Badische Zeitung vom Donnerstag, 29. Juli 2004

Ein Zeichen für Toleranz setzen
16 Jugendliche aus fünf Ländern beteiligen sich am dritten Sommerlager der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste in Breisach



Von unserer Mitarbeiterin Christine Aniol

Sommerlager 2004
Foto: Christine Aniol
BREISACH. Zum dritten Mal veranstaltet Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste (ASF) für junge Leute ein Sommerlager in Breisach. 16 Jugendliche werden in den nächsten zwei Wochen im Blauen Haus, dem ehemaligen jüdischen Gemeindehaus in Breisach, und auf dem jüdischen Friedhof in Mackenheim (Elsass) arbeiten. Am Dienstagabend wurden die freiwilligen Helfer im Blauen Haus begrüßt. >

ASF widmet sich seit 1958 der Versöhnungs- und Friedensarbeit in Ländern, die unter der Naziherrschaft im Zweiten Weltkrieg gelitten haben. In diesem Jahr organisiert die ASF insgesamt 26 Sommerlager, unter anderem in Deutschland, der Ukraine, Russland, Polen, Frankreich und den Niederlanden. Die Jugendlichen können sich zwischen unterschiedlichen Projekten, in denen sie mitarbeiten wollen, entscheiden und müssen lediglich für die An- und Abreise, sowie einen Teil der Verpflegungskosten selbst aufkommen.

In Breisach wird diese internationale Begegnung vom Förderverein Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus mitgestaltet. In Mackenheim ist der Projektpartner der im September 2003 gegründete französisch-deutsche Verein Les Amis du Judengarten de Mackenheim.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland, Polen, Frankreich, England und den USA werden auch in diesem Jahr im Evangelischen Gemeindehaus in Breisach übernachten. Zahlreiche Breisacher Unternehmen und Institutionen unterstützen das Sommerlager. Auch Mitglieder des Fördervereins Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus kümmern sich um die Verpflegung der jungen Leute.

Anka Kulczycka aus Oswiecim in Polen, Sandra Greuel aus Jena und Samuel Harding aus Oxford haben im Vorfeld das Programm für die zwei Wochen organisiert. Früher hätten sie selbst an Sommerlagern, die von der ASF organisiert wurden, teilgenommen, erzählt Greuel. So kamen sie auf die Idee, auch mal als Teamer die Leitung eines Lagers zu übernehmen.

Im Blauen Haus werden die Jugendlichen den Keller unter Anleitung der Firma Domizil aus Titisee-Neustadt renovieren, berichtet Harding, der seit September 2003 als Freiwilliger der ASF im Blauen Haus arbeitet. Damit bei der Freilegung einer mittelalterlichen Straße unter dem Keller des Gebäudes nichts passiert, unterstütze die Firma, die für die Restaurierungsarbeiten zuständig ist, die Siebzehn- bis Fünfundzwanzigjährigen. Außerdem stehen Arbeiten wie Unkraut jäten, Flächen vermessen und Grabsteine aufstellen auf dem jüdischen Friedhof in Mackenheim auf dem Programm, informiert Teamerin Greuel.

Neben der praktischen Arbeit werden die Jugendlichen sich mit unterschiedlichen Themen rund um die jüdische Kultur und speziell mit der Geschichte Breisachs befassen, ergänzt Kulczycka. Der Historiker Günther Boll wird der Gruppe mit Rat und Tat bei Fragen zur jüdischen Vergangenheit Breisachs beiseite stehen.

Besonders interessant sei das Sommerlager in diesem Jahr, da Rona Kremer aus Los Angeles mit Hilfe dieses Projektes in Breisach ihre Wurzeln finden will, berichtet Christiane Walesch-Schneller, Vorsitzende des Fördervereins ehemaliges jüdisches Gemeindehaus. Die Studentin ist Jüdin, ihre Vorfahren kommen aus Breisach. "Erst mit Hilfe des Sommerlagers ist es ihr möglich, etwas über ihre Vergangenheit zu erfahren", sagt Walesch-Schneller. Zudem könne sie aus ihrem Alltag als praktizierende Jüdin berichten, was "außerordentlich spannend" sei, ergänzt die Vorsitzende.

Neben der Arbeit für das Projekt, soll aber auch der Spaß in Breisach nicht zu kurz kommen, betont Teamerin Greuel. Ausflüge ins Elsass, nach Freiburg, in den Schwarzwald und eine Kanufahrt seien geplant.

Die drei Teamer zeigten sich über die aufgeschlossene Gruppe sehr erfreut. Außer dem Interesse an der jüdischen Geschichte zähle vor allem die "gute Tat und das Setzen eines Zeichens für Frieden und Toleranz in dieser Welt", betonte Greuel.

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