Badische Zeitung vom Freitag, 17. Juni 2005

Im Zeichen der Versöhnung
Aktion Sühnezeichen: Abiturienten aus Leipzig helfen bei Ausgrabungen im Blauen Haus



Von unserer Redakteurin Agnes Pohrt

 

Abiturienten graben im Blauen Haus
Foto: FRIEDEL SCHEER
BREISACH. 15 Abiturientinnen und Abiturienten des evangelischen Schulzentrums Leipzig sind derzeit mit Schaufeln und Spitzhacke im Keller im Blauen Haus zugange. Sie helfen im Rahmen der Aktion Sühnezeichen/ Friedensdienste (ASF), den historischen Untergrund freizulegen.

In der Leipziger Schule ist es schon Tradition, dass die Abiturienten die Zeit zwischen Prüfungen und Notenvergabe nutzen, um bei Projekten der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste mitzuarbeiten. Zum ersten Mal wurde auch jetzt das Blaue Haus in Breisach miteinbezogen.

Ein Teil der Schüler stammt aus dem Leistungskurs Französisch, somit lag es für sie nahe, sich für das Projekt in Breisach zu entscheiden, erläutert Gerhard Dümchen, der im Vorstand des Blauen Hauses für die Koordination der Projekte mit Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste zuständig ist.

Die freiwilligen Helfer sind aber nicht nur zum Arbeiten nach Breisach gekommen. Zunächst einmal erfuhren sie etwas über die Geschichte der jüdischen Landgemeinden dies- und jenseits des Rheins und lernten die Arbeit im Blauen Haus kennen. Zwei Exkursionen führten die jungen Besucher nach Freiburg – zu den „Stolpersteinen“ und in die Lessingschule, wo sie über das Projekt „Zwangsschule für jüdische Kinder – 1936 bis 1940“ informiert wurden. Ein weiterer Ausflug ging nach Wintzenheim, wo die ASF gerade ein Projekt vorbereitet.

In der zweiten Woche des insgesamt zehntägigen Aufenthalts in der Münsterstadt ging es dann an die konkrete Arbeit: Im Nebenraum des Kellers unter dem Blauen Haus tragen die Schülerinnen und Schüler den Lehmboden ab, um den ursprünglichen Untergrund, eine mittelalterliche Straße, freizulegen. „Wir haben schon etliche Ton- und Glasscherben aus dem 16. Jahrhundert gefunden“ , erzählt ein Schüler. Geplant ist außerdem, Frottagen von Grabsteinen auf dem jüdischen Friedhof in Breisach anzufertigen. Mit Hilfe dieser Frottagen sollen die Namen der dort Bestatteten entziffert werden.

Untergebracht sind die jungen Helfer in der Stadthalle. Duschen dürfen sie sich im Waldschwimmbad und im Martin-Schongauer-Gymnasium. „Nicht nur die Stadt unterstützt uns“, freut sich Dümchen. Drei Breisacher Bäckereien sorgen dafür, dass das leibliche Wohl der fleißigen Schüler nicht zu kurz kommt. Auch Firmen und Landwirte würden das Projekt mit Spenden unterstützen.

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