Badische Zeitung vom Samstag, 18. August 2007

KOMMENTAR: Eindeutige Motive
Friedhofsschändung



Die für die Schändung des jüdischen Friedhofs in Ihringen verantwortlichen Täter sind gefasst. Das ist eine gute Nachricht. Mit ihrem Autounfall haben sie sich quasi selbst der Kriminalpolizei in die Hände geliefert. Die drei Jugendlichen und der 28-Jährige gehören den Ermittlungen zufolge eindeutig zur rechtsradikalen Szene. Und sie stammen aus der näheren Umgebung des Tatorts. Damit bewahrheitet sich die Analyse derjenigen, die sich auch mit den Friedhofsschändungen der Jahre 1990/91 am selben Ort auseinandergesetzt hatten: Rechtsradikaler Antisemitismus ist das Motiv. Wie groß die heutige Szene in der Region ist, und ob sie Verbindungen zu den Tätern von vor 16, 17 Jahren hat, darüber gibt es bislang keine Erkenntnisse. Das Klima am Kaiserstuhl aber hat sich seit damals erkennbar verbessert: Eine Reihe von Menschen aus Ihringen und dem Kaiserstuhl engagieren sich schon seit Jahren ehrenamtlich in der Initiative "Blaues Haus" , dem ehemaligen jüdischen Gemeindehaus in Breisach. Sie setzen sich mit der Verfolgung und Ermordung der Juden ihrer Heimat auseinander, dokumentieren das damalige jüdische Leben in den Ortschaften, organisieren Vorträge und Ausstellungen. Und sie laden Überlebende in die Dorfgemeinschaften ein, in denen diese einst zu Hause waren. Antisemitismus bleibt so kein abstrakter Begriff — seine Folgen werden durch die persönliche Begegnung mit den Opfern erfahrbar. Und aus der Vergangenheit werden auf diese Weise Lehren für die Zukunft gezogen. Die Mahnwache am vergangenen Mittwoch hat gezeigt, dass die Bürgerinnen und Bürger nicht bereit sind, antisemitische Gewalttaten zu bagatellisieren.

Mechthild Blum