Badische Zeitung vom Montag, 28. Juni 2010

"Teppich des Verständnisses weben"
Eine Woche lang wird in Breisach der Opfer der jüdischen Gemeinde während des Nationalsozialismus gedacht. Am Sonntag fand der Auftakt der Begegnungswoche statt. Zahlreiche Gäste verfolgten die Vorstellung der Installation "Pour Crever" des Künstlers Trimpin.




Der Künstler Trimpin stellte bei der Eröffnung der Begegnungswoche am Radbrunnen seine Installation "Pour Crever" aus dem Gurs Zyklus vor.


Minja Janeck überbrachte bei der Eröffnung der Begegnungswoche in Breisach die Grüße der jüdischen Gemeinden in Baden.


Elaine Wolff-Wurmser, deren Mutter in Breisach geboren wurde.


Gerald Schwab, dessen Eltern in Breisach geboren wurden, sprach bei der Eröffnung der Begegnungswoche in Breisach (Fotos: Christine Aniol)

BREISACH. Mit Vorträgen, Konzerten, Diskussionsrunden und Ausstellungen soll zudem gemeinsam an die 300 Jahre jüdischen Lebens in der Münsterstadt erinnert werden.

Vor 70 Jahren, am 22. Okotber 1940, wurden die letzten jüdischen Breisacher in das Lager nach Gurs deportiert, viele starben. "Das beschämendste Kapitel der Stadtgeschichte", betonte Bürgermeister Oliver Rein. In seiner Begrüßung lobte er die Begegnungswoche. "Gemeinsam wird erinnert und das Kapitel so wieder aufgeschlagen und nicht vergessen", sagte er. Organisiert wird die Veranstaltungsreihe unter der Schirmherrschaft des Regierungspräsidenten Julian Würtenberger vom Förderverein Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus Breisach. Es solle nicht nur darum gehen, an die Zeit zwischen 1933 und 1945 zu erinnern. Auch die Auseinandersetzung mit 300 Jahren jüdischen Lebens in Breisach zwischen 1640 und 1940 stehe im Mittelpunkt, sagte die Vorsitzende Christiane Walesch-Schneller.

Aus der näheren Umgebung, aber auch aus den USA, Israel, Großbritannien, der Schweiz und aus Frankreich reisten Gäste an, um gemeinsam zu erinnern. "Mein Wunsch ist es, dass wir einen neuen Teppich des Verständnisses und des Zusammenseins weben", betonte Walesch-Schneller. Unter anderem konnte sie Überlebende und Nachkommen der Breisacher Juden begrüßen. Von seiner Kindheit erzählte Gerald Schwab, dessen Eltern aus der Münsterstadt kommen und der selbst in Freiburg geboren wurde.

Elaine Wolff-Wurmser, deren Mutter aus Breisach stammt, war aus New York angereist. "Den nachfolgenden Generationen muss man immer wieder erklären, was vor 70 Jahren Schreckliches passiert ist," betonte sie. "Die Art der Erinnerungsarbeit, die in Breisach geleistet wird, ist kostbar", hob Minja Joneck hervor. Die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Konstanz überbrachte die Grüße der jüdischen Gemeinden in Baden. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung auf dem Münsterberg von dem Ensemble Arabesque.

Im Mittelpunkt der Auftaktveranstaltung am Radbrunnen stand die Vorstellung der Installation "Pour Crever" des Künstlers Trimpin aus dem Zyklus Gurs. Geboren wurde er in Efringen-Kirchen und setzte sich schon früh mit dem jüdischen Leben in der Region auseinander. Wasser tropft leise die Installation hinunter. Bei genauem Hinsehen kann man Buchstabe für Buchstabe die Namen der Breisacher Juden entziffern. "Damit sie nicht in Vergessenheit geraten", erklärte Trimpin.

Zur vorhergehenden Seite Zum Beginn der Seite