Badische Zeitung vom Donnerstag, 16. August 2007

Empörung und Betroffenheit
Gestern gab es auf dem jüdischen Friedhof eine Mahnwache



IHRINGEN (ca/gz). Gestern Abend fand am jüdischen Friedhof in Ihringen eine Mahnwache statt. Bürger der Gemeinde wollten damit zum Ausdruck bringen, dass sie die Schändung des jüdischen Friedhofs zutiefst betroffen gemacht und empört hat. Rund 70 Einwohner von Ihringen sowie aus Nachbargemeinden hatten sich gegen 19 Uhr vor dem Friedhof versammelt. "Wir wollen unsere Empörung zeigen und ein Zeichen setzen" , betonte Bürgermeister Martin Obert. In kleinen Gruppen standen die fassungslosen Bürger zusammen und suchten nach Erklärungen. "Ich verstehe nicht, warum und bin sehr wütend" , sagte eine Ihringerin und berichtete, dass sie bereits am Dienstag am Friedhof war. "Ich wollte selber sehen, was hier vor sich gegangen ist" , erklärte sie. Auch Rosita Dienst-Demuth, die in Freiburg an der Lessing-Realschule Geschichte unterrichtet, war gekommen. Mit Schülerinnen und Schülern zwischen 14 und 18 Jahren pflegt sie im Rahmen eines Projektes schon länger den Kontakt zu jüdischen Bürgern, die früher in Ihringen lebten. "Die Jugendlichen haben einen Brief verfasst und versucht, ihre Empörung in Worte zu fassen" , berichtete sie. "Sie haben Angst, dass die Schändung des Friedhofs das entstandene Vertrauen und die guten Kontakte kaputt gemacht hat" , sagte sie. Große Stille herrschte nach der Mahnwache auf dem Friedhof. "Es ist einfach nicht zu fassen" , sagten viele beim Hinausgehen. Die Sonderermittlungsgruppe der Freiburger Polizeidirektion arbeitet nach Angaben von Pressesprecher Ulrich Brecht weiter "mit Hochdruck" an dem Fall. "Die Suche nach den Tätern hat für uns höchste Priorität" , betonte Brecht auf Anfrage der Badischen Zeitung, es gebe allerdings noch keine heiße Spur.