BREISACH (apt). 16 Shoa-Überlebende aus Polen hieß Bürgermeister Alfred Vonarb am Freitagnachmittag im Breisacher Rathaus willkommen. Die Besucher, die auf Einladung des Maximilian-Kolbe-Werks derzeit einen Erholungs-und Begegnungsaufenthalt in Ballrechten-Dottingen verbringen, nahmen dann am Abend auch am Sabbat-Gottesdienst im Blauen Haus teil.
Bei den polnischen Gästen handelt es sich um so genannte "Holocaust-Kinder". Gemeint sind jüdische Kinder, die während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg aus Gettos und Konzentrationslagern in Polen herausgeschmuggelt und in katholischen polnischen Familien und Klöstern aufgenommen wurden. Damit die Kinder überleben konnten, wurde ihre Identität geändert, die Kinder wurden christlich getauft. In der Regel wussten sie bis weit ins Erwachsenenalter nichts von ihrer jüdischen Herkunft, geschweige denn von ihrer Ursprungsfamilie. "Die meisten sind nicht leichten Herzens nach Deutschland gekommen", berichtete Marianne Ries, ehrenamtliche Betreuerin des Maximilian-Kolbe-Werks.
Bürgermeister Vonarb hieß die Gäste willkommen und informierte sie auch über die jüdische Geschichte von Breisach und über die Anstrengungen der Stadt und des Vereins ehemaliges jüdisches Gemeindehaus, diese Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und Begegnungen zu ermöglichen. Außerdem schlug Vonarb aber auch einen Bogen von der Europastadt Breisach zur Erweiterung der Europäischen Union am 1. Mai, mit der auch Polen Mitgliedstaat wird. Zwar bedeute die Erweiterung der Staatengemeinschaft eine finanzielle Anstrengung, doch diese lohne sich umso mehr, wenn die Europäische Union die Grundlage bilde, dass es in Europa keinen Krieg mehr gibt.
Wolfgang Gerstner, Geschäftsführer des Maximilian-Kolbe-Werks, dankte dem Bürgermeister für den Empfang. Auf dem weiteren Programm der Gästegruppe standen der Besuch der Synagoge in Colmar und eine Stadtbesichtigung. Anschließend wurden die Gäste im Blauen Haus willkommen geheißen, wo sie nach einer Führung mit Günther Boll durch das jüdische Breisach von Minjan, der jüdischen Gemeinschaft von Breisach, zum Sabbatgottesdienst eingeladen waren.