Breisach
Jüdische Bürger, die einst in Breisach gelebt haben, weilen zur „Woche der Begegnung“ in der Münsterstadt / Empfang im Rathaus
„Schau, das Leben ist so bunt“
Von unserer Mitarbeiterin Sylvia Pabst
BREISACH. Mit einem Empfang der Stadt Breisach ist am gestrigen Freitag die „Woche der Begegnung“ offiziell eröffnet worden. Bürgermeister Alfred Vonarb hieß die jüdischen Bürgerinnen und Bürger, die einst in Breisach gelebt haben, sowie deren Angehörige im Rathaus herzlich willkommen. Über 40 Personen aus neun Ländern sind der Einladung des Fördervereins Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus und der Stadt gefolgt, um bis zum 26. Oktober Zeichen zu setzen und Breisach zu helfen, ein schwieriges Kapitel seiner Geschichte aufzuarbeiten.
Noch lebhaft in Erinnerung habe er die Einweihung des Synagogenplatzes im November 1998, erklärte Vonarb. „Der heutige Tag ist eine weitere Steigerung dieses Erlebnisses.“ Darüber hinaus drückte das Stadtoberhaupt seine Dankbarkeit gegenüber dem Förderverein aus, der sich nicht nur um die Erhaltung des ehemaligen jüdischen Gemeindehauses kümmere, sondern auch versuche, „jene Zeit thematisch wieder zu beleben“. Vonarb nahm auch Bezug auf antisemitische Ereignisse der jüngsten Zeit in Deutschland und Frankreich und mahnte: „Wehret den Anfängen!“
An die Gäste gerichtet erklärte er, dass sie in Gesprächen mit der Breisacher Bevölkerung dazu beitragen könnten, antisemitische Gedanken abzuwehren.
Ralph Eisemann, Sohn des letzten jüdischen Kantors in Breisach, drückte im Namen der Gäste seinen Dank für die besonders herzliche Einladung zum Besuch der Münsterstadt aus und erinnerte an das „anständige Leben der Juden in Breisach“. „Ich bin überzeugt, dass zukünftige Generationen des deutschen Volkes sich bemühen werden, das Leben und Streben der Menschheit zu verbessern“, betonte er.
Vonarb eröffnete danach eine Ausstellung mit dem Titel „Heimat“. Zu Ehren der Gäste sind bis zum 15. Dezember im Eingangsbereich des Breisacher Rathauses Werke der Breisacher Künstlerin Heidelore Goldammer zu sehen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei sicherlich dem Bild zu, mit dem sie folgendes Gedicht von Hilde Domin illustriert: „Nicht müde werden, sondern dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten“. Im Anschluss an den Empfang der Stadt wurden die ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger von Direktor Emil Göggel im Martin-Schongauer-Gymnasium begrüßt. Wie die Badische Zeitung bereits berichtete, haben sieben Schülerinnen und Schüler aus der elften Klasse in akribischer Recherche zusammen mit ihrer Lehrerin Dagmar Casetou über das Leben von Hans Jürgen Maier geforscht, einem jüdischen Jungen, der 1929 in Karlsruhe geboren wurde und häufig bei seiner Großmutter in Breisach zu Besuch war.
1942 wurde er mit seiner Mutter und seiner Großmutter im Konzentrationslager Auschwitz ermordet, nachdem sie zuvor nach Gurs deportiert worden waren. Die Ergebnisse ihrer Arbeit haben die Schülerinnen und Schüler nun in einer Ausstellung zusammengefasst. Bei der Präsentation ihrer Arbeit lasen sie Briefe vor, die die deportierten Familienmitglieder aus Gurs nach Lissabon zu Verwandten geschickt haben.
Göggel lud alle Schülerinnen und Schüler seiner und auch der anderen Breisacher Schulen ausdrücklich ein, selbst diesen gefundenen Spuren nach- zugehen. Die Ausstellung selbst sei noch sechs Wochen für die Öffentlichkeit zu sehen.
Er zitierte eine jüdische Frau mit den Worten: „Ich möchte leben, schau, das Leben ist so bunt“, und betonte, dass diese Worte genauso gut Hans Jürgen Maier gesagt haben mochte.
Göggel betonte: „Wer begreifen will, was geschieht und geschah, muss Nähe schaffen.“ Er mahnte zur Erziehung zu Wachsamkeit und mutiger Gegenwehr, „wo grundlegende Rechte von Menschen in Frage gestellt werden“.
Hans David Blum, ehemaliger jüdischer Bürger Breisachs, zeigte sich von der Ausstellung, die von Schülerinnen und Schülern musikalisch umrahmt wurde, sehr bewegt und dankte allen Beteiligten sehr herzlich.