Breisach
24. Oktober 2000

Heute Gedenkfeier in Breisach

Gefangen, deportiert, getötet

BREISACH (gz). Vor 60 Jahren wurden jüdische Bürger aus Breisach deportiert und in das Konzentrationslager Gurs gebracht. Viele starben dort. Heute, Dienstag, 16 Uhr, findet auf dem Synagogenplatz in Breisach im Rahmen der „Woche der Begegnung“ eine Feier statt, die an den 60. Jahrestag dieser grausamen Gewalttat erinnern soll.

Die Gedenkfeier steht unter dem Thema „El Mole Rachamim“, was ins Deutsche übersetzt so viel wie „Gott voller Erbarmen“ bedeutet. An der Gedenkstunde wird auch der Rabbiner Natanel Wurmser aus Fürth teilnehmen. Zuvor wird es um 14.30 Uhr ein Gedenken auf dem jüdischen Friedhof Isenberg geben.

Vor 60 Jahren deportiert und getötet wurden: Bähr Hermann, Bergheimer David, Bergheimer Jenny geb. Levi, Bergheimer Emilie, Bernheim Jakob, Bernheim Sabine geb. Wurmser, Bloch Auguste, Blozheimer Elsa geb. Dreyfuss, Blozheimer Ernst, Blozheimer Ludwig, Bodenheimer Rosalia geb. Geismar, Breisacher Benjamin, Breisacher Fanny, Breisacher Frieda, Breisacher Corrina, Breisacher Luise, Breisacher Melanie, Breisacher Mathilde geb. Model, Breisacher Melanie geb. Blozheimer, Burgheimer Robert, Debeer Selma geb. Weis, Dreyfuss Else, Eisemann Michael, Felsenstein Heleva, Geismar Betty geb. Löb verh. m. Theodor, Geismar Edmund, Geismar Emmi verh. Rosenberg, Geismar Hans, Geismar Heinrich, Geismar Karolina geb. Geismar, Geismar Lina geb. Joseph, Geismar Louis, Geismar Marx, Geismar Max, Geismar Rosalie geb. Uffenheimer, Geismar Theodor verh. mit Sara, Geismar Theodor, Geismar Wilhelm, Greilsamer Camilla geb. Breisacher, Geismar Wilhelm, Greilsamer Fanny, Greilsamer Hermann, Greilsamer Julius, Greilsamer Max, Grumbach Emil, Grumbach Fanny, Grumbach Flora, Günzburger Rosa geb. Kleefeld, Heymann Charlotte geb. Geismar, Hochherr Margot Edith Therese geb. Bähr, Hochherr Susanne, Kahn Wilhelm, Kauffmann Hermann, Kauffmann Jeanette geb. Levy, Kindermann Babette geb. Kahn, Kindermann Siegfried, Kleefeld Johanna, Kleefeld Thekla geb. Hofeler, Lazarus Mina, Levy Bella, Levy Fanny, Levy Hermann, Levy Julia geb. Kahn, Levy Julie geb. Eppstein, Levy Marie Sophie, Levy Max, Levy Rosa, Maier Erna geb. Geismar, Maier Hans Jürgen, Mock Abraham, Mock Jenny geb. Karlebach, Mock Max Emil, Model Lydia, Nachmann Florine geb. Blum, Platz Marie Geb. Roederer, Rosenberg Johanna geb. Rosenberger, Rosenberg Julius, Rosenberger Rosalia, Roth Sofia geb. Wurmser, Strauss Hilda, Strauss Josephina geb. Mock, Strauss Julius, Tober Hilda geb. Wurmser, Uffenheimer Adolf, Uffenheimer Anna geb. Roos, Uffenheimer Ferdinand, Uffenheimer Flora, Uffenheimer Jakob, Uffenheimer Selma geb. Blozheimer, Uffenheimer Sitta geb. Kaufmann, Weil Alfred, Weil Fanny geb. Uffenheimer, Weil Betty geb. Friedberg, Weil Elsa, Weil Louise geb. Greilsheimer, Weil Emil, Weil Ludwig, Weil Melina, Weil Moritz, Weil Siegfried, Weil Sara geb. Geismar, Weinberg Fanny Geb. Model, Weinberg Max, Wertheimer Klara geb. Geismar, Wertheimer Flora geb. Kahn, Wertheimer Helene geb. Kohlmann, Wurmser Balbine geb. Levi, Wurmser Karoline, Wurmser Max, Wurmser Salomon, Wurmser Tilla.

