Badische Zeitung vom Montag, 24. Oktober 2005

„Gemeinsam für ein friedvolles Miteinander in der Zukunft arbeiten“
Die Deportation badischer Juden ins südwestfranzösische Lager Gurs jährte sich zum 65. Mal / Gedenkstunde am Mahnmal unterhalb des Breisacher Münsters



 

Jacob Picard
FOTO: ARI NAHOR
BREISACH (rai). Zahlreiche Bürger gedachten gestern am Mahnmal unterhalb des Münsters der Deportation der badischen Juden vor 65 Jahren. Im Mittelpunkt stand der im letzten Jahr gesetzte Gedenkstein, der von Schülern der Freiburger St.-Ursula-Schule gestaltet wurde und Teil eines zentralen Mahnmals in Neckarzimmern ist. Bürgermeister Alfred Vonarb betonte, dass „die Deportation der jüdischen Bürger ein schwarzer Fleck in der Geschichte des deutschen Volkes“ sei. Die Beschäftigung mit dieser Vergangenheit fällt nicht leicht, das machte auch Vonarb klar. Trotzdem solle sich jeder mit den dunklen Kapiteln der Geschichte, aber zugleich auch mit den Aufgaben der Zukunft befassen. „Gemeinsam mit den lebenden Juden müssen wir für ein friedvolles Miteinander arbeiten“, so Vonarb.

Pfarrer Peter Hanselmann verdeutlichte, dass viele Breisacher damals weggesehen hätten. Mit der Bitte um Vergebung verlas er einen Psalm. „Wir müssen uns gegen jede Form von Diskriminierung wenden, und das auch öffentlich“, appellierte er an die Anwesenden. „Die Würde des Menschen muss gewahrt bleiben, und diese Untaten dürfen sich nicht wiederholen“, so Hanselmann.

Dekan Peter Klug stellte den Gedenkstein vor, auf dem unter anderem ein zerstörter Teddy, Stacheldraht und ein Mund zu sehen sind. Der Stacheldraht symbolisiere die Gefangenschaft der Juden in den Lagern von Gurs und Ausschwitz, der Teddy mit dem abgerissenen Arm erinnere an die ermordeten Kinder. „Der Mund steht für die Sprachlosigkeit der Nachbarn, sei es aus Angst oder Gleichgültigkeit“, erklärte Klug.

Christiane Walesch-Schneller überbrachte „Grüße von jüdischen Familien, die Breisach in enger und schmerzlicher Weise verbunden sind“. Die zweimalige Einladung der Stadt in den Jahren 1998 und 2000 habe etwas Vertrauen wiederherstellen können. „Viele sind ermutigt, wieder engere Verbindungen herzustellen“, sagte Walesch-Schneller. Sie lud die Anwesenden zu einer Lesung am Abend ins „Blaue Haus“ ein. Denise Göpfert aus Oberrotweil verlas die Namen der über 60 deportierten Breisacher Juden.

Breisach war die letzte deutsche Stadt auf dem Weg der Juden nach Gurs am Fuße der französischen Pyrenäen. Von den 7000 Deportierten wurden ungefähr 5600 in Zügen über Freiburg und Breisach geschleust, wie Christiane Walesch-Schneller vom Förderverein Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus Breisach erläuterte. Vor der Wannsee-Konferenz planten die Nationalsozialisten die Deportation der Juden nach Madagaskar. Im Sommer 1942 wurden auch die Menschen aus Gurs in das Vernichtungslager von Ausschwitz transportiert.

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