Von unserem Mitarbeiter Kai Kricheldorff
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BREISACH. Erstmals erfahren in Breisach die Opfer nationalsozialistischer Euthanasie-Morde eine öffentliche Würdigung. Am 27. Januar, dem internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, eröffnete im Stadtmuseum eine Wanderausstellung zum Thema: "Krankenmord im Nationalsozialismus – Grafeneck 1940".
Sie informiert über das Euthanasie-Programm, mit denen die Nationalsozialisten psychisch Kranke, geistig und mehrfach behinderte Menschen, Pflegebedürftige und jugendliche Fürsorgezöglinge systematisch töteten. Allein auf Schloss Grafeneck, einem ehemaligen Heim für behinderte Kinder auf der Schwäbischen Alb, wurden in den Jahren 1940/41 über 10 500 Menschen aus Süd- und Südwestdeutschland ermordet. Insgesamt wurden in Deutschland durch nationalsozialistische Euthanasieverbrechen über 70 000 Menschen umgebracht. "Gnadentod" nannten die Nazis zynisch den Mord an Zehntausenden kranker und behinderter Menschen.
Nachweislich zählten zu diesen Opfern auch 7 Breisacher Bürgerinnen und Bürger. Dass bei der Ausstellungseröffnung Nachfahren dieser Opfer anwesend waren, hob Museumsleiter Uwe Fahrer besonders hervor. Fahrer wies auch darauf hin, dass die Forschung über die Euthanasie-Morde noch immer in den Anfängen stecke. "Die Geschichten, Biografien und die Leidenswege dieser Menschen, die vor 70 Jahren zu ihrem gewaltsamen Tod geführt haben, müssen aufgearbeitet werden, um den Opfern ihre Würde zurückzugeben", betonte der Museumsleiter. Dr. Gabriel Richter, Oberarzt am Psychiatrie-Zentrum Emmendingen, gilt als Kenner der Geschichte des mörderischen Euthanasie-Programms. In seinem Vortrag bei der gut besuchten Ausstellungseröffnung ging er auf das Schicksal der in Grafeneck vergasten Opfer ein. Mit grauen Bussen wurden sie aus den Kranken- und Behinderteneinrichtungen sowie den Bewahranstalten nach Grafeneck transportiert, wo sie unmittelbar nach ihrem Eintreffen in Gaskammern ermordet wurden. Über ihren Tod wurden die Angehörigen einige Zeit später unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zur Todesursache und gefälschter Sterbedaten informiert, um die tatsächlich geschehene Ermordung zu verschleiern. "Die Ökonomisierung der Problematik, dass Menschen auf Grund gesundheitlicher Einschränkungen nicht für ihre eigenes Auskommen sorgen können", war laut Richter eine Begründung für die Einführung des menschenverachtenden Euthanasieprogramms der Nazis. Ihm fielen auch behinderte Kinder zum Opfer. Richter veranschaulichte, dass diese Opfer des NS-Regimes in der Nachkriegszeit lange unter dem Mantel des Schweigens in Vergessenheit gerieten. Erst seit den 80er Jahren wird den Euthanasieverbrechen und ihren Opfern nach und nach öffentliche Aufmerksamkeit zuteil. Am Ende des Abends wurden die Namen der in Grafeneck vergasten Menschen aus Breisach verlesen: Corinna Breisacher, Frieda Jung, Fanny Levi, Karolina Pfordt, August Schillinger, Hugo Wurmser und Max Wurmser. Vorträge: Im Rahmen der Ausstellung, die das Stadtmuseum gemeinsam mit dem Förderverein ehemaliges jüdisches Gemeindehaus Breisach zeigt, spricht am Dienstag, 9. Februar, die Breisacher Ärztin Gerlinde Leininger über "Die Kreispflegeanstalt Freiburg – 1877 bis 1940". Sie zeichnet nach, "wie eine sozialreformerische Idee zu einem Vernichtungsinstrument im Nationalsozialismus pervertierte". Am Mittwoch, 3. März, spricht der Historiker Thomas Stöckle von der Gedenkstätte Grafeneck über "NS-Euthanasieverbrechen in Südwestdeutschland". Beide Vorträge beginnen jeweils um 19 Uhr im Stadtmuseum. Die Ausstellung wird bis 3. März gezeigt. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 14 bis 17 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen, 11.30 bis 17 Uhr. Voranmeldung für Schulklassen und Gruppen unter stadtarchiv@breisach.de oder http://www.juedisches-leben-in-breisach.de |
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