Badische Zeitung vom Dienstag, 21. März 2006

Jugendaustausch mit Oswiecim nimmt Fahrt auf
Breisacher Gemeinderatsfraktionen loben Konzept für weitere Treffen zwischen deutschen und polnischen Jugendlichen



 

BREISACH/OSWIECIM (gz). Der deutsch-polnische Jugendaustausch zwischen Breisach und Oswiecim, dem früheren Auschwitz, wird intensiviert. Derzeit ist eine Klasse der Breisacher Hugo-Höfler-Realschule in Oswiecim zu Gast, vom 10. bis zum 17. Mai werden 16 junge Fußballer aus Polen zusammen mit dem Bürgermeister der Stadt und einigen Begleitpersonen in Breisach erwartet. Vertreter aller Fraktionen des Breisacher Gemeinderates begrüßten in der jüngsten Sitzung des Gremiums diese Entwicklung.

Die Stadt Breisach hat im Mai 2005, wie bereits berichtet, eine offizielle Schirmherrschaft für diesen deutsch-polnischen Schüler- und Jugendaustausch mit Oswiecim übernommen. Vor einigen Jahren gab es bereits Kontakte und Besuche zwischen jungen Fußballern des FC Rimsingen und Jugendlichen aus Oswiecim.

Als jedoch nicht mehr genügend Geld zur Verfügung stand, wurde der Austausch unterbrochen. Dies soll in Zukunft nicht mehr geschehen. Deshalb hat die Stadt unter Federführung des Beigeordneten Oliver Rein zusammen mit den Verantwortlichen in Oswiecim ein Konzept für weitere Treffen entworfen. Dieses sieht vor, dass die Städte die Kosten, die nach Abzug von Zuschüssen und Spenden übrig bleiben, übernehmen.

“Der Austausch nimmt Fahrt auf. Was gibt es Besseres, als dass im Jahr der Weltmeisterschaft junge polnische Fußballspieler unter der Schirmherrschaft von Bundestrainer Jürgen Klinsmann junge Kicker des SV Breisach treffen” , erklärte Rein. Insgesamt würden in Breisach 16 Fußballer im Alter von 18 Jahren erwartet, dazu der Bürgermeister und ein Abgeordneter von Oswiecim sowie 4 Begleitpersonen. Vorgesehen seien unter anderem ein Empfang im Breisacher Rathaus mit Stadt- und Museumsführung, verschiedene Trainingseinheiten und Fußballturniere mit dem SV Breisach, ein Besuch im Europa-Park in Rust, eine Besichtigung des Europaparlaments in Straßburg sowie der Besuch eines Spiels des SC Freiburg und des Hochseilgartens in Oberrimsingen. Übernachten werden die Jugendlichen im Jugendwerk in Oberrimsingen.

Die Kosten des Projekts belaufen sich auf rund 4500 Euro. Das deutsch-polnische Jugendwerk wird davon voraussichtlich 2000 Euro übernehmen, den Rest trägt die Stadt Breisach. Damit ist der Aufenthalt für die polnischen Gäste kostenfrei. Bei einem Gegenbesuch werden die Aufenthaltskosten der deutschen Jugendlichen im Gegenzug laut Rein von der Stadt Oswiecim übernommen. Rein bedankte sich in diesem Zusammenhang bei allen, die das Vorhaben unterstützt haben, darunter Bernd Wernet vom SV Breisach und Werner Nickolai vom Verein “Für die Zukunft lernen.”

“Dies ist eine bessere Entwicklung als bei manchen offiziellen Städtepartnerschaften, bei denen sich nur die Gemeinderäte einmal im Jahr treffen” , erklärte Bürgermeister Vonarb. Vielleicht sei es möglich, auch zwischen Vereinen aus Breisach und Oswiecim Kontakte zu knüpfen.

Alle Fraktionen des Breisacher Gemeinderates begrüßten den Jugendaustausch. Rüdiger Groh (FDP) erklärte beispielsweise: “So muss Versöhnung anfangen.”

Gerd Müller (ULB) wies darauf hin, dass die Äußerungen des neuen polnischen Präsidenten deutlich zeigten, dass es in Polen noch viele Vorbehalte gegenüber den Deutschen gibt. Deshalb sei ein Austausch unter Jugendlichen sehr wichtig, um die Freundschaft zwischen beiden Ländern zu festigen.

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