauf und die Restaurierung des ehemaligen Zentrums der jüdischen Gemeinde, Das Blaue Haus, das er in einen Ort des Erinnerns und Lernens verwandelt hat. Während der vergangenen sieben Jahre hat der Förderverein mitgeholfen, dass zahlreiche überlebende Juden ihre Heimatstadt wieder besucht und ihre Angehörige Kontakt mit heutigen Einwohnern aufgenommen haben.

Das Projekt Tänze für das Blaue Haus beginnt mit Workshops der Battery Dance Company und der Drastic Action für 100 Schüler dreier Sekundarschulen im benachbarten Freiburg. Drei Lehrer haben an der Organisation dieser Unterrichtseinheiten mitgewirkt, die den Tanz als ein Mittel zur Erkundung der eigenen Identität einsetzen werden. Das Vorhaben wird dann in Breisach fortgesetzt, wo Aviva Geismar für die zehn Tänzer beider Companien ein Stück kreieren wird, das sich spezifisch mit dem Ort seiner Entstehung auseinandersetzt. Höhepunkt des Vorhabens wird ein langes Wochenende mit Performances und Workshops vom 3. bis 6. August 2006 sein.

 

Besucher aus ganz Amerika und Europa, darunter auch Überlebende der Breisacher jüdischen Gemeinde und ihre Kinder und Enkel, planen ihre Teilnahme.

 

Programmablauf der Dances for the Blue House:

Vom Donnerstag, den 3. August, bis zum Sonntag, den 6. August, werden Performances der Dances for the Blue House die Straßen und die Freilichtbühne auf dem historischen Münsterberg in Breisach mit Leben erfüllen.

Jeder Abend beginnt um 18:30 mit dem Stück, das Aviva Geismar auf den Ort des Geschehens hin konzipiert hat: "Näher als es scheint". Dabei werden die beteiligten Künstler Zuschauer vom Standort der zerstörten Synagoge die ehemalige Judengasse hinunter geleiten, vorbei am Haus von Aviva Geismars Urgroßeltern, zum Blauen Haus, von dessen Fenstern bunte Banner herabrollen werden. In verspielt-fröhliches Verhalten drängt sich gemein-bösartiges ein. Ein Backe, backe Kuchen-Spiel nimmt eine bedrohliche Wendung, während die Tänzer das Publikum den Berg hinauf zu den Festspielen, dem städtischen Amphitheater, führen.

Nach einem Empfang werden die beiden Companien ein Programm mit vier Tänzen vorführen, die sich mit Fragen auseinandersetzen, welche die Geschichte des Holocaust aufwirft. In den beiden Solos und den beiden Quartetten geht es um Probleme der Gruppendynamik, des Schikanierens, des Zusammenbruchs sozialer Systeme und der Bewahrung der Kulturgeschichte. Auch die Schüler der drei Freiburger Schulen werden dabei kurze Tanzstücke aufführen, die sie unter Anleitung der Tanzlehrer der beiden New Yorker Companien in den Workshops erarbeitet haben. Den Abschluss des künstlerischen Programms bildet am Sonntag, den 6. August, um 11:30h ein Konzert des Chagall Quartetts Frankfurt im historischen Radbrunnen, das mehrere Stücke der verfolgten und in Konzentrationslagern inhaftierten Komponisten in seinem Repertoire hat.

Sonderveranstaltungen Der israelische Psychotherapeut Professor Dan Bar-On, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kindern von Überlebenden und Kindern von Nazis in ihren Verwundungen zur Seite zu stehen, wird während der letzten Veranstaltungswoche in Breisach sein. Mit dabei sind Dr. Deena Harris, eine Psychoanalytikerin aus New York, sowie die Kölner Pädagogin Renate Röder; beide haben seit 1992 mit Professor Bar-On in der Gruppe To Reflect & Trust (TRT) zusammengearbeitet und sich unterstützend an Gruppen beteiligt, denen es darum ging, Verständnis, Kommunikation und Dialoge zwischen Deutschen, Juden, Nordiren, Südafrikanern, Israelis und Palästinensern zu fördern. Im Blauen Haus in Breisach werden sie Arbeitsgruppen in englischer und deutscher Sprache leiten, in denen interessierte Besucher von auswärts und Einheimische die Erfahrung machen können, wie nützlich es ist, durch das Erzählen von Geschichten Konflikte zu bearbeiten.

