BREISACH (fsn). Zu einer Mitgliederversammlung lud kürzlich der Förderverein ehemaliges jüdisches Gemeindehaus ein, um die für einzelnen Ämter im Vorstand notwendig gewordenen Neuwahlen vorzunehmen.
Neu gewählt wurde als zweite Vorsitzende Barbara Motz und als Kassenwart Markus Eschbach, die Monica Weidmann-Storz und Jürgen Schwarzelühr ablösen. Als einer der beiden Kassenprüfer wurde Jürgen Lange von Kulessa neu gewählt. Die anderen Vorstandsmitglieder wurden in ihren Ämtern bestätigt. Für den Beirat wurde der Hamburger Psychoanalytiker Josef Kornweitz als weiteres Mitglied bestimmt.
Die Vorsitzende Christiane Walesch-Schneller informierte über eine besondere Ehrung, die einem Mitglied des Vereins zuteil werden soll. Am 27. Januar wird Günter Boll in Berlin den „Obermayer German Jewish History Award“ entgegennehmen. Er wird an Personen vergeben, die sich um den Erhalt und die Rekonstruktion des Bildes vom jüdischen Leben in Deutschland vor der Zerstörung verdient gemacht haben.
Im Rückblick auf das ereignisreiche Vereinsjahr erinnerte Walesch-Schneller an zahlreiche Höhepunkte. Außerdem konnte sie nun auch von den mittlerweile schriftlich vorliegenden Zusagen über Zuschüsse berichten. So haben die Denkmalstiftung Baden-Württemberg und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz jeweils 51'130 Euro (100'000 Mark) und das Landesdenkmalamts Baden-Württemberg 83'240 Euro (162'800 Mark) für die Renovierung des ehemaligen jüdischen Gemeindehauses verbindlich versprochen. Besonders erfreut zeigte sich Walesch-Schneller darüber, dass der Gemeinderat der Stadt Breisach beschlossen hat, dem Verein ein Darlehen in Höhe von 40'900 Euro (80'000 Mark) zinslos zur Verfügung zu stellen. Es soll solange tilgungsfrei bleiben, wie der Verein das Objekt zum Satzungszweck betreibt.
Die eine Hälfte dieses Zuschusses ist zur weiteren Tilgung der Erwerbungskosten, die andere Hälfte zur Beteiligung an den Renovierungskosten gedacht. Der Beschluss des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald steht noch aus. Der Verein hofft aber auch dort auf einen positiven Bescheid.
Damit bleibt immer noch eine Finanzierungslücke bei den Renovierungskosten von etwa 92'000 Euro, die bis Mitte des kommenden Jahres gedeckt sein muss, da dies in den Bescheiden des Landesdenkmalamtes und der Stiftungen zur Auflage gemacht wurde. Diese Lücke soll zum einen durch Spenden von Firmen geschlossen werden. Zum anderen soll in Nachverhandlungen mit dem Landesdenkmalamt und den Stiftungen über eine Erhöhung der Fördersumme beraten werden.
Diese Vorgehensweise betrachtet auch Friedrich Jacobs vom Landesdenkmalamt, der an einem anderntags anberaumten Ortstermin im ehemaligen jüdischen Gemeindehaus teilnahm, als erfolgsversprechend.
Besonders positiv wertete er die Zuschussentscheidung der Stadt, weil damit für das Landesdenkmalamt, aber auch für die beiden beteiligten Stiftungen ein Engagement vor Ort ersichtlich sei. Er bezeichnete das Projekt als „Glücksfall“, da auf der einen Seite ein großes Engagement für die Denkmalpflege zu verzeichnen sei. Auf der anderen Seite gäbe es hier aber auch ein Nutzungskonzept, das mit den Denkmalaspekten konform gehe. Erste Ergebnisse der Renovierungsarbeiten, die Ralf Hojenski von der Firma Domiziel und zwei Mitarbeiter seit dem 8. Januar begonnen haben, waren bei dem Ortstermin zu sehen. So sind inzwischen im später als Versammlungsraum im Erdgeschoss zu nutzenden Raum eine Wand, sowie Tapeten und teilweise Putz entfernt worden. Der Holzboden wurde freigelegt und Farbreste von der Decke gewaschen.
Willi Sutter von der Firma Domiziel zeigte sich zuversichtlich, dass in vier bis fünf Wochen dieser erste Raum nahezu fertiggestellt sein wird.
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