Badische Zeitung vom Mittwoch, 28. Oktober 2009

Symbolträchtige Kunstinstallation im Garten des Blauen Hauses
Zeichen der Versöhnung und des Friedens



"Liebe deinen nächsten wie dich selbst" – dieser Satz aus dem Alten Testament ist in 11 Sprachen auf Balkenelementen zu lesen, die auf die jetzt neu verputzte Südmauer des Gartens vom Blauen Haus an der Breisacher Rheintorstraße angebracht wurden.

BREISACH. Der in der Münsterstadt lebende Künstler Ari Nahor hat die Installation für das ehemalige jüdische Gemeindehaus in Breisach entworfen.

Dabei hat er den Davidstern, eines der zentralen Symbole des Judentums, in seine Einzelteile, nämlich die Balkenelemente, aufgelöst, die in unterschiedlichen Blautöne eingefärbt und in freier Anordnung ins Mauerwerk eingelassen wurden.


(Foto: Kai Kricheldorff)

Wie kaum ein anderes biblisches Wort verkörpert der Satz aus dem 3. Buch Moses, das Gebot, anderen Menschen mit Respekt, Toleranz und Nächstenliebe zu begegnen. In den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Polnisch, Russisch, Spanisch und Türkisch ist der Satz auf die Balken eingelassen – ebenso auf Hebräisch und Arabisch. Der Künstler hat die Schriftzüge auf gebrochene Balken anbringen lassen. Damit werden die noch auf friedliche Lösung harrenden Konflikte zwischen Palästinensern und Israelis sowie zwischen Arabern und Juden symbolisiert.

"Hab die Mitmensch grad eso gärn wie dich sälber" heißt es auf einem weiteren Balken, womit auch die alemannische Sprache in der Installation ihren Platz bekommen hat. Mit der Arbeit von Ari Nahor werde im Blauen Haus ein für die Besucher sichtbares Zeichen der Versöhnung, des Friedens und des respektvollen Miteinanders gesetzt, würdigte Breisachs Bürgermeister Oliver Rein in einer kurzen Ansprache das Kunstwerk.

Der Förderverein ehemaliges jüdisches Gemeindehaus Breisach (Blaues Haus) hatte die Einweihung der von zahlreichen Sponsoren realisierten Installation mit einer Veranstaltung zum Gedenken an die Deportation der Breisacher Juden am 22. Oktober 1940 in das Lager Gurs verbunden. Zugleich gedachte man des 9. November 1938, dem Tag der Pogromnacht gegen jüdische Mitbürger, ihr Eigentum und ihre Einrichtungen.

Im Beisein von über 60 Anwesenden sprachen auch Emil Göggel für die katholische Münsterpfarrei St. Stephan und Pfarrer Peter Hanselmann von der evangelischen Martin-Bucer-Gemeinde kurze Gedenkworte sowie die Fördervereinsvorsitzende Christiane Walesch-Schneller und Pfarrer Gerhard Dümchen aus Efringen-Kirchen.

Nach der endgültigen Fertigstellung wird der Förderverein den Garten im nächsten Jahr auch für Freiluftveranstaltungen im Blauen Haus nutzen. Neben der Anbringung der Installation von Ari Nahor wurde auch ein kleines Stück der aus dem 14. Jahrhundert stammenden Breisacher Stadtmauer freigelegt. Sie stellt die westliche Begrenzung des Grundstücks dar.

Zur vorhergehenden Seite Zum Beginn der Seite