Badische Zeitung vom Samstag, 17. Juli 2004

LESERBRIEFE
STREIT UM RESTE EINES NS-SYMBOLS

Pflasterkreis soll als Mahnmahl erhalten bleiben

Zum Artikel "Geschichte kann man nicht auslöschen" (BZ vom 14. Juli), erreichte uns folgender Leserbrief:

Ich hoffe, ich habe es richtig verstanden: Ein Freiburger Bürger möchte den seiner Ansicht nach umstrittenen Pflasterkreis aus dem Jahr 1933 am Breisacher Münsterberg weg haben. Er befürchtet, dass Bürgern und Besuchern bei dessen Anblick zweifelhafte Sympathien für die NS-Zeit suggeriert werden könnten. Das ist seine Meinung. Ich sehe das, mit Verlaub, etwas anders. Wenn man nämlich selbst mal auf dem Münsterberg gewohnt hat und an dieser denkwürdigen Stelle regelmäßig vorbeikam, fällt einem spontan ein, wie betroffen man da jedes Mal war und auch heute noch ist. Und wie man so hört, gibt es viele anständige Mitbürger, denen es genauso geht. Deshalb frage ich mich, wie man ernsthaft auf die Idee kommen kann, dieses Symbol könne die Gräueltaten der NS-Zeit verharmlosen. Und ich frage mich auch, weshalb man uns nicht ein bisschen mehr gesunden Menschenverstand zutraut und statt dessen glaubt, durch Verbote und Beseitigungen geschichtlicher Zeugnisse wäre eine größere Sensibilisierung für das Grauen jener Zeit zu erreichen. Die Stadt Breisach und ihre Bürger haben jüngst immer wieder bewiesen, dass sie sowohl an der Erinnerung, als auch der Wiedergutmachung äußerst aktiv mitwirken. So zum Beispiel bei der Sanierung des Blauen Hauses, die von der Stadtverwaltung und freiwilligen Helfern mit großem Zuspruch gefördert und tatkräftig unterstützt wurde. Diese positiven Ansätze sollte man nicht einfach aufs Spiel setzen. Wie man lesen konnte, stehen Herr Fahrer und Herr Rein dafür ein, dass der Kreis als Mahnmal eines sehr dunklen Kapitels in der deutschen Geschichte erhalten bleibt. Dem kann man nur zustimmen.

Doris Anspichler, Breisach

 


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