Badische Zeitung vom Mittwoch, 29. September 2004

Mahnmal für die deportierten Juden
Schülerinnen haben zusammen mit dem Breisacher Künstler Helmut Lutz einen Gedenkstein gestaltet und aufgestellt



Von unserem Mitarbeiter Stephan Schmieglitz
Aufstellen des Steines BREISACH. Schülerinnen des St.-Ursula-Gymnasiums in Freiburg haben zusammen mit dem Breisacher Künstler Helmut Lutz am Montagnachmittag am Münsterberg ein Mahnmal zum Gedenken an die am 22. Oktober 1940 aus Breisach nach Gurs deportierten Juden errichtet. Dabei handelt es sich um einen Stein, der auf dem "Platz des Denkmals für die Opfer des Krieges" aufgestellt wurde.

Die Aufstellung des Steins ist Teil des ökumenischen Jugendprojektes "Mahnmal für die deportierten Juden und Jüdinnen Badens", das bereits seit 2 Jahren läuft und am 23. Oktober 2005, einen Tag nachdem sich die Deportation der Juden zum 65. Mal jährt, durch die Übergabe des so genannten Davidstern-Mahnmals an die Öffentlichkeit vollendet wird. Im Rahmen des Projektes haben sich Jugendgruppen aus ganz Baden mit der Deportation der Juden beschäftigt. Bei ihrer Recherche in Breisach wurden die Schülerinnen von Mitarbeitern des "Blauen Hauses" unterstützt. Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft der baden-württembergischen Kultusministerin Annette Schavan, die Projektleitung wird von der Erzdiözese Freiburg und der evangelischen Landeskirche in Baden gemeinsam koordiniert.

Der Stein wurde von den Schülerinnen am Montagnachmittag in Breisach präsentiert, wobei sie das Projekt kurz vorstellten. Auf dem Gedenkstein wurden von ihnen der Name "Breisach" - als Ort der Deportation - und die "34" - die Anzahl der am 22. Oktober 1940 aus Breisach deportierten Juden - vermerkt. Außerdem sind auf dem Stein Zeichnungen zu sehen, die symbolisch für den Schrecken der Deportation stehen: Stacheldraht für die Gefangenschaft; ein Teddybär mit abgerissenem Arm, um an das Schicksal vieler jüdischer Kinder zu erinnern; ein Koffer als Zeichen für den unfreiwilligen Abschied vom Heimatort und eine Wunde als Symbol für das unmenschliche Leid, das ihnen zuteil wurde.

Diese Wunde, so die Schülerinnen, stehe sowohl für die körperlichen als auch für die seelischen Leiden, die das Dritte Reich bei den Juden hinterlassen habe. Außerdem ist auf dem Stein ein Mund zu sehen. Er steht für die Sprachlosigkeit vieler, die sich nicht trauten, gegen das verbrecherische NS-Regime vorzugehen. Entworfen und gestaltet wurde der Gedenkstein zusammen von den Schülerinnen und Helmut Lutz. Der Breisacher Künstler war es auch, der den Stein zur Verfügung gestellt hatte. Der Bauhof der Stadt Breisach war bei der Aufstellung des Steins behilflich.

Nachdem die Schülerinnen abwechselnd alle 34 Namen der Opfer vorgelesen hatten, wurde der Stein von Helmut Lutz mit einigen Hammerschlägen in der Mitte gespalten. Diese Spaltung, so die Mädchen, stehe "für das Auseinanderreißen von Familien" und den "großen Riss zwischen Christen und Juden", den die antisemitische NS-Politik zur Folge hatte.

Während die eine Hälfte des Steins in Breisach am "Platz des Denkmals für die Opfer des Krieges" aufgestellt wurde, kommt der zweite Teil nach Neckarzimmern. Dort wird auf dem Gelände der Tagungsstätte der evangelischen Jugend ein etwa 25 mal 25 Meter großes Mahnmal in Form eines Davidsterns errichtet. Der Stern wird aus 137 Einzelsteinen geformt, was der Zahl aller Orte in Baden entspricht, aus denen im Dritten Reich Juden deportiert worden sind. Dabei wird aus jeder dieser Gemeinden ein solcher Stein nach Neckarzimmern gebracht. Die Grundsteinlegung für den Davidstern findet am 24. Oktober statt, an diesem Tag werden die ersten Memorialsteine aufgestellt.

Am 22. Oktober wird in Breisach um 16 Uhr auf dem "Platz des Denkmals für die Opfer des Krieges" anlässlich des 64. Jahrestages der Deportation eine Gedenkveranstaltung stattfinden, die von den Schülerinnen gestaltet wird. Daran werden auch Nachfahren der Breisacher Familie Kleefeld, die 1940 nach Gurs deportiert wurde, teilnehmen. Die Schülerinnen laden die Breisacher Bevölkerung zu der Gedenkveranstaltung ein.

Wer sich näher über den Stand des Projektes informieren möchte, kann dies auch im Internet unter www.mahnmal-projekt.de tun.

 

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