Von unserer Redakteurin Agnes Pohrt
Die 11 Frauen und 2 Männer im Alter von 17 bis 28 Jahren kommen aus Bulgarien, der Ukraine, Polen, Tschechien, Frankreich und Deutschland. 2 Wochen lang beschäftigen sie sich mit den Spuren der jüdischen Geschichte im Dreiländereck.
"Wir haben 2 Tage lang im ,Judengarten in Mackenheim Grabsteine ausgegraben, sie gesäubert und, wenn möglich, wieder aufgestellt" , erzählt die 18-jährige Anne-Kathrin aus Tübingen. Auf dem elsässischen Friedhof wurden bis 1755 auch die Juden aus Breisach begraben. 10 bis 12 Grabsteine, die aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammen, konnten jetzt wieder freigelegt werden.
Besonders beeindruckt habe sie das Engagement des Mackenheimer Bürgermeisters Jean-Claude Spielmann, der den jungen Besuchern nicht nur bereitwillig den Friedhof zeigte, sondern auch bei der nicht immer leichten Arbeit half, sagt Karina aus Ostfriesland, mit 17 Jahren die Jüngste der Gruppe. Sie, Anne-Kathrin, die 21-jährige Veronika aus Perm (Russland) und die 18-jährige Krassimira aus Bulgarien kennen sich schon seit letztem Jahr, als sie gemeinsam für die Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste beim Aufbau des Dokumentationszentrums im Schloss von Prettin bei Wittenberg mitarbeiteten. Das Schloss war von den Nazis von 1933 bis 1939 als Konzentrationslager genutzt worden.
Veronika gefällt die Arbeit im Blauen Haus besser als in Prettin. Vor allem das Streichen der Fensterläden mache ihr Spaß, meint die junge Russin, die für ihren freiwilligen Dienst in Breisach eine 62-stündige Anreise mit dem Bus in Kauf genommen hat.
Krassimira interessiert sich am meisten für die archäologischen Arbeiten im Blauen Haus. Im Keller des ehemaligen jüdischen Gemeindehauses wurden verschiedene Gesteinsschichten freigelegt. "Jetzt wurde der ursprüngliche Aus- und Eingang des Gebäudes freigelegt, der wahrscheinlich in den alten Stadtgraben von Breisach führte" , erzählt Gerhard Dümchen. Nur durch das Engagement von Dümchen sind die bisher sechs Sommerlager der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienst in Breisach überhaupt zu Stande gekommen. Der Pfarrer, der auch Vorstandsmitglied im Förderverein ehemaliges jüdisches Gemeindehaus ist, hofft, dass es auch im nächsten Jahr wieder ein Sommerlager geben wird.
Doch nicht nur Arbeit steht auf dem Programm. Die jungen Leute sollen auch die Umgebung kennen lernen. Gelegenheit dazu gab es bereits bei Ausflügen nach Colmar und Freiburg. Geplant sind Besuche in den jüdischen Gemeinden von Straßburg und Basel, wo die freiwilligen Helfer an einem Sabbatgottesdienst teilnehmen dürfen. Und auch der Breisacher Bürgermeister Oliver Rein wird die jungen Leute im Rathaus empfangen.
Untergebracht sind die Teilnehmer des Sommerlagers im evangelischen Gemeindehaus in Breisach. "Dort haben wir auch einen Gottesdienst mitgestaltet" , erzählt Anne-Kathrin. Bei der Schülerin aus Tübingen hat die Arbeit auf dem ehemaligen jüdischen Friedhof von Mackenheim großen Eindruck hinterlassen. "Sie bot die Möglichkeit, Geschichte sichtbar zu machen" , sagt sie. Überhaupt sei es sehr wichtig, sich zu erinnern und Zeichen zu setzen.