Badische Zeitung vom Samstag, 18. November 2006

Hilfe in schwieriger Zeit
Hilfe in schwieriger Zeit



 

Von unserer Mitarbeiterin Christine Aniol

BREISACH. Mit einer Kombination aus Klängen, Schauspiel und Pantomime erzählte das Theater Zerberus im Blauen Haus in Breisach von der jüdischen Legende um das künstliche Geschöpf Golem.

"Die beiden Künstler Hartmut Nold und Raimund Schall bringen mit dem Golem nicht nur einen jüdischen, sondern einen Menschheitsmythos in das ehemalige jüdische Gemeindehaus" , freute sich Christiane Walesch-Schneller, die Vorsitzende des Fördervereins ehemaliges jüdisches Gemeindehaus in Breisach. "Wir haben vor etwa 2 Jahren begonnen, an diesem Stück zu arbeiten" , berichtet Schall. Damals habe er das erste Mal von einem Prager Freund, der Jude ist, von den Geschichten um den Golem gehört.

"Dann ging es ans Recherchieren, was es in der Literatur über dieses künstliche Geschöpf so gibt" , erzählt der Freiburger Künstler.

Mit eigenen Texten, denen größtenteils die einfachen Erzählungen aus vergangener Zeit zu Grunde liegen, ließ er den Golem wieder auferstehen. Schall berichtet in dem Stück von einer schwierigen Zeit, in der die jüdischen Bewohner Prags verleumdet und angegriffen wurden und Angst vor ihrer Zukunft hatten.

Da beschließt der Rabbi Löw, die Juden gegen die Pogrome zu schützen und schafft kurzerhand einen Riesen aus Lehm, der von den Ufern der Moldau stammt. Er erweckt das künstliche Wesen, den Golem, zum Leben. "Das Bild des Golem stellt eine Art Doppelgänger dar, eine Schatten- oder Überfigur" , erklärt Schall. Alleine spielt der Schauspieler die verschiedenen Charaktere auf der Bühne und lässt sie mit wenigen Requisiten zu plastischen Figuren werden.

Doch das künstlich geschaffene Gegenüber, das zu Anfang noch die Anweisungen des Rabbis befolgt und die Bewohner des jüdischen Gettos beschützt, macht sich schließlich selbstständig.

Harmonische, dramatische, ausgefallene und gleichzeitig alltägliche Klänge mischen sich unter die Erzählung. Mit Vibrafon, verschiedenen Gongs und Platten glocken schafft Nold eine ganz besondere Atmosphäre. "Die musikalischen Elemente sind zwar teilweise von mir komponiert, aber ich improvisiere während des Stücks auch" , berichtet Nold. "Bestimmte Klangfarben, die die schauspielerisch und pantomimisch dargestellten Szenen charakterisieren, sind festgelegt, aber ich kann spontan und emotional auf das Schauspiel reagieren." Gerade deshalb sei jede Aufführung wieder anders, betont der Musiker.

"Wir werden das Stück ,Der Golem wegen seines Inhalts übrigens zum einen in jüdischen Gedenkstätten, wie hier in Breisach, zeigen, aber auch am Theater spielen" , erklärt Schall. Zu sehen war das Stück beispielsweise schon in Basel. Nach dem Zwischenstopp in Breisach seien nun verschiedene Bühnen in Zürich und Stuttgart dran, berichten die Künstler. "Auch wenn die jüdische Gemeinde, die früher in der Münsterstadt gelebt hat, die Geschichte um das künstliche Geschöpf vielleicht nicht kannte, hoffe ich, dass der Golem in seiner Bedeutung hier im Blauen Haus beheimatet wird" , wünschte sich schließlich Walesch-Schneller nach der Aufführung.

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