Badische Zeitung vom Montag, 18. April 2011

Musikalisches Geschichtsprojekt

Schüler führen die Kinderoper Brundibár auf
35 Chorkinder aus der Münsterpfarrei und von der Hugo-Höfler-Realschule haben sich Großes vorgenommen. Im Juli werden sie gemeinsam in der Breisacher Stadthalle die Kinderoper "Brundibár" des Komponisten Hans Krása aufführen.



BREISACH. Seit 8 Monaten versammeln sie sich jede Woche zur Probe im Gemeindezentrum St. Hildegard. Gemeinsam mit Nicola Heckner, Chorleiterin des Kirchenchores St. Stephan, und Regisseurin Stefanie Bürger werden die 2 Akte der Oper einstudiert.

Wer oder was ist eigentlich Brundibár? Der 12-jährige Marcel Fiedler ist einer der wenigen männlichen Ensemblemitglieder. Er spielt die Hauptrolle und beschreibt den Drehorgelspieler Brundibár als "einen strengen Mann, der nicht sonderlich viel von Kindern hält, die auf der Straße etwas verkaufen wollen".

Tabitha Schäfer (16 Jahre) hat die Rolle eines Milchmanns übernommen und Sophia Vollmer (13) stellt eine Bäuerin dar, die Obst und Gemüse verkauft. In dem Stück geht es um zwei arme Geschwister, die Milch für ihre kranke Mutter brauchen, die der Milchmann ihnen aber nicht geben will, weil die Kinder kein Geld haben.

Der Komponist Hans Krása aus Prag hat die Oper 1938 geschrieben. Ihre Uraufführung fand erst 1941 in einem jüdischen Waisenhaus in der tschechischen Hauptstadt statt. Weil die deutschen Besatzer in der damaligen Tschechoslowakei die Aufführung von Werken jüdischer Komponisten nicht zuließen, musste die Oper heimlich gespielt werden. Der jüdische Komponist Krása kam ein Jahr später ins Konzentrationslager Theresienstadt. Dort wurde die Oper in der darauffolgenden Zeit 55-mal aufgeführt.

Für die in dem KZ inhaftierten Kinder wurde sie "ein Licht in der Dunkelheit", wie überlebende Augenzeugen es später beschrieben haben. Krása wurde, ebenso wie die meisten anderen Beteiligten an den Aufführungen in Theresienstadt, bald darauf im KZ Auschwitz ermordet. Die Kinder und Jugendlichen, die an der Aufführung der Oper in Breisach teilnehmen, nähern sich so an die Geschichte des Holocausts an. Die Arbeit kann ihnen die Ursachen des damaligen verbrecherischen Geschehens verdeutlichen.

So begreift sich auch das Projekt, das gemeinsam von der katholischen Kirchengemeinde St. Stephan, der Hugo-Höfler-Realschule und dem Förderverein ehemaligen jüdisches Gemeindehaus "Blaues Haus" getragen wird. Der Breisacher Künstler Helmut Lutz wird mit Schülern des Martin-Schongauer-Gymnasiums das Veranstaltungsplakat für die beiden Aufführungen am 8. und 10. Juli entwerfen. Kunsterzieherin Sonja Klenk hat für das Entwerfen und Bauen des Bühnenbildes eine Gruppe von Schülern der Hugo-Höfler-Realschule um sich geschart.

Die Schirmherrschaft für das Vorhaben, das als musikalisches Geschichtsprojekt bezeichnet werden darf, hat Breisachs Bürgermeister Oliver Rein übernommen.

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