BREISACH. Ein viel versprechendes Thema stand dieser Tage beim Förderverein Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus auf dem Programm, der damit die letzte Veranstaltung in diesem Jahr organisierte. Der Vizepräsident des Anne-Frank-Fonds in Basel, John D. Goldsmith, war nämlich angereist, um von Anne Frank, ihren Tagebüchern und der Arbeit des Fonds zu berichten.
Zahlreiche Besucher wollten sich da die Gelegenheit nicht entgehen lassen, quasi aus erster Hand Näheres zur Entstehungsgeschichte der Tagebücher und zur Geschichte der Familie Frank zu erfahren, denn Otto Frank, der Vater von Anne, lebte seit 1952 bis zu seinem Tod im Jahr 1980 in Basel.
Zu Beginn skizzierte Goldsmith kurz die Biografie der Familie, die 1933 von Frankfurt nach Amsterdam gezogen war. Dort hatten Edith und Otto Frank mit den Töchtern Margot (geboren 1926) und Anne (geboren 1929) ein relativ unbeschwertes Leben bis sich auch um die Niederlande die nationalsozialistische Schlinge zuzog. Deshalb entschlossen sich die Franks, im Sommer 1942 unterzutauchen. In ihrem Versteck in der Prinsengracht 263 sollte die Familie, zusammen mit vier anderen Personen, nun nahezu zwei Jahre lang leben.
Dort schrieb Anne Frank ihr Tagebuch, zuerst in das Poesiealbum, das sie zu ihrem 13. Geburtstag bekommen hatte, und dann in Hefte. Annes Traum war es, Schriftstellerin zu werden. Deshalb fertigte sie, auf den Aufruf eines Radiosenders hin, den die Familie in ihrem Versteck hörte, eine zur Veröffentlichung bestimmte Version ihres Tagebuchs an. Doch sie selbst erlebte dies nicht mehr. Das Versteck der Familie wurde im August 1944 verraten und die Franks wurden deportiert. Die Mutter, Anne und Margot starben kurz vor Kriegsende im Vernichtungslager, nur der Vater überlebte die Katastrophe.
Um die Veröffentlichung des Tagebuchs, so berichtete John Goldsmith, riss man sich nach dem Krieg keineswegs. Zwar fand Otto Frank 1947 einen niederländischen Verleger, dieser wollte jedoch nur eine gekürzte Fassung. Auch in Deutschland, wo das Tagebuch 1950 zum ersten Mal erschien, war es nicht einfach einen Verleger zu finden und sogar in England und den USA wurde die Veröffentlichung zuerst von etwa zehn Verlagen abgelehnt. Heute allerdings ist Anne Franks Tagebuch in 70 Sprachen übersetzt und, da waren sich auch die Zuhörer einig, das Dokument des Holocausts, das die meisten Menschen erreicht hat.
Die Echtheit des Tagebuchs wurde indes von antisemitischen Kreisen immer wieder angezweifelt. Unter anderem deshalb, so Goldsmith, aber auch wegen der Verwirrung um die private und die von Anne zur Veröffentlichung gedachten Version, wurde Mitte der 80er-Jahre eine umfangreiche Untersuchung unternommen, deren Resultat eine über 800 Seiten starke textkritische, kommentierte Ausgabe der Tagebücher ist. Dass auch dort die erst vor zwei Jahren aufgetauchten fünf Seiten nicht abgedruckt sind, versteht sich von selbst. Aber die können in der allerneusten Auflage des Tagebuchs der Anne Frank nachgelesen werden.
Einen letzten Abschnitt seines Vortrags widmete Goldsmith den Aktivitäten des Anne-Frank-Fonds, der unter anderem Not leidende "Gerechte" in aller Welt unterstützt. Mit diesem Ehrentitel werden Personen bedacht, die während des Holocausts in irgendeiner Weise einen oder mehrere Juden gerettet haben. Mit vielen Zahlen und Fakten untermalte Goldsmith seine Ausführungen. Besonders beeindruckend war die Zahl der "Gerechten" in Dänemark. Mit "nur" 17 Geehrten ist sie auf den ersten Blick nicht groß. Goldsmith wies aber darauf hin, dass mit einer Person das ganze dänische Volk symbolisiert wird, dass sich geschlossen vor "seine" Juden stellte und dafür sorgte, dass fast niemand deportiert werden konnte.