Badische Zeitung vom Donnerstag, 21. Februar 2008

Sie haben der rechten Szene abgeschworen
Urteil zu Friedhofsschändung



FREIBURG/IHRINGEN (sh). Die drei jungen Männer auf der Anklagebank haben ihre rechtsradikale Überzeugung abgelegt. Davon jedenfalls ist das Freiburger Landgericht überzeugt, das am Mittwoch in der Berufungsverhandlung um die Verwüstung des jüdischen Friedhofs in Ihringen den Antrag der Staatsanwaltschaft auf eine härtere Strafe abgelehnt hat.

Die Angeklagten im Alter von 16, 17 und 19 Jahren hatten vergangenen August 71 Grabsteine umgestoßen, die teilweise zu Bruch gingen. Es entstand ein Sachschaden von mindestens 40 000 Euro. Die rechtsradikal motivierte Tat hatte Bestürzung in Ihringen und Umgebung ausgelöst. Angestiftet hatte die Drei ein 28-Jähriger, der in erster Instanz bereits rechtskräftig zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Gegen das Strafmaß für die drei Jüngeren — eine beziehungsweise zwei Wochen Jugendarrest — legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Sie forderte stattdessen Jugendstrafen auf Bewährung. Damit wären die Angeklagten über längere Zeit von Bewährungshelfern begleitet worden.

Die Jugendkammer des Landgerichts folgte dem Antrag nicht. "Die Tat war von erheblichem Gewicht" , stellte der Richter klar. Doch für die geständigen Angeklagten sprach, dass sie die Verwüstung nicht geplant hatten. Wichtiger noch: Für das Gericht steht fest, dass sie sich von der rechtsradikalen Szene gelöst haben. "Das sind keine Lippenbekenntnisse" , sagte der Richter. Alle drei nähmen bereits freiwillig an einem Aussteigerprogramm für Rechtsextreme teil. Dies hält das Gericht für sinnvoller, als eine Betreuung durch Bewährungshelfer. Der Richter wies darauf hin, dass die Arreste gravierende Strafen seien: "Das werden die Angeklagten spüren, und das sollen sie auch, um die schlimme Tat zu sühnen." Gegen das Urteil können sie Revision einlegen.

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