Badische Zeitung vom Donnerstag, 24. Juli 2008

Austausch mit Zeitzeugen geplant
Projekt zum 70. Jahrestag der Reichspogromnacht / Förderverein ehemaliges jüdisches Gemeindehaus Breisach zog Bilanz



Von unserem Mitarbeiter Benjamin Bohn

BREISACH. In der Mitgliederversammlung des Fördervereins ehemaliges jüdisches Gemeindehaus wurde Bilanz gezogen. Thema war auch die Gründung einer Stiftung. Bislang fehlt es allerdings an dem nötigen Gründungskapital dafür. Neu ist ein Projekt mit Zeitzeugen zur Reichspogromnacht. Zur neuen Schatzmeisterin wurde Gabriele Wangler gewählt.

Der Förderverein hat jetzt 169 Mitglieder, zwei mehr als im vergangenen Jahr, berichtete die Vorsitzende Christiane Walesch-Schneller. Der Vorstand habe beschlossen, für das Blaue Haus einen Hausmeister einzustellen. Ali Yasici übernimmt den Posten und will die Arbeit für das ehemalige jüdische Gemeindehaus sogar ehrenamtlich leisten. "Wir freuen uns sehr darüber, dass zukünftig ein Augenpaar mehr auf das Blaue Haus achtet" , betonte die Vorsitzende.

Der Verein plane, den Garten in einen besseren Zustand zu bringen, informierte sie weiter. Die Holztreppe in den Garten wurde bereits durch eine Treppe aus Metall ersetzt.

Das Stück der Breisacher Stadtmauer im Keller des Hauses sei nach wie vor ein Objekt der Forschung, da es in Breisach das einzige belassene Mauerstück aus dem 14. Jahrhundert sei. Im vergangenen Jahr habe es wieder eine Reihe von Vorträgen gegeben, auch habe der Verein zahlreiche jüdische Gäste im Blauen Haus willkommen heißen können, so Walesch-Schneller.

Der stellvertretende Vorsitzende Gerd Müller kündigte an, dass er sich nach seiner Pensionierung der Bibliothek des Blauen Hauses widmen wolle, um die Bücher übersichtlicher zu ordnen.

Auch das Erzählcafé soll weiterhin im Blauen Haus stattfinden. Demnächst sei ein Austausch mit Zeitzeugen über die Reichspogromnacht geplant. Damit soll auch der 70. Jahrestag der Reichspogromnacht im November vorbereitet werden, sagte Walesch-Schneller.

Rosita Dienst-Demuth stellte unter anderem ein Projekt vor, das sie als Lehrerin mit ihrer Klasse an der Lessing-Realschule in Freiburg bearbeitet hat. Die Jugend lichen sollten die Familiengeschichte des Juden Erich Bloch aufarbeiten. Dabei sei bei vielen das Bedürfnis gewachsen, auch etwas über die eigene Familiengeschichte herauszufinden, berichtete die Lehrerin. Das Projekt, das in Kooperation mit Jugendlichen aus Israel stattfand, wurde sogar von der Stiftung "Europeans for Peace" ausgezeichnet und gefördert. Als nächstes Projekt plane sie, mit einer Schülergruppe in die Ukraine zu fahren, um neue Erkenntnisse über den Holocaust in diesem Land zu gewinnen.

Der bisherige Schatzmeister Jürgen Lange von Kulessa berichtete von einem positiven Kassenbestand, der jedoch nur dank eines privaten Darlehens in Höhe von 10 000 Euro im Plus geblieben sei. Die Mitgliedsbeiträge würden nicht einmal 10 Prozent der Vereinseinnahmen ausmachen.

Christiane Walesch-Schneller bedankte sich besonders bei der Stadt Breisach, die den Förderverein von diesem Jahr an mit einem Zuschuss von 5000 Euro jährlich unterstützen werde. Zum Herbst wolle man sich auch beim Landkreis um eine Förderung bewerben, sagte sie.

Außerdem soll über die Gründung einer Stiftung neu beraten werden. "Die Gründung ist generell recht einfach, solange genug Gründungskapital vorhanden ist" , betonte Lange von Kulessa. "Deshalb geht es jedoch nur in kleinen Schritten voran."

Die Wahlen ergaben nur eine Veränderung. Gabriele Wangler übernimmt das Amt des Kassenwarts von Jürgen Lange von Kulessa, der den Vorstand künftig als Beisitzer unterstützen wird. Vorsitzende bleibt Christiane Walesch-Schneller und stellvertretender Vorsitzender ist Gerd Müller. Rosita Dienst-Demuth verstärkt das Gremium weiterhin als Beisitzerin. Zu Kassenprüfern wurden Jacob Loewe und Markus Eschbach gewählt. Gerhard Dümchen schied aus dem Vorstand aus.

Aus gesundheitlichen Gründen hatte Günter Boll seinen Vortrag über die Ihringer Haggadot, der im Vorfeld der Versammlung stattfinden sollte, abgesagt. Boll beschäftigte sich mit den Anfängen der jüdischen Gemeinde in Ihringen. Der Vortrag soll nun im Rahmen des europäischen Tags der jüdischen Kultur im September stattfinden. Auch Professor Dan Bing wird an dem Vortrag teilnehmen.

In der Versammlung stellte der ungarische Autor József Hidasi sein neues Buch vor. Darin beschreibt er, wie er durch die ungarische Armee vor den Nationalsozialisten gerettet wurde. Bislang sei das Buch nur auf Ungarisch erhältlich, aber die deutsche Version sei bereits in Planung.

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