Badische Zeitung vom 21. Juni 2001

Wurmser tief beeindruckt

Bekannter Psychoanalytiker besichtigt jüdisches Gemeindehaus

BREISACH (fsn). Die Kunde vom regen Förderverein, der es sich zum Ziel gesetzt hat, das ehemalige jüdische Gemeindehaus in Breisach in ein „Arbeits- und Lernhaus“ zu verwandeln, hat ihre Kreise weit über Deutschland hinaus gezogen. Erreicht hat sie auch Léon Wurmser aus Towson in den Vereinigten Staaten. Der gebürtige Schweizer ist Professor für Psychiatrie und Psychoanalyse an der University of West Virginia und hat sich mit zahlreichen Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Psychoanalyse weltweit einen Namen gemacht.

Nun war er zu einem Vortrag in der Katholischen Akademie der Erzdiözese Freiburg eingeladen und nahm dabei die Gelegenheit wahr, dem Förderverein ehemaliges jüdisches Gemeindehaus in Breisach einen Besuch abzustatten und sich von der Arbeit vor Ort informieren zu lassen. Im Namen des Vereins hieß ihn die Vorsitzende Christiane Walesch-Schneller willkommen und arrangierte, zusammen mit weiteren Mitgliedern des Fördervereins, ein kleines Besichtigungsprogramm.

Zunächst besuchte die Gruppe den Jüdischen Friedhof am Isenberg, auf dem sich auch das Grab von Sarah Wertheimer befindet, einer Urgroßmutter des Gastes. Léon Wurmser, in dessen Begleitung auch sein Bruder und seine Schwägerin aus Basel angereist waren, ließ sich von den kenntnisreichen Ausführungen von Günter Boll informieren, der unter anderem von der Symbolik und Ornamentik auf den Grabsteinen, aber auch von der Geschichte der Breisacher Jüdischen Gemeinde Wissenswertes berichtete.

Im Anschluss an den Friedhofsbesuch wurden die Gäste dann durch das vom Verein erworbene ehemalige jüdische Gemeindehaus geführt. Dort ließ Christiane Walesch-Schneller für den Gast noch einmal die Anfänge der Arbeit des Fördervereins Revue passieren und zeigte ihm anhand von Dokumenten, die von verschiedenen Aktivitäten des Vereins zeugen, was in den letzten Monaten und Jahren angestoßen, verwirklicht und geplant wurde.

Léon Wurmser zeigte sich sichtlich beeindruckt von dem, was bisher erreicht worden ist. Noch mehr aber war er von den Möglichkeiten angetan, die die zukünftige Nutzung des Hauses eröffnen könnte. Neben der beabsichtigten Einrichtung eines kleinen Museums, in der die „echten“ Dinge, also solche, die direkt etwas mit Breisach zu tun haben, ausgestellt werden sollen, könnte das Haus, so Christiane Walesch-Schneller, auch als Anlaufstelle für „genealogische Forschungen“ fungieren, in der Nachkommen von Breisacher jüdischen Familien Hilfe bei ihrer Familienforschung finden könnten.

Als enorm wertvoll schätzt Léon Wurmser die Arbeit des Fördervereins ein. Ihm seien nicht viele Initiativen bekannt, die so engagiert ihr Ziel, die Bewahrung der Erinnerung an die vertriebenen jüdischen Bewohner der Stadt, verfolgten. Mit dem Wissen um diese beeindruckende Arbeit werde er in die Vereinigten Staaten zurück reisen.


 

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