BZ: Herr Kaiser, wie kamen Sie zu diesem Filmprojekt?
BZ: Welchen Focus setzt der Film?
BZ: Sie dokumentieren diese Woche der Begegnung sehr authentisch, indem sie die Gäste auf mehreren Ebenen in ihre Vergangenheit begleiten. Was war für Sie selbst am eindrücklichsten?

Foto: Kaiser
Sechzig Jahre lang wurde vergessen und verdrängt, dass die heutige Lessing- Realschule in Freiburg von 1936 bis 38 Zwangsschule für sechzig jüdische Kinder aus dem südbadischen Raum war. 2003 machten sich dann Schüler der Geschichtswerkstatt auf Spurensuche und luden die Überlebenden im Oktober 2004 zu einer Begegnungswoche ein. Unter dem Titel „Rückkehr in die vergessene Schule“ entstand dabei ein bewegender Dokumentarfilm. Marion Klötzer sprach mit dem Freiburger Filmemacher Bodo Kaiser und seinem Sohn Niels.
Bodo Kaiser: Filme über Themen des Dritten Reiches mache ich schon länger, über die Vertreibung der Breisacher Juden oder ehemalige Zwangsarbeiter im Lager Vulkan in Haslach. Ich bin Jahrgang 1934: Als Zehnjähriger war ich von den Nazis begeistert – vielleicht liegt mir deshalb so viel an der Aufarbeitung und Würdigung all dieses Unrechts. Als mich die Lehrerin Rosita Dienst-Demuth von der Lessingschule um Unterstützung bei diesem Filmprojekt bat, war mir allerdings nicht klar, dass ich die Nachbearbeitung letztendlich alleine machen würde, obwohl ein Großteil der Aufnahmen von den Schülern stammt.
Niels Kaiser: Wir haben zwei Schwerpunkte, über die wir viel diskutiert haben: Meinem Vater ging es um die Dokumentation des Erinnerns, um das Herausarbeiten der Einzelschicksale. Mir war die Motivation der Jugendlichen wichtiger: Warum beschäftigt man sich mit sechzehn überhaupt mit der Nazizeit, trifft sich mit den Opfern, tritt dieses schwere Erbe an? Hier lassen wir die Schüler in vielen Interviews selbst sprechen.
Bodo Kaiser: Die Annäherung. Einige der ehemaligen Zwangsschüler wollten nie wieder nach Deutschland kommen. Aber das Interesse und die Offenheit der Schüler gaben ihnen Mut und zeigten letztendlich: Deutschland hat sich verändert, es gibt eine neue Generation, die den Holocaust nicht mehr verdrängen will. Am Ende waren alle froh, noch einmal zurückgekommen zu sein, auch wenn die Erinnerungen oft sehr schmerzhaft waren. Gerade persönliche Begegnungen können den Menschen ein Stück ihrer Würde zurückgeben, derer sie damals auf so grauenvolle Weise beraubt wurden.
Niels Kaiser: Es ist ja auch die letzte Chance, mit Zeitzeugen in Kontakt zu kommen. Der Film zeigt sie im Gespräch, in ihren Heimatgemeinden, bei den oft eher hilflosen Begegnungen mit ehemaligen Nachbarn. Da bekommt Geschichte wirklich Gesichter.
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– Filmpremiere in Anwesenheit des Schülerfilmteams und der Filmemacher am 20. Juni um 20 Uhr im Kommunalen Kino, Freiburg. Aufführung für Schulen am 5. Juli um 19 Uhr in der Gertrud-Luckner-Gewerbeschule, Außenstelle Kirchstr.1
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