Die Geschichte der Juden in Breisach

 

Mitglieder der ehemaligen jüdischen Gemeinde Dreimal in siebenhundert Jahren haben Juden in dieser Stadt gelebt, gelitten und gebetet: "Sei nur in Gott getröstet, mein Geist; denn meine Hoffnung kommt von ihm. Nur er ist Fels und Rettung mir; nein, stürzen werd' ich nicht. Mein Heil und meine Würde ist bei Gott; mein Schutzfels, meine Zuversicht ist er."

Ausführliche Texte zu einzelnen Aspekten finden Sie unten.

 

 

 

1301 - 1349

"Smariant der Jude von Breisach unser Bürger" und seine Söhne, sein Nachbar Salmann von Bern, Viveli, Löwe und Gutela: Unabgesondert von ihren christlichen Nachbarn wohnten sie dreißig Jahre vor dem gewaltsamen Ende ihrer Gemeinde auf dem Breisacher Berg. Von vierzehn Häusern, die sich um 1325 im Besitz jüdischer Eigentümer befanden, standen zehn in der Oberstadt und nur vier in der Unterstadt.

Das Deutzer Memorbuch gedenkt des Martyriums der Breisacher Juden im Februar 1349:

"Jiskor Elohim - Gott möge gedenken der Ermordeten und Verbrannten der Gemeinden Basel, ..., Ehnheim, Kaysersberg, Breisach, Sennheim, Rosheim mit den Seelen Abrahams, Isaaks und Jakobs, Saras, Rebekkas, Rahels und Leas und mit den anderen Gerechten, die im Garten Eden sind. Amen. Sela."

 

1376 - 1424

Abt Ludwig und der Konvent des Klosters Pairis verkaufen dem "weisen und bescheidenen Juden" Vivilkind am 1. Februar 1376 für 125 Goldgulden das auf dem Breisacher Berg gelegene Haus zum Löwen, das an der Ostseite der heutigen Radbrunnenallee stand und an den "vicus Leonis" stieß.

Mit Ausnahme des Juden Chajim, der um die Mitte des 15. Jahrhunderts eine führende Stellung in der vorderösterreichischen Judenschaft innehatte, scheinen von 1424 bis 1638 keine Juden mehr in Breisach gewohnt zu haben.

 

1638 - 1940

Marx Schnatticher, Nathan Ulmo und die Stammväter der Breisacher Familien Günzburger, Geismar und Wormser waren die ersten Juden, die sich nach der Eroberung der habsburgischen Festung Breisach durch den in französischem Sold stehenden Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar im Dezember 1638 in der 1648 an Frankreich abgetretenen und erst 1700 an Österreich zurückgegebenen Stadt niederließen.

Hans David Blum, der 1919 in Breisach geboren wurde und 1936 ins Exil ging, hat der jüdischen Gemeinde seiner Vaterstadt mit seinem 1998 in Konstanz erschienenen Buch über die "Juden in Breisach", das ihre Geschichte bis zur "bürgerlichen Gleichstellung" der badischen Juden im Jahr 1862 beinhaltet, ein würdiges und liebevolles Denkmal gesetzt.

Den Höhepunkt ihres Wachstums erreichte die israelitische Gemeinde in den Jahren 1875-1880, in denen sie 530-560 Seelen zählte. Noch ungeschrieben ist das letzte und traurigste Kapitel ihrer Geschichte, an deren Ende die Deportation der Breisacher Juden steht.

Was danach kam, "was Auschwitz-Birkenau war, wird niemand mehr beschreiben können. Wie soll man den Menschen gerecht werden, die hier zum letztenmal die Sonne, die Sterne und den Mond gesehen haben, jenen Müttern, die hier zum letztenmal ihre Kinder gesehen haben? Wie soll man sie zumindest für einen kurzen Augenblick zum Leben nach dem Tod erwecken? Jeder von ihnen war jemand gewesen - meine Mutter, mein Vater, mein Bruder, meine Schwester" (Arnost Lustig).

Günter Boll (Sommer 2000)

 

 

 

 

 

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