 

Die Tanz-Stücke

Beim Tanz-Programm im Amphitheater werden folgende Stücke zur Aufführung kommen:

 

Die Künstler

Jonathan Hollander gründete die Battery Dance Company im Jahre 1976, die seither überall in den USA, im Nahen Osten, in Nordafrika, Osteuropa, Skandinavien, im Pazifischen Gürtel und in Südasien gastiert hat. 2005 vertrat die Gruppe die USA als ein kulturelles Verbindungsglied zu Vietnam anlässlich des zehnjährigen Jubiläums normalisierter Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Hollander hat häufig mit polnischen Choreographen, Tänzern und Musikern zusammengearbeitet. 2003 verlieh ihm Polens führendes zeitgenössisches Tanztheater, das Schlesische Tanztheater, seine höchste Auszeichnung. Im selben Jahr wurde Hollander eingeladen, ein Konzert für die Europäische Konferenz über Toleranz in Krakau zu veranstalten; auf Einladung der US-Botschaft in Warschau gestaltete seine Company die Eröffnungsveranstaltung des New New Yorkers Festival, der größten Feier der polnisch/amerikanischen Kultur aller Zeiten.

Aviva Geismar hat seit 1989 Tänze dargeboten, die sich ihrem Fasziniertsein von den Nuancen und Paradoxien des menschlichen Verhaltens verdanken. Unter Einsatz einer eigenwilligen Bewegungssprache erkundet sie die Entkoppelung von äußerem Anschein und inneren Erfahrungen. Ihr Werk ist geprägt von einer ästhetischen Sensibilität, in der ihr deutsch-jüdisches Erbe aufscheint. Im Dance Magazine des Jahres 2004 war Geismar als eine von "25, die man sehen sollte", genannt. Ihr Werk kam in Jacob Pillows Inside/Out-Serie, auf der Millenium-Bühne des Kennedy Center, im Dance Theater Workshop, in Symphony Space und auf vielen anderen Veranstaltungsorten zur Aufführung. Auftragsarbeiten entstanden u.a. für Dancing in the Streets, die University of Maryland, Rutgers University und James Madison University. Als Artist-in-residence gastierte Geismar am HERE Arts Center und innerhalb des Djerassi Resident Artists Programm.

 

Zum Hintergrund des Projekts:

Hollander, ein Freund von Christiane Walesch-Schneller seit 1967, hatte den Fortgang der Arbeit des Vereins in Breisach über die Jahre hin verfolgt, während er selbst in seiner eigenen kreativen Arbeit sich mit Fragen der Toleranz und des verschwindenden kulturellen Erbes auseinandersetzte. Als er an einer Präsentation über das Blaue Haus in New York teilnahm, fiel ihm auf, dass der Name Geismar immer wieder im Stammbaum der Breisacher Juden auftauchte, was ihn auf den Gedanken brach, dass seine Kollegin Aviva Geismar einen Bezug zu Breisach haben könnte. Wie es sich ergab, waren Geismars beide Großeltern in Breisach geboren. Deren Sohn, ihr Vater, war neben der Schwester das einzige Mitglied seiner Familie, das den Nazis entkommen konnte. Geismar und ihr Vater wussten nichts von dem, was der Förderverein zuwege gebracht hatte. Zusammengeführt von dem mit Leidenschaft betriebenen Versöhnungswerk des Fördervereins, haben diese beiden sehr unterschiedlichen Künstler während der vergangenen zweieinhalb Jahre ein Netzwerk von Unterstützern und Beteiligten geknüpft, um ihr Projekt zu verwirklichen.

