Badische Zeitung vom Freitag, 22. August 2003

Funde aus dem Mittelalter
Zweites Sommerlager der Aktion Sühnezeichen / Ausgrabungen im "Blauen Haus"

BREISACH (ag/apt). Drei Tage lang haben Schülerinnen und Schüler der Lessing-Realschule Freiburg im mittelalterlichen Keller des ehemaligen jüdischen Gemeindehauses in Breisach gegraben und dabei einige interessante archäologische Funde zutage gefördert. Ab Montag werden nun zwei Wochen lang 15 Teilnehmer des zweiten Sommerlagers der Aktion "Sühnezeichen Friedensdienste" in Breisach die Grabungen fortsetzen.

Nachdem vor einem Jahr bei einer Probegrabung eine alte Türschwelle gefunden wurde, soll der zwölf Meter lange und sechs Meter breite Keller nun um 30 Zentimeter abgetragen werden. Das Landesdenkmalamt Stuttgart kann jedoch aus finanziellen Gründen nicht selbst graben. Die Freiburger Schüler Alexander Rogg, Vitali Schilow, Raphael Henning, Alexander Burggraf, Kai Hauser, Lina Küchlin und Tatjana Neumann hatten sich deshalb gemeinsam mit ihrer Geschichtslehrerin Rosita Dienst-Deruth bereit erklärt, im Rahmen der diesjährigen Projekttage freiwillig mit der Arbeit zu beginnen.

"Für uns ist es eine große Ehre, hier zu graben, da wir einen sehr engen Kontakt zu Ralf Eisemann, Sohn des letzten Kantors hier in Breisach, haben", erklärte Rosita Dienst-Demuth. Eisemann war Schüler in der Lessing-Schule gewesen, nachdem jüdische Schüler in Breisach nicht mehr in die Schule gehen durften.

Während der anstrengenden archäologischen Arbeiten mit Taschenlampe, Schaufel, Pickel, Eimer und Sieb stießen die Schülerinnen und Schüler auf sehr interessante Gegenstände: Scherben von altem Geschirr, alten Vasen und Kacheln. Besonders stolz sind die jungen Archäologen auf zwei Stücke eines Dreifußes. Vermutlich hat Wasser des mittelalterlichen Stadtgrabens den Keller damals überflutet, glauben die Schüler. Alle Funde sollen später im Garten des ehemaligen jüdischen Gemeindehauses ausgestellt werden.

Doch die Grabungsarbeiten sind noch lange nicht abgeschlossen. Studenten aus Osteuropa und Deutschland, die sich an der Aktion "Sühnezeichen Friedensdienste" beteiligen, werden jetzt die Arbeiten im Keller fortsetzen. Die Teilnehmer des Sommerlagers stammen aus Perm und Moskau (Russland), aus Kiew, Charkow und Charkiv (Ukraine), aus Minsk und Mogilew (Weißrussland) und aus Wroclav und Krakow (Polen). Die deutschen Teilnehmer kommen aus Dresden, Langen und Berlin, die beiden Leiter aus Halle und Paris. Untergebracht werden die Helfer in Breisach im Gemeindehaus der Martin-Bucer-Gemeinde. Stadtarchivar Uwe Fahrer und die Vorsitzende des Fördervereins ehemaliges jüdisches Gemeindehaus Breisach, Christiane Walesch-Schneller, sind bereits sehr gespannt auf die Ergebnisse der Grabung.

Die Freiwilligen werden zudem an zwei Tagen helfen, den jahrhundertealten Begräbnisplatz der Breisacher Juden in Mackenheim (Elsass) zu pflegen. In Zusammenarbeit von Freunden des Fördervereins ehemaliges jüdisches Gemeindehaus und der Gemeinde Mackenheim wurde bereits das vom Einsturz bedrohte Einsegnungshäuschen mit neuen Fundamenten und einem neuen Dachstuhl versehen. Der wertvollste, älteste Teil des Friedhofs wird vor allem im Sommer von Unkraut überwuchert, die fehlende Grasnarbe gefährdet die wertvollen Grabsteine. Beim Förderverein und der Gemeinde Mackenheim freut man sich daher über die Unterstützung durch die Studenten.

 

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