Badische Zeitung vom Freitag, 21. August 2009

Viele jüdische Bürger wirkten bei den Festspielen mit





(Foto: Stadtarchiv)
BREISACH (kff). Das Musical "Anatevka", das dieses Jahr mit großem Erfolg von den Festspielen auf der Freilichtbühne am Breisacher Schlossplatz aufgeführt wird, basiert auf den Geschichten des jüdischen Schriftstellers Sholem Alejchem (1859 – 1916). Sein 1894 erstmals erschienener Roman "Tewje der Milchhändler" erzählt von den Menschen und ihrem Alltagsleben in dem von Juden bewohnten Dorf Anatevka im damaligen russischen Zarenreich.

Mitglieder des Fördervereins ehemaliges jüdisches Gemeindehaus Breisach (Blaues Haus) besuchten vor einigen Wochen die Aufführung. Sie waren begeistert von der stimmungsvollen Inszenierung des Musicals und der großartigen Leistung der Mitwirkenden. Nun lud die Vorsitzende des Fördervereins, Christiane Walesch-Schneller, die Mitglieder der Breisacher Festspiele zu einem Besuch ins Blaue Haus ein. Über 20 Theaterleute waren gekommen, viele von ihnen betraten erstmals das ehemalige jüdische Gemeindehaus.

Walesch-Schneller konnte davon berichten, dass in den 20er Jahren, bald nach Gründung des Festspielvereins, ihm auch mehrere Breisacher Juden angehörten. Neben Ludwig Dreyfuss, Egon Blotzheimer und Ferdinand Uffenheimer stand auch Ida Frank vor 80 Jahren auf der Festspielbühne. Das Blaue Haus bewahrt ein Szenenfoto auf, das die junge Frau während einer Theaterprobe zeigt. Nach Ida Frank, die in der Nazizeit in die USA emigrierte, ist inzwischen in Breisach eine Straße benannt worden. Vor 1933 zählte sie zu den ersten weiblichen Mitgliedern des Gemeinderates.

Walesch-Schneller verlas zudem einen Brief von Régine Gern aus La Chaux de Fonds im schweizerischen Kanton Neuchâtel. Die Tochter des Breisachers Günther Levy, der als Kind während der Nazizeit seine Heimatstadt verlassen musste, weil er Jude war, hatte die Anatevka-Aufführung auf dem Schlossberg gesehen und sich mit dem Brief bei den Theaterleuten dafür bedankt und ihre Leistung sehr gelobt.

Bei einem Rundgang durch das Blaue Haus informierte die Fördervereinsvorsitzende über die Geschichte des Gebäudes und gab Einblicke in die Geschichte der Breisacher Juden.

Bei der Einstudierung des Stücks "Anatevka" waren die Mitglieder des Festspielvereins auf religiöse Riten und Bräuche der in Osteuropa lebenden Juden aufmerksam geworden und stellten dazu Fragen, die bereitwillig beantwortet wurden. Schon vor drei Jahren hatten Blaues Haus und Festspielverein miteinander kooperiert, als damals eine vom Blauen Haus organisierte Tanzaufführung auf der Freilichtbühne vorbereitet wurde. Aufgrund schlechten Wetters musste sie damals jedoch an einen anderen Ort verlegt werden.

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