Übersetzung: H. Jochen Bußmann, Berlin

Für weitere Informationen wenden Sie sich an:
Jonathan Hollander, Tel. 212.219.3910 (USA), jonathan@batterydance.org (www.batterydance.org)
Aviva Geismar, Tel. 212.961.0963 (USA), drasticaction@earthlink.net (www.drasticaction.org)

Dances for the Blue House werden gefördert von der Stadt Breisach, der Landesstiftung Baden-Württemberg, der US-Botschaft in Berlin, dem US-Generalkonsulat in Frankfurt, der Citigroup Deutschland, der Körber-Stiftung, 5000xZukunft, dem Hotel Restaurant Kapuzinergarten, der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, den Festspielen, der Volksbank Freiburg, Sparkasse Staufen-Breisach, Volksbank Breisgau-Süd, Staatliche Brauerei Rothaus und 53 großzügigen Privatspendern.

Förderverein Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus Breisach e.V., Tel. 0049-(0)7667/80834
info@juedisches-leben-in-breisach.de (www.juedisches-leben-in-breisach.de)

 


Tänze für das Blaue Haus 3. bis 6. August 2006

Battery Dance Company, New York - Jonathan Hollander, Artistic Director
Drastic Action, New York - Aviva Geismar, Artistic Director

Schirmherr: Der Regierungspräsident Baden-Württemberg in Freiburg
Dr. Sven von Ungern-Sternberg

Das Blaue Haus ist das mehr als 300 Jahre alte jüdische Schulhaus in Breisach. Es wurde im Jahr 2000 vom Förderverein Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus erworben und dient nach seiner Restaurierung als Bildungs- und Gedenkstätte für die Geschichte der Juden am Oberrhein.

Im „Gang der Erinnerung“ findet man die Namen der Mitglieder der jüdischen Gemeinde, die 1940 ausgelöscht wurde. Gemeinsam mit den jüdischen Familien weltweit wird an der Dokumentation ihrer Schicksale gearbeitet, die so „aus dem Exil zurückkehren“.

Zwei jüdische Choreographen in New York, Jonathan Hollander und Aviva Geismar, erfuhren von der Arbeit des Blauen Hauses. Aviva Geismar stammt selbst aus einer der Gründungsfamilien der letzten jüdischen Gemeinde: ihre Großeltern wuchsen in der Judengasse auf. Beide und weitere Familienmitglieder wurden in Auschwitz ermordet. In Unterstützung der Arbeit des Blauen Hauses schufen die beiden Künstler vier Stücke für ihre Dance Companies, die „Tänze für das Blaue Haus“. Mit ihrer künstlerischen Arbeit wollen sie einen Dialog über wichtige Fragen anstoßen, die sich aus der 400jährigen gemeinsamen Geschichte von Juden und Christen in Breisach ergeben. Wie leben wir heute mit unserer Geschichte?

Jonathan Hollander (Battery Dance Company) und Aviva Geismar (Drastic Action) bringen zehn Tänzer mit, die selbst aus verschiedenen Kulturen stammen. Nach dem 19. Juli 2006 arbeiten sie mit 100 Schülern in Freiburg im Rahmen von Workshops.

Battery Dance Company und Drastic Action werden unter Leitung von Aviva Geismar eine Tanzinszenierung erarbeiten „Näher als es scheint“ und damit die ehemalige Judengasse - die heutige Rheintorstraße in Breisach - wiederbeleben.

Die Aufführungen der „Tänze für das Blaue Haus“ auf der Freilichtbühne der Festspiele auf dem Münsterberg werden Höhepunkte dieser Kulturtage sein. Sie werden begleitet von Vorträgen und Workshops unter Leitung von Prof. Dan Bar-On, Israel.

Ein Konzert des Chagall Quartetts Frankfurt im Radbrunnen bringt zum Abschluß Werke der verfolgten jüdischen Komponisten zu Gehör.