BREISACH. Die Woche der Begegnung, zu der im Oktober letzten Jahres zahlreiche ehemalige jüdische Bewohner von Breisach auf Einladung der Stadt und des Fördervereins ehemaliges jüdisches Gemeindehaus kamen, hat tiefe Eindrücke und Gefühle bei den meisten Beteiligten hinterlassen. Diesen Emotionen nachzugehen, Gedanken darüber auszutauschen und Wege und Formen der weiteren Gestaltung zu finden, war das Ziel eines Workshops mit Ellen Mendel aus New York, der jüngst im ehemaligen jüdischen Gemeindehaus stattfand. Christiane Walesch-Schneller, die Vorsitzende des Fördervereins, konnte eine Reihe von Teilnehmern begrüßen, die gekommen waren, um Ellen Mendel wieder zu sehen und sich mit ihr noch einmal die Gedanken vor, während und nach der ereignisreichen Woche vor Augen zu führen. Von der Ungewissheit bei den Gästen war da die Rede. Wie wird man aufgenommen, welchen Gefühlen setzt man sich beim Wiedersehen mit der Stadt, aber auch mit Personen aus? Und dann die positive Überraschung: „Schritt für Schritt kamen wir uns näher“, erinnerte sich Ellen Mendel, „am Ende waren wir eine Familie.“
Dass diese Entwicklung so positiv verlaufen ist, sieht Mendel vorrangig als Verdienst der engagierten Gastgeber auf Breisacher Seite an, die es verstanden haben, mit einer aufmerksamen Betreuung ein Gefühl der Wärme und Verbundenheit zu schaffen. Ob so etwas wiederholbar ist, stand dabei als große Frage im Raum. Ganz normal fand es ein Teilnehmer, ein solches Treffen, eventuell unter wechselnder Schwerpunktsetzung, jedes Jahr zu wiederholen, während ein anderer zu bedenken gab, dass der Überraschungseffekt, der ja wesentlich zu dem positiven Gefühl beigetragen habe, verloren gehe, wenn so etwas ritualisiert werde. Einig waren sich indes eine ganze Reihe von Teilnehmern, dass das ehemalige jüdische Gemeindehaus eine Art Heimstatt werden solle, die den jüdischen Besuchern offen stehen und mit dazu beitragen könne, die Kontakte zu pflegen und zu vertiefen.
Ganz besonders auch die Nachkommen der ehemaligen Breisacher Juden sollen mit einbezogen werden, weil damit Neues erwachsen könne aus dem schmerzlichen Verlust, der durch die Vertreibung ihrer Vorfahren entstanden ist. Wenngleich keine konkreten Pläne gefasst wurden, so fand die Idee, zur Eröffnung des dann renovierten ehemaligen jüdischen Gemeindehauses die Gäste der Woche der Begegnung wieder einzuladen, rege Zustimmung.
Beeindruckt waren die Teilnehmer von Ellen Mendels Erfahrungen, die sie bei Berichten über die Begegnungswoche in den Vereinigten Staaten gemacht hat. Eine 85-jährige Frau, die nie mehr einen Fuß nach Deutschland setzen wollte, habe ihr nach einem Vortrag gestanden, dass sie diesen Entschluss jetzt bedauere und vielleicht nun doch noch einmal in ihre alte Heimat reisen wolle. Ellen Mendel ist denn auch überzeugt, dass die Begegnung mit den Wurzeln zur Heilung beiträgt.
Auch für eine visuelle Auseinandersetzung mit der Woche im Oktober letzten Jahres war gesorgt. Bodo Kaiser zeigte seinen Videofilm, den er zusammengestellt hat, in einer vorläufigen Fassung. Die Uraufführung soll im Oktober im Radbrunnen erfolgen, zusammen mit der Eröffnung einer Fotoausstellung von Josef Kornweitz. Dann kann sich auch ein breiteres Publikum ein Bild machen, nicht nur von den Emotionen, die bei der Woche der Begegnung alltäglich waren, sondern auch von dem, was Breisach verloren gegangen ist.
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