Badische Zeitung vom Freitag, 17. August 2007

Polizeichef wehrt sich gegen Vorwürfe
Grabschändung in Ihringen



FREIBURG (ko). Wolfram Haug spricht von einem "infamen" Vorwurf. Der Präsident der Landespolizeidirektion in Freiburg reagierte gestern mit harschen Worten auf den offenen Brief engagierter Bürger zur Friedhofsschändung in Ihringen (siehe BZ vom 16. August). Der Historiker Wolfram Wette und vier weitere Unterzeichner hatten darin die Frage gestellt, ob nach den Attacken auf den Ihringer Friedhof 1990 und 1991 "wirklich allen Spuren mit der gebotenen Gründlichkeit" nach gegangen wurde. Haug sieht darin den indirekten Vorwurf, die Polizei decke Rechtsextreme. In dem Brief war Regierungspräsident Sven von Ungern-Sternberg aufgefordert worden, sich für die gründliche Aufklärung der neuen und der früheren Grabschändungen einzusetzen. Stellvertretend für von Ungern-Sternberg, der zurzeit im Urlaub weilt, wies Haug nun darauf hin, dass die Polizei mit Hochdruck an dem Fall arbeite. Sie habe auf dem Friedhof auch bereits nach DNA-Spuren gesucht. In den 90er-Jahren sei dagegen kein DNA-Material genommen worden, weil diese Methode noch gar nicht zur Verfügung stand. Die Polizei arbeite auch präventiv, so Haug. Deshalb weise Südbaden eine niedrige Straftatendichte mit rechtsextremem Hintergrund auf. Die Höhe der Schäden in Ihringen schätzte er auf 48 000 Euro. Das Regierungspräsidium werde 15 000 Euro Soforthilfe bereitstellen.