Gemeinsame Erinnerung an 300 Jahre jüdisches Leben in Breisach: 1640 – 1940

Sonntag, 27. Juni 2010 bis Donnerstag, 1. Juli:

Unter der Schirmherrschaft des Regierungspräsidenten Freiburg Julian Würtenberger

 

Programm

(Stand 16. Juni 2010)

 

Sonntag, 27. Juni: „Pour crever“ „Um zu krepieren“ (Hannah Arendt)

 

Montag, 28. Juni:

 

Dienstag, 29. Juni:

 

Mittwoch, 30. Juni:

 

Donnerstag, 1. Juli:

 

Weiteres Programm:

 

Das Blaue Haus zeigt seine Sammlung, Bibliothek und eine Ausstellung
über die Geschichte des Fördervereins, die zukünftige Arbeit und seine Visionen

Schüler aus Breisach, Freiburg, Basel und Colmar werden während der Tagung
anwesend sein mit dem Ziel, die jüdischen Gäste, die Überlebenden und die zweite Generation
zu verstehen und ihre Geschichten aufzuschreiben.

Von ihren Lehrern angeleitet bemühen sich diese Schüler um ein tieferes Verständnis
von Geschichte und ihrer Auswirkung auf die Leben der Familien und deren Erzählungen.
Sie werden an verschiedenen Teilen des Programms teilnehmen und einen Besuch der Gäste
in ihren Klassen vorbereiten. Eine Veröffentlichung wird vorbereitet,
die ein Austauschstudent aus Minnesota unterstützt.

 


 

Badische Zeitung vom Samstag, 19. Juni 2010

Erinnern an jüdisches Leben
BZ-INTERVIEW mit Christiane Walesch-Schneller über die Begegnungswoche im Blauen Haus.



BREISACH. Mit einer Begegnungswoche setzt der Förderverein ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus seine jährliche Veranstaltungsreihe zur deutsch-jüdischen Geschichte in Breisach fort. Über das Programm vom 27. Juni bis 1. Juli in der Europastadt (und teilweise in Freiburg) sprach BZ-Mitarbeiter Kai Kricheldorff mit der Fördervereins-Vorsitzenden Christiane Walesch-Schneller.


Christiane Walesch-Schneller Foto: Kai Kricheldorff

BZ: Welchen Schwerpunkt setzt die diesjährige Begegnungswoche? Walesch-Schneller: Sie steht im Zeichen der gemeinsamen Erinnerung an 300 Jahre jüdisches Leben in Breisach. Diese Epoche endete vor 70 Jahren mit der Deportation von 5600 jüdischen Bürgerinnen und Bürger, die damals in Baden lebten, ins südfranzösische Lager Gurs. Ihrer Opfer wird während der Begegnungen gedacht. Wir sind froh darüber, dass Regierungspräsident Julian Würtenberger die Schirmherrschaft für die diesjährige Veranstaltungsreihe übernommen hat.

BZ: Haben sich wieder jüdische Gäste mit Wurzeln in Breisach angesagt? Werbung
Walesch-Schneller: Es kommen rund 40 Gäste, aus Israel, Frankreich, Amerika, Großbritannien und der Schweiz, die einen familiären Bezug zu Breisach haben. Darunter sind Überlebende des Holocaust, die bereits früher unsere Gäste waren, vor allem aber Kinder von Überlebenden, die sich erstmals auf die Spuren ihrer Vorfahren begeben wollen.

BZ: Kommen die Gäste auch mit der Breisacher Bevölkerung zusammen?
Walesch-Schneller: Dazu wird es viel Gelegenheit geben, denn die Veranstaltungen finden öffentlich statt. Hervorzuheben ist dabei das gemeinsame Gedenken an die Opfer der Deportation am 30. Juni im Breisacher Münster. Dazu werden beide Kirchenchöre ein "Gotteslob" singen. Auch die nach Jahren beendete Wiederherstellung beschädigter Grabsteine auf dem neuen jüdischen Friedhof am Sonntag (27. Juni) und verschiedene Vorträge bieten gute Möglichkeiten, miteinander ins Gespräch zu kommen.

BZ: Vor dem Radbrunnen wird am Sonntag eine Kunstinstallation eingeweiht. Wie ist es dazu gekommen?
Walesch-Schneller: Der Künstler Trimpin, der aus Efringen-Kirchen stammt und in Seattle arbeitet, hat einen Gurs-Zyklus und in diesem Rahmen zum Gedenken an die Deportation der Breisacher Juden eine Kunstinstallation geschaffen. Sie wird an der Nordseite des Radbrunnens aufgestellt und trägt den Titel "Pour Crever" – "Um zu krepieren". Das bezieht sich auf ein Zitat von Hannah Arendt. Diese bewegliche Installation wird bis November am Radbrunnen stehen.

BZ: Vor zehn Jahren hat der Förderverein das ehemalige jüdische Gemeindehaus gekauft und es als Blaues Haus zur Erinnerungs- und Begegnungsstätte ausgebaut. Wie hat sich die Arbeit des Vereins seither entwickelt?
Walesch-Schneller: Sie hat sehr an Akzeptanz gewonnen, weil viele Menschen im Blauen Haus die Erfahrung machen, dass sein Besuch sie ihrer eigenen Geschichte näher bringt. Zugleich wird ein wichtiges Stück Stadtgeschichte dargestellt und bewahrt. Dass es zu dieser positiven Entwicklung kam, verdanken wir unseren sehr aktiven Vereinsmitgliedern, aber auch der Stadtverwaltung und dem Stadtarchiv, die unsere Arbeit über all die Jahre engagiert unterstützt haben, sowie den jüdischen Familien aus aller Welt, die das für sie schmerzliche Erinnern an ihre Wurzeln in Breisach auf sich nehmen.

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