Dan Bar-On wurde 1938 in Haifa geboren; seine Eltern stammten aus Deutschland. Er war 25 Jahre Mitglied des Kibbutz Revivim, wo er als Landarbeiter, Erzieher und Sekretär des Kibbutz arbeitete. Nach seinem Magisterabschluss in Psychologie 1975 war er in der Klinik des Kibbutz tätig und spezialisierte sich dabei auf Therapie und Forschung mit Familien von Überlebenden des Holocaust. 1981 machte er seinen Doktor an der Hebrew University von Jerusalem. 1985 begann er als erster mit einer Felduntersuchung in Deutschland, die sich mit den psychologischen und moralischen Nachwirkungen des Holocausts auf Kinder von Tätern beschäftigte. Sein Buch "Legacy of silence: Encounters with children of the Third Reich" [deutsch: Die Last des Schweigens: Gespräche mit Kindern von NS-Tätern] wurde 1989 von der Harvard University Press (HUP) veröffentlicht und ist seither in französisch, deutsch, japanisch und hebräisch übersetzt und erschienen. Von da an hat Bar-On in fünf intensiven Begegnungen Nachkommen von Überlebenden und Tätern zusammengebracht ("The TRT group", gesendet 1993 von BBC bei Time Watch), ebenso wie Studenten der dritten Generation beider Seiten. Sein Buch "Fear and hope: Three generations of Holocaust survivors' families" [deutsch: Furcht und Hoffnung : von den Überlebenden zu den Enkeln ; drei Generationen des Holocaust] wurde in hebräisch, englisch (HUP), deutsch und chinesisch veröffentlicht. Sein letztes Buch "The indescribable und the undiscussable" kam 1999 bei der European University Press heraus. 1998 und 2002/2003 war Bar-On Ida E. King Lehrstuhlinhaber für Holocaust und Völkermord Studien am Stockton College in New Jersey, wo er 1999 die Ehrendoktorwürde erhielt. Er ist ordentlicher Professor für Psychologie der Fakultät für Verhaltenwissenschaften der Ben-Gurion Universität, deren Vorsitz er 1993-1995 und wieder 2003-2005 innehatte. 1996 wurde er mit dem David Lopatie Chair for Post-Holocaust Psychological Studies geehrt. 2001 erhielt er das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, verliehen durch den Deutschen Bundespräsidenten Dr. Johannes Rau. 2003 wurde er mit dem Erich Maria Remarque-Friedenspreis in Osnabrück ausgezeichnet. Dan Bar-On ist Ko-Direktor von PRIME (Peace Research Institute in the Middle East) in der Nähe von Beit Jala, PNA, zusammen mit Professor Sami Adwan von der Bethlehem Universität. Zusammen erhielten sie im Juni 2001 den Alexander Langer Preis in Bozen, Italien, für ihr Bemühen im Friedensprozess zwischen Palästinensern und Israelis. 2005 bekamen sie den Victor J. Goldberg IIE Prize for Peace in the Middle East und den EAEA 3rd Out-of-Europe Grundtvig Award on Active Citizenship in a Democratic Society. Er ist verheiratet. Zusammen haben sie sechs Kinder und sechs Enkel.
Text von: Gurion University of the Negev (überarb. 2006). Übersetzung: Gerd Müller
In einer Stellungnahme vom 15. Juli äußert sich Dan Bar-On zur augenblicklichen blutigen Auseinandersetzung im Nahen Osten. Lesen sie die deutsche Übersetzung.
Zur Gesamtproblematik s. auch sein Interview im Hamburger Abendblatt vom 22. Juni 2006