
BREISACH. An der Auffahrt zum Breisacher Münsterberg befindet sich wenige
Meter vor dem Museum für Stadtgeschichte ein schwarzer Kreis mit der Jahreszahl
1933. In seinem Innern war bis 1945 ein Hakenkreuz zu sehen. Andreas Meckel
aus Freiburg, Mitglied im "Verein gegen das Vergessen und für Demokratie",
fordert nun in einem Schreiben an die Breisacher Stadtverwaltung, die letzten
Reste dieses Symbols, das einst zu Ehren der Nationalsozialisten entstand,
zu entfernen. Andernfalls droht er mit einer Strafanzeige. Die Stadt will
indes zunächst noch abwarten.
Meckel setzt sich seit Jahren nach eigenen Angaben in verschiedenen Arbeitskreisen dafür ein, dass ehemalige nationalsozialistische Symbole - oder Reste solcher - bedingungslos aus der Öffentlichkeit verschwinden. Für ihn und für Angehörige von Opfern des Nazi-Regimes sei es nicht hinnehmbar, dass es heute immer noch solche Symbole gibt, betont er. Der Kreis mit der Jahreszahl 1933 und dem Hakenkreuz war laut Meckel eindeutig
Es sei 1933 von der damaligen Breisacher Stadtverwaltung in Erinnerung an das Jahr der Machtergreifung in Auftrag gegeben worden. Nach dem Krieg sei wenigstens das Hakenkreuz entfernt und durch andere Steine ersetzt worden. Bei einem bestimmten Sonnenstand lasse es sich jedoch noch heute als Schattierung erkennen.
Laut Meckel handelt es sich im Breisacher Fall um das "Symbol einer verfassungswidrigen Organisation, dessen Verwendung gemäß Paragraf 86 a Strafgesetzbuch unter Strafe gestellt ist". Solche Symbole fielen natürlich besonders den Verfolgten des Nazi-Regimes unangenehm auf. Anlässlich der "Jüdischen Woche" in Breisach hätten bereits einige jüdische Emigranten großes Unverständnis geäußert. Dies sei auch Breisachs Bürgermeister Vonarb in einem Brief mitgeteilt worden.
Vor wenigen Wochen hat nun die Stadt Breisach wenige Meter neben dem Kreis eine Hinweistafel angebracht, die auf die Entstehung des Symbols hinweist. Darauf ist unter anderem zu lesen: "1933 wurde der Lange Weg als Notstandsarbeit in Stand gesetzt. Zur Erinnerung an dieses ,erste große Werk der nationalsozialistischen Stadtverwaltung' - wie es in einem zeitgenössischen Presseartikel heißt -, wurde anlässlich der Feier zur Fertigstellung der Arbeiten am 5.11.1933 der heute noch sichtbare Pflasterkreis (bis 1945 mit Hakenkreuz) mit der Jahreszahl 1933 geschaffen. Er erinnert an den Beginn des NS-Regimes und damit an eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte und seine Opfer".
Meckel hält indes von der Hinweistafel nichts, er findet sie "außerordentlich bedenklich". Denn nun werde für viele Passanten, die aus Flüchtigkeit das nur als Schattierung sichtbare Hakenkreuz bisher übersehen hätten, dieses erst deutlich gemacht. Dadurch werde das 1945 "entschärfte" nationalsozialistische Symbol aufgewertet. Es stelle nun erst recht ein Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organisation dar.
Abgesehen von der "vorliegenden Strafbarkeit" empört sich Meckel darüber, "dass sich die Stadtverwaltung ein Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus einspart, indem sie ein nationalsozialistisches Symbol umfunktionieren will, es jedoch als solches auch nunmehr für jeden Passanten erst deutlich macht und somit aufwertet", schreibt Meckels Anwalt an Vonarb. Dies demütige die Opfer des Nationalsozialismus erneut.
Meckel geht jedoch davon aus, dass die Breisacher Stadtverwaltung an einer weiteren Demütigung der Opfer des Nationalsozialismus kein Interesse hat und sieht deshalb vorerst von einer Strafanzeige ab. Gleichzeitig bietet er an, die Beseitigung des Symbols aus eigener Tasche zu bezahlen. Mit einer für ihn positiven Stellungnahme der Stadt rechnet Meckels Anwalt bis spätestens zum 30. Juni.
Bis Ende des Monats wird die Sache jedoch noch nicht entschieden sein. Nachdem Meckels Brief im Breisacher Rathaus eingegangen ist, hat Bürgermeister Vonarb zunächst die Mitglieder des Breisacher Bauausschusses davon unterrichtet. Dabei, so das Stadtoberhaupt auf Anfrage der BZ, sei die vorherrschende Meinung gewesen, den neuen Gemeinderat die Angelegenheit entscheiden zu lassen. Dieser wird zum ersten Mal im September tagen und bis dahin, so Vonarb, ruhe die Sache zunächst einmal.
Bereits vor einigen Monaten war Meckel bei der Breisacher Stadtverwaltung vorstellig geworden. Damals forderte er erfolgreich die Entfernung des Grabsteins des SS-Unterscharführers Josef Schillinger vom Oberrimsinger Friedhof. Schillinger war in der Gaskammer im Konzentrationslager in Auschwitz für den Tod vieler Juden mitverantwortlich und galt als besonders berüchtigt. "Mir ist es ein Anliegen, die Erinnerungsarbeit in rechte Bahnen zu leiten. Wenn ich irgendetwas finde, was geeignet ist, die Opfer der Nazis aufs Neue zu demütigen, werde ich aktiv und gehe dagegen vor", betont Meckel gegenüber der Badischen Zeitung.
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