Badische Zeitung vom Dienstag, 22. Juli 2014

Gedenken an verfolgte Mitbürger - Stolpersteine für Breisach
Die ersten Stolpersteine zum Gedenken und zur Erinnerung an ehemalige Mitbürger, die während der Zeit des Nationalsozialismus in Breisach verfolgt, deportiert und ermordet wurden, sollen im Herbst in Breisach verlegt werden.




Foto: Kai Kricheldorff

Christiane Walesch-Schneller, die Vorsitzende des Fördervereins Ehemaliges jüdisches Gemeindehaus Breisach "Blaues Haus" kündigte die Verlegung Stolpersteine in der Mitgliederversammlung des Vereins an.

Allerdings muss zunächst noch der Gemeinderat dem Vorhaben zustimmen. Das Thema steht für September auf der Agenda. Stimmt der Rat zu, soll vorerst mit fünf Stolpersteinen an Breisacher Juden erinnert werden, die Opfer des Holocausts wurden.

Dazu wird der Kölner Künstler Gunter Demnig nach Breisach kommen, um die Stolpersteine zu verlegen. Demnig hat vor fast 15 Jahren mit dem Projekt begonnen und seither in über 300 deutschen Städten und Gemeinden Stolpersteine verlegt, darunter auch in Freiburg.

Danach werde es, so die Vorsitzende des Fördervereins "Blaues Haus", mit dem Verlegen weiterer Solpersteine in der Europastadt zügig weitergehen. Sie rechnet damit, dass nach und nach bis zu 100 Gedenksteine im Breisacher Straßenpflaster eingelassen werden, um Juden, Sinti und Roma, Behinderten, die im Zuge des nationalsozialistischen Euthanasieprogramms ermordet wurden, sowie politischer Gegner an der Stelle zu gedenken, wo sich ihr letzter freigewählter Wohnsitz in Breisach befand.

Als weiteres Vorhaben kündigte Walesch-Schneller die Aufstellung eines wetterresistenten Erinnerungsbuches auf dem Synagogenplatz an. Es wird die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Breisach und das Schicksal der Breisacher Juden, die Opfer der Judenverfolgung während der Nazizeit wurden, dokumentieren. Mittels eines QR-Codes werden Betrachter des Buches über Smartphones vor Ort weitere Informationen dazu abrufen können. Zudem wird der Platz vor dem Blauen Haus, auf dem im vergangenen Sommer die Holzplastik der Bildhauerin Heike Endemann aufgestellt wurde, städtebaulich gestaltet. Nach Fertigstellung erhält er den Namen Michael-Eisemann-Platz, in Erinnerung an den letzten Kantor der jüdischen Gemeinde in Breisach. Er war 1939 im Alter von 45 Jahren an den Folgen seiner Inhaftierung im Konzentrationslager Dachau verstorben.

Vorgesehen ist auch die Herausgabe einer in der Reihe "Die Blauen Hefte" erscheinenden Dokumentation. Sie wird dem 2012 verstorbenen Gründungsmitglied des Fördervereins, Günter Boll, gewidmet sein wird. Boll wäre kommendes Jahr 75 Jahre alt geworden. Er hat zahlreiche Forschungen zur Geschichte der Juden am Oberrhein vorgelegt.

Die Bibliothek des Blauen Hauses ist in den vergangenen Monaten auf insgesamt 4 500 Bände angewachsen, teilte Gerd Müller, der stellvertretende Vereinsvorsitzende, mit. Zum Bestand zählen Judica, Literatur jüdischer Autoren sowie eine kleine Sammlung mit Büchern zur Geschichte der Sinti und Roma. Hinzu kommt eine Bibliothek mit Kinder- und Jugendliteratur.

In ihrem Bericht gab Christiane Walesch-Schneller einen Rückblick das vergangene Jahr. Es stand im Zeichen des Dreifach-Jubiläums der Vereine "Für die Zukunft lernen", Förderverein Jüdisches Gemeindehaus Breisach, "Blaues Haus" und des Freundeskreises Oswiecim. Im Blauen Haus fanden mehrere Begegnungen, Vorträge, Lesungen sowie Musik- und Tanzveranstaltungen dazu statt. Einige von ihnen wurden durch Spenden von Vereinsmitgliedern ermöglicht. Aktuell gehören dem Förderverein 133 Mitglieder an. Hinzu kommen etwa 50 weitere Personen, die Nachkommen von früheren Breisacher Juden sind, in aller Welt leben und mit dem Blauen Haus in Verbindung stehen. Kassenwart Johannes Lies berichtete von einer positiven finanziellen Entwicklung der Stiftung Blaues Haus Breisach.

Christiane Walesch-Schneller hob die guten Kontakte der Einrichtung zur Hugo-Höfler-Realschule und dem Martin-Schongauer-Gymnasium hervor. Das Blaue Haus beteiligt sich aktiv an der inhaltlichen Vorbereitung von Klassenreisen Breisacher Schülerinnen und Schüler in die polnische Partnerstadt Oswiecim. Schüler von dort, die Breisach besuchen, erhalten im Blauen Haus Informationen zur Geschichte der einstigen jüdischen Gemeinde. Dankbar äußerte sich die Vereinsvorsitzende zur harmonischen Zusammenarbeit mit der Stadt Breisach. Das Blaue Haus habe besonders im Jubiläumsjahr sehr große Unterstützung vom Bürgermeister und der Verwaltung erhalten. Das Verhältnis werde von Jahr zu Jahr besser, sagte Christiane Walesch-Schneller.