Badische Zeitung vom Mittwoch, 22. August 2007

Wir fordern mehr Erkenntnisse über rechtsradikale Gruppen in dieser Region




Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes Bund der Antifaschistinnen/Antifaschisten ist bestürzt und empört über den erneuten verbrecherischen Anschlag auf den jüdischen Friedhof in Ihringen. Die VVN-BdA, die dieses Jahr als älteste antifaschistische Organisation in Deutschland ihr 60-jähriges Bestehen begeht, solidarisiert sich mit den jüdischen Bürgern und Gemeinden. Für uns handelte es sich zweifellos um eine Tat, deren Täter in rechtsradikalen, neonazistischen Kreisen zu suchen sind. Diese Schändung reiht sich ein in eine Vielzahl antisemitischer, rassistischer und fremdenfeindlicher Anschläge seit vielen Jahren im gesamten Bundesgebiet. Es ist erschreckend, immer wieder zu erleben wie Menschen wider besseres Wissen heute offen von der "Herrschaft des Weltjudentums" sprechen. Dies bezeugt, wie der einstige Bundespräsident Rau im Zusammenhang mit den Anschlägen während seiner Amtszeit in den neunziger Jahren feststellte: "Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit kommen aus der Mitte der Gesellschaft" . Wir dürfen es nicht zulassen, wie diese verbrecherischen Kreise weiter an Boden gewinnen und ihnen weiter Freiraum gewährt wird. Wir fordern Politik, Gesellschaft und die Bürger auf, Zivilcourage zu zeigen und Taten folgen zu lassen, wie sie unsere und andere antifaschistische Organisationen durch ihre Aufklärungs- und Erinnerungsarbeit und aktives Eintreten gegen Neonazismus, Antisemitismus, und Rassismus immer wieder unter Beweis stellen. Wir sind nun froh und erleichtert über die schnelle Aufklärung. Wir nehmen zufrieden zur Kenntnis, wie gezielt diesmal die zuständigen Behörden und Instanzen ermittelt haben. Nicht abfinden wollen wir uns indes damit, dass die Ermittlungen 1990/1991 zu keinen Ergebnissen führten. Wir fordern Aufklärung und Information darüber, wann, wie, was und in welcher Weise damals ermittelt wurde und warum es damals keine Ergebnisse gab. Wir fordern von der Kriminalpolizei auch, verstärkt Erkenntnisse über rechtsradikale und neonazistische Gruppierungen in dieser Region zu sammeln, und diese nicht nur zu beobachten, sondern auch etwas gegen sie zu tun. Dazu könnte beispielsweise eine offene Informationsveranstaltung, die von der ermittelnden Behörde einberufen wird, dienlich sein. Wir wollen mit dazu beitragen, dass ein solches Verbrechen sich nicht noch einmal wiederholt. So könnte die Wiederaufnahme von bewährten Mahnwachen am Friedhof in Ihringen eine Maßnahme sein, um Nachahmungstäter abzuschrecken und dazu beizutragen, die neu gewachsenen Beziehungen von jüdischen und nichtjüdischen Bürgern zu vertiefen.

Max Heinke, für den Vorstand der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes — Bund der Antifaschist/-innen (VVN-BdA) Kreisvereinigung Freiburg