Zum Beginn der Seite



Breisach

25. Oktober 2000

Auf dem Breisacher Synagogenplatz wurde gestern an die Opfer des Holocaust erinnert

Bitte um Verzeihung

Von unserem Mitarbeiter Thomas Rhenisch

BREISACH. Mit einer Gedenkstunde auf dem Synagogenplatz wurde gestern im Rahmen der „Woche der Begegnung“ der vor 60 Jahren deportierten und danach ermordeten Breisacher Juden gedacht. Neben den jüdischen Gästen, die auf Einladung des Fördervereins Jüdisches Gemeindehaus und der Stadt Breisach in ihre ehemalige Heimat gekommen waren, nahmen auch zahlreiche Breisacher Bürger an der Gedenkfeier teil.

„Der dreifach gewirkte Faden wurde hier an diesem Ort zerrissen, und er bleibt zerrissen“, sagte Rabbiner Natanel Wurmser in seiner Ansprache. Der Dreiklang der Generationen – Großeltern, Eltern und Kinder – sei zerstört. Deshalb könne dieses schreckliche Kapitel der Geschichte auch nicht geschlossen werden. Dabei gehe es nicht darum, die große „Keule des Holocaust“ zu schwingen. Vielmehr hätten auch die Kinder der von den Nationalsozialisten Ermordeten den Holocaust seelisch nicht verkraftet. Diesem Leid entkommen könne nur, wer „nicht dem Ewigen erzählt, wie groß seine Probleme sind, sondern wer den Problemen von der Größe des Ewigen erzählt“.

Zuvor hatte Bürgermeister Alfred Vonarb den jüdischen Gästen für ihr Kommen nach Breisach, das für viele sicherlich eine sehr schwierige Reise gewesen sei, gedankt. Im Namen der Stadt bat er sie um Verzeihung für das, was ihnen und ihren Verwandten von Deutschen angetan wurde, beziehungsweise dafür, dass ihnen von ihren damaligen Breisacher Mitbürgern nicht beigestanden wurde. „Ich verspreche Ihnen, alles dafür zu tun, dass ein solches Verbrechen nicht noch einmal geschehen kann“, sagte das Stadtoberhaupt.

Den Bogen in die Gegenwart spannte auch der Vorsitzende des Oberrates der israelitischen Religionsgemeinschaft in Baden-Württemberg, Manfred Erlich. Das Gedenken an die Toten sei zugleich eine Mahnung an die Lebenden, dass neben der Aufarbeitung der Vergangenheit auch der mutige Widerstand gegen jegliche antidemokratischen Tendenzen die Voraussetzung für die Freiheit sei. Angesichts der jüngsten Übergriffe gegen Ausländer und der Anschläge gegen jüdische Einrichtungen bedürfe es eines „Aufstandes der Anständigen“.

Danach verlasen Günter Boll und Ruth Rabian sichtlich bewegt die Namen der im Holocaust ermordeten Breisacher Juden.

Christiane Walesch-Schneller, die Vorsitzende des Fördervereins, berichtete schließlich davon, wie der erste Besuch von fünf ehemaligen jüdischen Bürgern Breisachs anlässlich der Einweihung des Synagogenplatzes vor zwei Jahren den Anstoß dazu gab, herauszufinden, welche Personen und Schicksale eigentlich hinter den vielen Namen der Opfer stehen. Sie gab dabei jedoch auch zu bedenken, dass es neben der Geschichte der Opfer auch eine Geschichte der Täter gebe. Auch Breisacher Bürger hätten sich damals schuldig gemacht. Auch wenn dies für die heutige Generation schmerzlich sei, so müsse auch diese Seite der Geschichte erzählt werden.

Zur vorhergehenden Seite Zum Beginn der Seite