Badische Zeitung vom Donnerstag, 21. Februar 2008

Jugendarrest für Schändung des Friedhofs
Landgericht bestätigt Urteil



Von unserer Redakteurin Simone Höhl

IHRINGEN/FREIBURG. Es bleibt beim Jugendarrest: Gestern hat das Landgericht Freiburg in der Berufungsverhandlung um die Schändung des jüdischen Friedhofs in Ihringen das Urteil der ersten Instanz bestätigt. Einzig die Arbeitsstunden, zu denen einer der drei Angeklagten im November zudem verurteilt wurde, sind durch eine Geldbuße ersetzt: Der 17-Jährige soll 600 Euro an den Förderverein Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus Breisach zahlen.

Die Angeklagten im Alter von 16, 17 und 19 Jahren waren in erster Instanz zu ein- und zweiwöchigen Jugendarresten verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft war in Berufung gegangen und forderte stattdessen Jugendstrafen auf Bewährung. Damit wären die Angeklagten, die im August 2007 mit einem bereits rechtskräftig verurteilten Kumpan 71 Grabsteine umgestoßen haben, längere Zeit von Bewährungshelfern begleitet worden. Die Jugendkammer hat den Antrag abgelehnt.

"Die Tat war von erheblichem Gewicht" , stellte der Richter klar. Der Sachschaden betrug mindestens 40 000 Euro. Der immaterielle Schaden der rechtsradikal motivierten Tat sei größer gewesen.

Für die Angeklagten sprach, dass die Tat nicht geplant und von dem Kumpan angestiftet worden war. Unter den Anhängern der "Kameradschaft Bahlingen" habe womöglich ein gruppendynamischer Prozess eingesetzt. Die Gruppe, die einer der geständigen Angeklagten gegründet hatte, ist aufgelöst. Die drei hätten sich von der Szene abgewandt und nähmen freiwillig an einem Aussteigerprogramm teil. "Ein Bewährungshelfer hat weder die Ausbildung noch die Zeit, um die früheren Gedankengänge aufzuarbeiten" , begründete der Richter das Urteil, gegen das Revision möglich ist.

Gegen die Arbeitsstunden sprach, dass der Jugendliche einer Arbeit nachgeht. Christiane Walesch-Schneller, Vorsitzende des Breisacher Vereins, war vom Urteil sichtlich überrascht. "Wir werden das Geld verwenden, um die Geschichte der jüdischen Gemeinde Ihringen und des Friedhofs bekannter zu machen" , sagte sie in einer ersten Stellungnahme.

Zur vorhergehenden Seite Zum Beginn der Seite