Badische Zeitung vom Donnerstag, 25. Januar 2007

Begegnen, reden, den anderen verstehen
In Breisach treffen sich Jugendliche aus Israel und Deutschland / Besuch in Mackenheim



 

BREISACH (fsn). Zusammen lernen, miteinander reden, sich kennen lernen und austauschen, das wollen zurzeit 14 israelische und 10 deutsche Jugendliche in Breisach. Sie gehören zu einem Projekt, das das Blaue Haus in Breisach in Verbindung mit der Lehrerin Rosita Dienst-Demuth von der Lessing-Realschule Freiburg und dem "Haus der Ghettokämpfer" in Israel, vertreten durch Tanja Ronen, realisiert.

Als der 1938 aus Konstanz emigrierte Michael Bloch, der auch Breisacher Vorfahren hat, vor zwei Jahren in Israel starb, entwarf seine Familie ein Projekt, das seinen Namen tragen sollte: "Michaels Dialog" . Ziel dabei ist, am Beispiel der Familie Bloch zu untersuchen, wie eine jüdische Familie, die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung geworden ist, in der Folge Versöhnungs- und Friedensarbeit leistete.

Als Zielgruppe hatte man Jugendliche aus Israel und Deutschland im Auge, die sich nicht nur in beiden Ländern begegnen, sondern zwischenzeitlich auch über Internet Verbindung halten und zusammen ein Werk in beliebiger Art entwickeln sollen. Die Projektskizze wurde beim Wettbewerb "Frieden für Europa — Europa für den Frieden" eingereicht und für förderungswürdig befunden.

Das ermöglichte nun den Jugendlichen aus Israel, deutsche Gleichaltrige zu treffen und damit den ersten Teil des Projekts in die Tat umzusetzen. Eine Woche dauert die Begegnung, von der eine Hälfte in Breisach und die andere Hälfte in Konstanz verbracht wird. Ein Tag mit anschließender Übernachtung in der Gastfamilie sorgt zudem für einen Einblick ins deutsche Familienleben.

Empfang im Breisacher Rathaus

Das Programm für den ersten Tag war dicht bepackt. Nachdem die Gruppe am Vormittag einen Eindruck von Breisach gewinnen konnte und von Bürgermeister Oliver Rein empfangen worden war, stand am Nachmittag der Besuch auf dem jüdischen Friedhof im elsässischen Mackenheim auf dem Programm. Auch der Mackenheimer Bürgermeister, Jean-Claude Spielmann, ließ es sich nicht nehmen, die Gruppe zu begrüßen und ihr mit Hilfe von Bildern zu demonstrieren, was in den letzten Jahren an Restaurationsarbeit geleistet worden ist. Auf dem Friedhof nahm sich Günter Boll, der zum Erhalt und der Erforschung des Mackenheimer "Judengartens" maßgeblich beigetragen hat, der Gruppe an und machte sie mit den Besonderheiten eines jüdischen Friedhofs im Elsass vertraut.


Jugendliche aus Israel und Deutschland, die zurzeit an einem Jugendaustausch teilnehmen, besuchten den jüdischen Friedhof in Mackenheim und hörten zu, was Günter Boll (rechts) zu erzählen wusste.(FOTO: ARI NAHOR)

Vorne von links: Tanja Ronen, Günter Boll, Smada Ben Arieh und Bürgermeister Spielmann


Da zeigte sich gleich der unterschiedliche kulturelle Hintergrund der Jugendlichen: Was für die Deutschen nur unverständliche Zeichen waren, konnten die Israelis mühelos lesen. Dennoch blieben auch für sie Fragen offen, die Günter Boll geduldig beantwortete.

Glücklicherweise fanden Deutsche und Israelis aber in der englischen Sprache einen gemeinsamen Code, der eine Auseinandersetzung überhaupt erst möglich machte. Und die schien gut zu funktionieren. Es sei spät geworden am Abend zuvor, berichtete der 16-jährige Patrick Oestringer aus Freiburg, man habe viel erzählt und besprochen. Das bestätigte auch die 14-jährige Adva Bloch, eine Enkelin des Namensgebers des Projekts. Über Politik oder Vergangenheit habe man bis jetzt zwar nicht viel geredet, bis auf wenige Ausnahmen. So habe ein palästinensischer Junge, der auf deutscher Seite bei dem Projekt dabei ist, den jüngsten Krieg im Libanon problematisiert, ohne aber die israelischen Jugendlichen persönlich verantwortlich zu machen. Alle zeigten sich hochmotiviert und gespannt darauf, was der Austausch noch bringen wird.

Tanja Ronen vom "Haus der Ghettokämpfer" ist daher auch mit dem Ablauf sehr zufrieden. Und auch Tzafrir Bloch und Smada Ben Arieh, die erwachsenen Kinder von Michael Bloch, die die Gruppe begleiten, freuen sich darüber, dass sich das Projekt gut anlässt.

Im April wird die deutsche Gruppe nach Israel reisen. Und dazwischen bleibt viel Zeit, um übers Internet im Gespräch zu bleiben.

Zur vorhergehenden Seite Zum Beginn der Seite