Badische Zeitung vom Mittwoch, 22. August 2007

Man sollte die Ermittlungen auch kennen




Die Unterzeichner fragen, "ob damals wirklich allen Spuren mit der gebotenen Gründlichkeit nachgegangen wurde" . Ein derart offen geäußerter Zweifel an der Integrität der damals in der Sonderkommission des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg eingesetzten Beamtinnen und Beamten halte ich für eine bodenlose Unverschämtheit. Und wie kommt man als Historiker, als Gemeinde- und Kreisrat, als Lehrer oder Autor zu der Feststellung, dass in der Nacht zum 12. August 2007 " eine Art Kommandoaktion stattgefunden haben muss, die ganz offenkundig einen Bezug zu den rechtsradikalen Anschlägen von 1990 und 1991 aufweist" ? Solche Schlussfolgerungen über Zusammenhänge von geklärten oder ungeklärten Straftaten sollte man erst dann treffen, wenn man die Ermittlungswege und -ergebnisse von Polizei und Staatsanwaltschaft auch tatsächlich kennt und sie nicht einfach zum Zwecke der Selbstdarstellung als Leserbrief publizieren lassen. Ich bin nur froh, dass diese Straftat, die in der Nacht von 11. auf den 12. August auf dem Ihringer jüdischen Friedhof stattgefunden hat, von der Freiburger Polizei und ihren Kollegen im Landkreis sorgfältig und schnell aufgeklärt wurde. Mit den Schändungen in den Jahren 1990 und 1991 ist nun doch kein Zusammenhang erkennbar; einer der jetzige Täter war noch nicht geboren, zwei hatten noch die Windeln an und der vierte war 12 Jahre alt. Und es war keine Kommandoaktion, sondern das Ergebnis eines Alkoholexzesses.

Arno Santner, Waldkirch, 1990/1991 Mitglied der Sonderkommission Jüdische Friedhöfe des Landeskriminalamts Baden-Württemberg