Badische Zeitung vom 22. Februar 2002

Ein Filmdokument, das Vergangenes und Zukünftiges verbindet

Elaine Wolff-Wurmser und Gary Bron zeigten Ausschnitte aus ihrem Film über die Einweihung des Synagogenplatzes und berichteten von New York

BREISACH (pst). Mit dem Film 'Breisach gestern und heute' werden Erinnerungen an die Einweihung des Syngogenplatzes 1998 wach. Elaine Wolff-Wurmser und Gary Bron aus New York präsentierten kürzlich im Martin-Schongauer-Gymnasium Ausschnitte aus dem damals gedrehten Streifen, bei dem auch Barbara Kort die Kamera geführt hatte.

Nach der Filmvorführung berichteten Wolff-Wurmser und Bron über ihre Eindrücke aus New York. Aus 15 Stunden Material hat Gary Bron einen dreistündigen Film geschnitten. vorgeführt davon wurde die damalige Diskussionsveranstaltung in der Hugo-Höfler-Realschule. Daran teil genommen hatten neben Schülerinnen und Schülern der Sohn des letzten jüdischen Kantors in Breisach, Ralph Eisemnn, Fred Kort, der das Konzentrationslager Treblinka überlebt hat, Hans David Blum, einst in der Breisacher Judengasse geboren, sowie dessen Ehefrau Lotte. Weitere Szenen zeigten die Gedenkfeier auf dem Synagogenplatz mit Ansprachen von Kort und Eisemann.

Aus Neugierde auf die Stadt war Bron 1976 erstmals nach Breisach gekommen, aus dem Elaine Wolff-Wurmsers Mutter Paula, Tante Erna und Großmutter Emilie vertrieben worden waren. 22 Jahre später kaufte er sich kurz vor seiner zweiten Reise in die Münsterstadt eine Videokamera, um zurück in den USA Paula Wurmser Bilder ihrer ehemaligen Heimat zeigen zu können. Für ihn sei es damals sehr wichtig gewesen, Kort und Eisemann kennen zu lernen. Sie hatten seiner Ansicht nach ihren großen Schmerz anders durchlebt als ein einst verfolgtes Paar, das er zu seine Studentenzeit getroffen hatte, und das voller Hass auf Deutschland war.

Es sei sehr gut, Überlebenden zuzuhören, doch gebe es auch viele Deutsche, die nie über Schuld oder Erlebtes sprechen würden und daher Geschehenes emotional nicht bewältigen könnten. Um so mehr hoffe er, dass das Ehemalige Jüdische Gemeindehaus, das kurz vor der Sanierung steht, ein Ort für alle wird, frei zu reden.

Günter Boll vom Förderverein Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus Breisach unterstrich dies mit den Worten, dass alle Opfer des Naziregimes, nicht nur die jüdischen Glaubens, in das Gedenken einbezogen werden müssen.

Was die aktuelle Situation angeht, macht Elaine Wolff-Wurmser in New York einen besonderen Geist des Zusammenhaltens nach den Anschlägen vom 11. September aus. Gleichzeitig gilt ihre Sorge den in manchen Dingen anders denkenden oder aussehenden Menschen. So berichtete sie von Taxifahrern beispielsweise aus Asien oder Indien, die ihre Wagen mit amerikanischen Flaggen geradezu überhäufen, aus Angst wegen ihrer Herkunft zum Opfer zu werden. "Ich denke, Terroristen zu töten, ist keine Lösung", übersetzte Christiane Walesch-Schneller, die Vorsitzende des Breisacher Fördervereins, die Worte Brons. Die Problematik sei viel komplizierter und brauche eine andere Art des Nachdenkens, führte der Psychologe aus, der auf das krasse Ungleichgewicht von Armut und Reichtum in der Welt hinwies.

Am Ende klangen nicht nur die Erinnerungen an den Film und die Berichte aus New York nach, sondern sicher auch die Worte des Breisacher Schulleiters Emil Göggel. Er hatte zu Beginn des Treffens geäußert: "Ich wünsche uns einen anregenden Abend, der uns da und dort ein Stückchen weiter bringt."

 

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