Badische Zeitung vom Samstag, 20. September 2008

"Alte Steine sprechen lassen"
Das interdisziplinäre Gutachten zur Breisacher Stadtmauer liegt vor / Jetzt wird ein Sanierungskonzept erarbeitet



Von unserer Redakteurin Agnes Pohrt

BREISACH. Die Stadt Breisach will bekanntlich als Wirkungsort des Festungsbaumeisters Vauban und Pendant zu Neuf-Brisach ebenfalls als Unesco-Weltkulturerbe anerkannt werden. Ein Baustein hierfür könnte die interdisziplinäre Untersuchung der Breisacher Stadtmauer werden, deren Ergebnisse die Gutachter den Gemeinderäten in der jüngsten Ratssitzung präsentierten.

Das Gutachten gibt Auskunft über die Geschichte der Breisacher Befestigungsanlagen, über den Zustand der Mauern, an welchen Stellen Handlungsbedarf besteht und über geeignete Sanierungsmethoden. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden in eine digitale Kartierung eingearbeitet.

Der Kunsthistoriker und Steinmetz Ralf Beer und der Geologe Matthias Geyer erläuterten den Gemeinderäten die Erkenntnisse, die sie bei der Untersuchung von ausgewählten Mauerabschnitten gewonnen hatten. Genauer unter die Lupe genommen wurden unter anderem die Mauerreste im Keller des Blauen Hauses [Hervorhebung nicht in der BZ] sowie Mauerabschnitte an der Muggen sturmstraße, am Langen Weg, an der Fischerhalde und an der Rempartstraße.

Die noch sichtbaren Festungsanlagen von Breisach wurden im Mittelalter (13./14. Jahrhundert) und in der Barockzeit (17. Jahrhundert), errichtet. Zunächst wurde die Oberstadt befestigt. Mitte des 13. Jahrhunderts folgten dann die westlichen Befestigungsanlagen am Rhein mit dem Rheintor. Die Ostseite wurde in zwei Phasen, zunächst entlang der Muggenstrumstraße mit Kupfer- und Gutgesellentor befestigt, später wurde auch die Vorstadt mit dem Eckartsberg durch eine Mauer geschützt. In der Barockzeit entstanden dann Bastionen, die unter französischer Herrschaft weiter ausgebaut wurden. "In Breisach gab es also äußere und innere Mauern mit einem Wassergraben dazwischen, das ist sehr selten" , betonte Kunsthistoriker Beer. Bei ihrer Untersuchungen stellten die Experten auch fest, dass die ursprünglich Stadtmauer mit Zinnen bewehrt war, später wurden dann Schießscharten eingebaut.

Die Gutachter interessierten sich nicht nur für die Geschichte der Stadtmauer, sondern auch für die Herkunft des verwendeten Baumaterials. Die Stadtmauer wurde, je nach Epoche, aus Buntsandstein, Rouffacher Sandstein und aus Kaiserstühler Vulkanit erbaut, berichtete der Geologe Matthias Geyer. Das macht eine Sanierung nicht gerade einfach, denn die meisten Steinbrüche seien längst stillgelegt, häufig stehen die Gebiete mittlerweile sogar unter Naturschutz.

Aufgrund der unterschiedlichen Entstehungszeit der Mauerabschnitte und den verschiedenen Baumaterialien könnten keine allgemeinen Vorschläge für eine Restaurierung gemacht werden, so die Gutachter. Bei Reparaturen müsse von Fall zu Fall abgewogen werden. Das Gutachten liefere aber auch eine Grundlage bei der Beantragung von Zuschüssen des Denkmalschutzes. Weitere Bereiche der Stadt, zum Beispiel am Münsterberg, sollten ebenso erforscht werden, rieten die Gutachter, die ausdrücklich Uwe Fahrer für die Unterstützung dankten. "Wir haben versucht, Steine sprechen zu lassen" , fasste Geyer das Ziel der Untersuchung zusammen.

"Das Gutachten beweist, dass Breisach ein großes geschichtliches Potenzial besitzt" , lobte Bürgermeister Oliver Rein die Arbeit der Referenten. Es sei einmalig, dass eine Stadt einen deutschen und einen französischen Festungsbereich habe. Die Breisacher Festungsanlage sei auch mit Blick auf den Tourismus ein Kapital, meinte Rein. So könnten etwa Wege angelegt werden, um die Anlagen zumindest begehbar zu machen. Das Gutachten sei aber ebenso wichtig für den Ergänzungsantrag von Breisach für die Aufnahme in die Weltkulturerbeliste. "Wir werden jetzt weiter arbeiten und ein Konzept für die Sanierung der Stadtmauer entwickeln" , versprach der Bürgermeister.

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