| Badische
Zeitung vom 6. Juli 2001
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Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit |
Schüler aus ganz Baden hatten sich mit dem Leben ehemaliger jüdischer Mitbürger befasst / IngeAuerbacherPreis verliehen |
KIPPENHEIM (ib). In der Form von Dokumentationen, Aufsätzen, Zeitzeugengesprächen, Ausstellungen und vielem mehr hatten sich Schüler weit über den Raum des ehemaligen Badens hinaus mit dem Leben früherer jüdischer Mitbürger auseinander gesetzt. Dafür wurden zwölf Schülergruppen am Mittwoch in der Aula der Kippenheimer Grund- und Hauptschule mit einem Preis ausgezeichnet.
Das Schulprojekt hatte der Deutsch-Israelische Arbeitskreis (DIA) initiiert. Zum ersten Mal wurde der Inge-Auerbacher-Preis verliehen. Die Feierstunde umrahmten Schüler der Oberweierer Grundschule musikalisch.
Der Preis in Form eines Geldbetrags nebst Urkunde ist nach Inge Auerbacher benannt, die als letztes jüdisches Kind 1934 in Kippenheim geboren wurde und seit 1946 in New York lebt. Ihn erhielten verschiedene Schülergruppen der Kippenheimer Schule und Rektor Karl Kopp.
DIA-Vorsitzender Martin Groß ehrte sie dafür, „dass sie sich in besonderer Weise für Menschlichkeit und Toleranz eingesetzt haben“. Das Engagement der Schülerinnen und Schüler sowie Kopps nannte Groß in seiner Laudatio „beispielhaft“ und „zukunftsweisend“. Sie haben im Zusammenhang verschiedener Projekte und in ihrem Engagement, die Kippenheimer Schule „Inge-Auerbacher-Schule“ zu nennen, gegen Ressentiments und antisemitisch geprägte Vorbehalte der Kippenheimer Öffentlichkeit gekämpft, wie Groß weiter sagte.
Im Rahmen des Projekts „Jüdisches Leben in Baden“ hatten sich die Schüler und ihre betreuenden Lehrer mit dem „jüdischen Leben im Leben der Schule“ beschäftigt. Unter anderem hatten sie Begegnungstage mit ehemaligen jüdischen Mitbürgern organisiert, jüdische Geschichte in Kippenheim erforscht und eine Ausstellung „Namen erinnern an Menschen“ in der ehemaligen Synagoge zusammen gestellt.
Rektor Kopp und die Kippenheimer Schüler sollen nicht die einzigen Träger des Inge-Auerbacher-Preises sein. Er soll auch in Zukunft verliehen werden, wie groß sagte. Dafür sucht der DIA noch nach Menschen, die die Preisvergabe finanziell unterstützen.
Rektor Kopp und die Kippenheimer Schüler waren nicht die einzigen Preisträger. Außer ihnen wurden weitere elf Schülergruppen mit Preisen ausgezeichnet. Dies sind Reisen nach Berlin, Straßburg und Frankfurt, außerdem wurden verschiedene Geld- und Sachpreise verliehen.
Sie überreichte Staatssekretär Helmut Rau im Auftrag von Kultusministerin Annette Schavan, die auch Schirmherrin der Projekts vom DIA war. Der Arbeitskreis hatte im Herbst vergangenen Jahres Schulen aus ehemals Baden dazu aufgerufen, sich unter dem Arbeitstitel „Jüdisches Leben in Baden – gestern und heute“ mit dem Judentum und seiner jüngsten Geschichte auseinanderzusetzen. Anlass war das Gedenken an die Deportation jüdischer Bürgerinnen und Bürger nach Gurs am 22. Oktober 1940. „Erinnern und Versöhnungsarbeit hat immer eine Perspektive in die Zukunft“, sagte Groß. Bis zum 2. Mai dieses Jahres gingen beim DIA die unterschiedlichsten Arbeiten ein, wovon eine Auswahl bis nächsten Dienstag vor der Aula in der Grund- und Hauptschule während der Schulstunden ausgestellt ist.
Das Spektrum reichte von handwerklichen Arbeiten und kleinen Geschichten bis hin zu Publikationen mit wissenschaftlichem Charakter, wie Martin Groß sagte. Er selbst war nicht nur von der „erstaunlichen Qualität und Quantität“ erstaunt, sondern auch darüber, „dass sich so viele beworben haben. Unsere Erwartungen wurden übertroffen“. Nicht nur Schüler aus der Region waren unter den Einsendern, auch aus Calw, Konstanz und aus der Nähe von Pforzheim wurden Arbeiten eingereicht.
„Das war kein 0815“
Aus der Ortenau waren außer den Kippenheimer Schülern auch solche aus Oberweier, Lahr, Durbach und Zell am Harmersbach mit dabei. Weitere Arbeiten kamen aus Emmendingen, Weisweil und Bombach, Breisach, Lörrach und Stegen. Die Arbeiten können möglicherweise demnächst im Internet eingesehen werden.
Ein großes Lob für den Einsatz der Schüler und der Lehrer, die sie betreuten, hatten auch Rektor Karl Kopp und Staatssekretär Helmut Rau parat. „Das war kein 0815“, sagte Rau. Kopp erinnerte in seiner Begrüßung daran, „dass das jüdische Leben bis heute fruchtbar und prägend vor allem auf das heutige Profil der Gemeinde Kippenheim wirkt“, auch wenn kein jüdischer Mitbürger mehr hier lebe. Er erzählte auch von seiner persönlichen Begegnung mit Inge Auerbacher, die ihn sehr bewegt hatte – und dies auch, während er darüber erzählte. Kopp stockte die Stimme, er kämpfte mit den Tränen.
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