Badische Zeitung vom Samstag, 18. August 2007

Schändung des Friedhofs aufgeklärt
Polizei ermittelt vier Tatverdächtige / Bei Durchsuchungen wurden Nazisymbole und CDs mit rechtsextremen Liedern gefunden

Von unserem Redakteur Gerold Zink

IHRINGEN. Die Schändung des jüdischen Friedhofs in Ihringen ist aufgeklärt. Die Freiburger Kriminalpolizei schreibt die Tat vier Verdächtigen im Alter zwischen 15 und 28 Jahren zu. Drei von ihnen stammen aus dem Landkreis Emmendingen und einer aus dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Der 28-Jährige wurde vorläufig festgenommen, die drei Jugendlichen, die ihre Beteiligung an der Schändung gestanden haben, bleiben bis zur Gerichtsverhandlung auf freiem Fuß. Bei Durchsuchungen wurden Nazi-Symbole und CDs mit rechtsextremen Liedern gefunden. Dies teilte gestern die Freiburger Kriminalpolizei mit. Nach Angaben von Bernd Belle, Leiter der Freiburger Kriminalpolizei, und Oberstaatsanwalt Wolfgang Maier hat es "in einem Weinberg im inneren Kaiserstuhl am vergangenen Samstag eine Feier mit mehreren Personen gegeben" . Gegen Ende des Treffens seien neben dem 28-jährigen Handwerker noch ein Schüler und zwei Lehrlinge im Alter von 15, 17 und 19 Jahren übrig geblieben. Das Gespräch sei auf die hohe Arbeitslosigkeit und die Suche nach den vermeintlich Schuldigen gekommen. "Da sagte der eine, man könne einmal etwas unternehmen" , schilderte Belle den Verlauf. Gemeinsam seien die vier Tatverdächtigen dann mit einem Auto zum jüdischen Friedhof nach Ihringen gefahren, über die Mauer geklettert und hätten über 70 Grabsteine umgeworfen. Anschließend seien sie mit hohem Tempo durch Ihringen und Wasenweiler in Richtung Bötzingen gefahren. Zwischen Wasenweiler und Bötzingen fiel der Wagen einer Polizeistreife auf, wie Belle weiter erklärte. Die Polizisten hätten gewendet, das Auto aber vor Bötzingen aus den Augen verloren. Ein Anrufer habe der Polizei jedoch am Sonntag mitgeteilt, dass in einem Spargelfeld bei Bötzingen ein beschädigtes Auto stehe. Dies war wohl aufgrund hoher Geschwindigkeit von der Straße abgekommen. Laut Belle sei bei der Polizei sofort der Verdacht aufgekommen, dass es einen Zusammenhang mit der Schändung des jüdischen Friedhofs in Ihringen geben könnte. Deshalb wurde der Halter des Wagens, bei dem es sich um den 28-jährigen Handwerker handelt, auch intensiv vernommen. Zunächst gab er an, das Auto sei ihm gestohlen worden. Durch die Frage, mit wem er die Nacht von Samstag auf Sonntag verbracht habe, sei man auf die beiden Lehrlinge und den Schüler gestoßen. Da sich bei den Vernehmungen mehrere Ungereimtheiten ergeben hatten, durchsuchte die Polizei zunächst vier Wohnungen. Dabei fanden die Beamten Nazi-Symbole und CDs mit rechtsextremen Liedern. Bei dem 28-Jährigen wurden darüber hinaus eine ältere Pistole sowie Munition gefunden. Einen Waffenschein besitzt er nach Angaben der Polizei nicht. Der Älteste der Gruppe ist nach Einschätzung der Polizei "mit der Antreiber für die Tat gewesen" . Laut Maier sind nach bisherigem Erkenntnisstand alle vier Tatverdächtigen noch nicht durch rechtsextreme Taten aufgefallen. Sie hätten wohl auch noch keine rechtsextreme Gruppe gebildet. Dies sei durch das beherzte Eingreifen der Polizei jetzt sicherlich verhindert worden. Der Oberstaatsanwalt ließ jedoch keinen Zweifel daran aufkommen, dass er die Schändung des Friedhofs nicht für einen dummen Jungenstreich hält. "Wer eine solche Tat begeht, der ist für mich rechtsradikal" , betonte er, auch wenn sich die Beteiligten wohl nicht über die Tragweite ihres Vergehens im Klaren gewesen seien. Einige der Tatverdächtigen sind schon wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz aufgefallen. Weil der Arbeitgeber des 28-Jährigen bereits angekündigt habe, ihn zu entlassen, bestehe Fluchtgefahr, erklärte der Oberstaatsanwalt weiter. Deshalb sei der Verdächtige vorläufig festgenommen worden. Inzwischen sei auch Haftbefehl ergangen. Die drei Jugendlichen dagegen würden bis zur Gerichtsverhandlung auf freiem Fuß bleiben. Der 28-Jährige könnte laut Maier wegen Störung der Totenruhe, Sachbeschädigung, Unfallflucht und unerlaubten Waffenbesitzes zu einer Haftstrafe von bis zu dreieinhalb Jahren verurteilt werden. Die Jugendlichen würden dagegen nach dem Jugendstrafrecht behandelt.