Badische Zeitung vom Donnerstag, 16. August 2007

Beschädigte Grabsteine werden saniert
Oberrat erteilt Freigabe



IHRINGEN (gz). Die umgeworfenen Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof in Ihringen sollen schon bald wieder aufgestellt und saniert werden. Dies erklärte Ihringens Bürgermeister Martin Obert gegenüber der BZ. Die Kosten, die die Gemeinde Ihringen tragen muss, belaufen sich auf rund 40 000 Euro. Nach Angaben des Ihringer Rathauschefs hat er sich inzwischen mit der Beauftragten des Oberrats der Israeliten Badens am jüdischen Friedhof getroffen. "Frau Riki Strassler hat sich betroffen gezeigt und uns die Freigabe erteilt, die bei der Schändung des Friedhofs umgeworfenen Grabsteine auszubessern und sie wieder aufzustellen" , erklärte Obert weiter. Die Beauftragte des Oberrats werde ihm den Namen eines Steinmetzes nennen, der mit solchen Arbeiten bereits Erfahrung hat. Auch ein Rabbiner sowie der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Freiburg seien bei dem Gespräch dabei gewesen. Sie hätten die Vermutung geäußert, dass die Tat, die in der Nacht von Samstag auf Sonntag geschah, einen rechtsradikalen Hintergrund hat. Da die Gemeinde Ihringen für den jüdischen Friedhof zuständig ist, muss sie die Kosten für die Reparatur der Grabsteine übernehmen. Obert geht von einer Summe von rund 40 000 Euro aus. Er möchte, dass die nötigen Arbeiten bald beginnen und spätestens vor Einbruch des Winters abgeschlossen sind. Außerdem plant der Rathauschef, sich mit Familien und Bürgern aus Ihringen, die sich in den vergangenen Jahren für die Aussöhnung eingesetzt und Kontakt zu ehemaligen jüdischen Bürgern der Gemeinde aufgenommen haben, zu einem Gespräch zu treffen. Dabei soll darüber geredet werden, "wie wir am besten ein Signal an die Menschen senden, deren Gefühle durch die Schändung tief verletzt worden sind" . Nachkommen von jüdischen Bürgern, die einst in Ihringen gelebt haben, wohnen heute beispielsweise in den USA. "Wir wollen und müssen zeigen, dass das, was geschehen ist, uns unendlich leid tut" , fügt Obert hinzu. Der Bürgermeister will die wiederholte Schändung des jüdischen Friedhofs darüber hinaus nach den Sommerferien an der Ihringer Neunlindenschule zum Thema machen. Es sei wichtig, dass sich auch junge Leute mit der Materie beschäftigten.