Von unserem Redakteur Gerold Zink

BREISACH. Der rote Pflasterkreis mit der Jahreszahl 1933 am "Langen Weg" an der Auffahrt zum Münsterberg wird bleiben. Dies beschloss der Breisacher Gemeinderat am Dienstagabend ohne Gegenstimme. Damit wurde die Forderung des Freiburger Unternehmensberaters Andreas Meckel zurückgewiesen. Gleichzeitig will die Stadtverwaltung darüber nachdenken, den Text auf der Tafel, der das ehemalige NS-Symbol erläutert, ausführlicher zu gestalten und der Zeit zwischen 1933 und 1945 im Stadtmuseum mehr Platz einzuräumen.
Zu Beginn der Sitzung erläuterte Breisachs Bürgermeister Alfred Vonarb noch einmal die Vorgeschichte der Auseinandersetzung (die BZ berichtete bereits). Dabei erklärte er, dass man das Thema durchaus aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten könne. Klar sei, dass man die Gefühle der Opfer der NS-Zeit respektiere. Dennoch plädiere die Stadtverwaltung dafür, den roten Pflasterkreis mit der schwarzen Jahreszahl 1933 an seinem jetzigen Standort als Mahnzeichen und "Stolperstein" zu erhalten. Zahlreiche Fachleute, angefangen von Stadtarchivar Uwe Fahrer über Professor Werner Nickolai vom "Verein für die Zukunft lernen" bis hin zu Günter Boll vom Förderverein ehemaliges jüdisches Gemeindehaus Breisach hätten ihn in seiner Ansicht bestärkt. Auch das renommierte Institut für Zeitgeschichte in München sei dieser Meinung.
Der Breisacher Rathauschef räumte ein, dass man unterschiedlicher Meinung darüber sein kann, ob der Text auf der Erläuterungstafel, die unweit des Pflasterkreises steht, ausreichend ist. Hier sei die Verwaltung für Änderungsvorschläge offen. Gleichzeitig teilte Vonarb mit, dass er sich bereits seit geraumer Zeit darum bemühe, aus dem Jüdischen Museum in Berlin eine Kopie der dort vorhandenen Videodokumentation über die Breisacher Zeit des Juden Ludwig Dreyfuss für das Breisacher Stadtmuseum zu erhalten. Stadtarchivar Fahrer habe die Geschichte der jüdischen Gemeinde in den letzten Jahren gut aufgearbeitet. Er werde sich darum bemühen, sie würdig darzustellen. Da das Museum aber nicht sehr viel Platz biete, müsse man sich über neue Darstellungsformen Gedanken machen.
Fahrer selbst berichtete von mehreren Gesprächen mit anderen Stadtarchivaren, zum Beispiel aus München und Nürnberg, früheren Hochburgen der Nazis. Diese Kollegen seien einhellig der Meinung gewesen, dass die Reste von NS-Symbolen erhalten werden sollten, um kommenden Generationen die Machenschaften und das Konzept der Nationalsozialisten anschaulich vor Augen führen zu können.
Bernd Jungel kritisierte im Namen der CDU-Fraktion zunächst einmal die Vorgehensweise von Andreas Meckel und warf ihm ein "verschobenes Geschichtsbewusstsein" vor. Der Pflasterkreis und die Jahreszahl seien gemeinsam ein "lokalhistorisch bedeutendes Denkmal" und müssten deshalb erhalten werden. Die Stadt habe in der Vergangenheit schon mehrmals, zum Beispiel beim Blauen Haus, dem Synagogenplatz und der Einladung an ehemalige jüdische Mitbürger, zum Ausdruck gebracht, dass sie sich ihrer Vergangenheit stelle.
Den Vorschlag des Instituts für Zeitgeschichte, im Stadtmuseum eine Dauerausstellung zur NS-Zeit in Breisach einzurichten, nehme die CDU gerne auf und rege an, dass die Stadtverwaltung entsprechende Vorschläge erarbeite. Auch Ulrich Sartorius (SPD) bezeichnete das Vorgehen von Meckel als "unangemessen". Das Symbol solle erhalten bleiben. Sartorius schlug allerdings vor, den Beschluss darüber zu vertagen und zunächst im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung mit Fahrer, Boll, Nickolai und dem Freiburger Professor Wolfram Wette das Thema öffentlich zu diskutieren. "Der Weg zu einer Entscheidung ist so wichtig wie die Entscheidung selbst", betonte er.
"Breisach ist bereits geschichtsbewusst geworden"
Rüdiger Groh (FDP/FWB) wies darauf hin, dass die Zahl 1933 auf der deutschen Geschichte wie "ein Brandmal lastet". Die Zeit zwischen 1933 und 1945 habe Deutschland und ganz Europa materiell und geistig zerstört und Millionen Menschen das Leben gekostet. Breisach habe bereits seine Geschichtsvergessenheit abgestreift und sei geschichtsbewusst geworden.
Gerd Müller (ULB) erklärte, dass seine Recherchen zum Umgang mit ehemaligen NS-Symbolen ebenfalls zu dem Schluss geführt hätten, dass diese erhalten bleiben sollten, weil die Gräueltaten der Nazis nie in Vergessenheit geraten dürften. Gleichzeitig müsse man akzeptieren, dass es immer noch Menschen (und deren Angehörige) gibt, die im Dritten Reich viel gelitten haben und sich heute fragen, wie kann eine Stadt solch einen Pflasterkreis belassen. Die ULB habe sich schon seit jeher dafür eingesetzt, dass "Breisach zu seiner Geschichte steht". Allerdings sollten sich Nickolai und Boll mit dem Text der Erläuterungstafel beschäftigen und einen neuen Vorschlag erarbeiten.
Die Gemeinderäte stimmten zunächst über den Antrag von Ulrich Sartorius ab, den Beschluss zu verschieben und eine öffentliche Diskussionsveranstaltung zu organisieren. Dieser Vorschlag wurde bei 4 Jastimmen und drei Enthaltungen abgelehnt. Der Vorschlag der Stadtverwaltung, den Pflasterkreis und die Jahreszahl 1933 zu belassen, wurde mit 21 Jastimmen und drei Enthaltungen angenommen.
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