Badische Zeitung vom 26. Oktober 2001

Erinnerung an die Opfer

Schüler des Gymnasiums arbeiten im Rahmen einer Projektwoche im jüdischen Gemeindehaus

BREISACH (ue). Wenn es demnächst losgeht mit der Sanierung des ehemaligen jüdischen Gemeindehauses in Breisach, dann haben Schülerinnen und Schüler des Martin-Schongauer-Gymnasiums bereits einige Vorarbeit geleistet.

So waren in dieser Woche zwölf Jugendliche aus der neunten, zwölften und dreizehnten Klassenstufe im Rahmen der Projektwoche des Gymnasiums in dem Gebäude anzutreffen. Sie hatten sich nicht nur das Ziel gesetzt, die alten Böden aus den einzelnen Räumen zu entfernen. Neben der Arbeit wollten sie auch etwas über die jüdische Vergangenheit in der Münsterstadt erfahren. „Zumindest wird über das Projekt Interesse an dem wichtigen Thema geweckt“, ist die das Vorhaben begleitende Deutsch- und Geschichtslehrerin Dagmar Casetou überzeugt.

Die Pädagogin, selbst Mitglied im Förderverein Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus, hat sich schon einmal an anderer Stelle im Schulalltag für diesen Themenbereich engagiert. In einer Arbeitsgruppe mit Zehnt- und Elftklässlern wurde das Leben des jüdischen Jungen Hans-Jürgen Maier recherchiert und aufgearbeitet. Maier war zusammen mit seiner Mutter und der Großmutter 1940 nach Gurs deportiert worden. Die Ausstellung über die Arbeit der Jugendlichen habe großen Anklang gefunden, sagt Dagmar Casetou.

Mit dem neuen Projekt soll das Thema eine gewisse Fortsetzung finden, auch wenn sich ganz andere Schülerinnen und Schüler (bis auf eine) übrigens freiwillig dafür entschieden haben. Am Montag führte der Breisacher Stadtarchivar Uwe Fahrer die Gymnasiasten in die Geschichte des ehemaligen jüdischen Gemeindehauses ein. Schließlich wurden von der Firma Erismann gespendete Tapeten mit den Namen von Breisacher Opfern jüdischer Herkunft beschriftet. Diese Fahnen zieren nun die Fassade des Gebäudes, in dem bekanntlich eine Gedenk- und Begegnungsstätte entstehen soll.

Die Jugendlichen wollten in dieser Woche jedoch nicht nur anpacken, sondern ihre Arbeit auch auf einen mit Musik unterlegten Film bannen. Dabei ins Drehbuch aufgenommen wird natürlich auch die Geschichte des Hauses, „es geht um gestern und heute“, sagt Dagmar Casetou. Der Film wird heute, Freitag, im Rahmen des Abschlusses der Projekttage am Gymnasium gezeigt.


 

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