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BREISACH. Zu der Begegnung hatten sich über 40 Gäste angemeldet, einige von ihnen waren zum ersten Mal in Breisach. Die Besucher kamen unter anderem aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Israel. Unter den sechs israelischen Besuchern war auch ein Jugendlicher im Alter von 14 Jahren. Kamen vor zehn Jahren bei einem ähnlichen Treffen noch Überlebende der Nazi-Herrschaft mit gemeinsam erlebter Geschichte nach Breisach, verbindet heute Kinder und Enkel der Nazi-Opfer die gemeinsame Geschichte der Eltern und Großeltern. Die Familien leben heute weltweit verstreut. Ziel des Fördervereins sei es, sagte seine Vorsitzende Christiane Walesch-Schneller, zu jedem der Namen der ehemaligen jüdischen Mitbürger, die im Blauen Haus aufgezeichnet sind, Nachkommen und Dokumente über ihr Leben zu finden. Angereist waren die Besucher auf eigene Kosten. Am Dienstag gab es ein Begegnungsprogramm mit Schülern des Breisacher Martin-Schongauer-Gymnasiums und der Edith-Stein-Schule in Freiburg. Dabei hielten Werner Frank, dessen Urgroßmutter aus Breisach stammt und der die eigene Familiengeschichte erforscht hat, sowie Joan und Gerald Schwab aus den USA kurze Vorträge über ihre Geschichte. Joan Schwab überlebte nach einem Kindertransport aus Berlin nach London die Nazi-Zeit und wanderte anschließend in die USA aus. Christiane Walesch-Schneller organisierte die Begegnungen mit den drei Referenten. Die Breisacher Schüler trafen auf Gerald Schwab und etwa zehn der internationalen Gäste. Schwab berichtete auf Englisch in humorvoller Art aus seiner Kindheit und seinem späteren Leben. Seine Großeltern und Eltern stammen aus Breisach, sein Vater sei in Freiburg Kaufmann gewesen, dort sei Schwab auch aufgewachsen. Immer wieder habe er seine Großeltern in Breisach besuchen können, daher kannte er den Ort gut. In der Schweiz habe es eine Dependance der Firma seines Vaters gegeben, dahin habe sich die Familie 1933 nach dem Boykott der jüdischen Geschäfte zurückziehen können, allerdings ging es 1935 zurück nach Lörrach, wo eine weitere Filiale bestand. Die Schule sei kein Problem gewesen, erklärte Schwab auf Nachfrage einer Schülerin, es gab keine extra Schulklassen oder eigene Schulen für jüdische Kinder. Nach 1939 verbrachte er neun Monate in einem Schweizer Dorf nahe Zürich. Am 10. Mai 1940, als die ersten Bomben auf Freiburg fielen, beantragte die Familie ein Visum für die Vereinigten Staaten. Sämtliches Vermögen mussten sie zurücklassen, so dass die Eltern nach der Ausreise über Italien in Amerika von vorn anfingen. Gerald Schwab trat in die amerikanische Armee ein und kam über Italien und Österreich nach Deutschland zurück. Im August 1945 besuchte er Breisach und fotografierte die fast vollständig zerstörte Stadt. Später wirkte er sechs Monate als Dolmetscher bei den Nürnberger Prozessen, durch die er eine gewisse Genugtuung erfuhr. Er beendete 1947 sein Studium in den USA und trat später in deren diplomatischen Dienst ein. Während dieser Tätigkeit bereiste er viele Länder der Erde, immer wieder kam er auch nach Deutschland. Sein Vater sei für einige Wochen in einem Konzentrationslager interniert gewesen, kam aber frei, da dieser 1935 mit dem Ehrenkreuz der Frontkämpfer 1914-18 ausgezeichnet worden war.
Die Schülerinnen und Schüler der 10. und 11. Klasse hatten einige Fragen. So wollten sie wissen, was Schwab bewogen habe, nach Deutschland zurückzukommen. "Einige Menschen waren gut, andere nicht, es waren nicht alle gleich. Es gab auch deutsche Freunde", sagte der betagte, aber rüstige Referent. Nach den Umständen der Ausreise befragt, erklärte Schwab, dass es nicht einfach gewesen sei. Zahlreiche Dokumente in mehreren Ausführungen hätten beschafft werden müssen, außerdem verlangten die USA Bürgschaften. Die anwesenden Gäste hatten ebenfalls Fragen an die Schüler des MSG, wurden aber von der Historikerin Katja Limbächer, die das Gespräch leitete, freundlich zurückgehalten, damit die jungen "Studenten" ihre Fragen stellen konnten. Das Interesse der Gäste galt am Ende der Diskussion, warum sich die jungen Menschen nach solch langer Zeit für diesen Teil der deutschen Geschichte interessierten. Sie selbst, so berichteten zwei der amerikanischen Gäste, hätten in den fünfziger Jahren in der Schule nichts über Konzentrationslager und den Mord an jüdischen Bürgern erfahren. Wie es denn heute in Deutschland sei? Ob die Schüler besser aufgeklärt würden? Zwei Stunden dauerte das Gespräch und der gegenseitige Austausch in einer erfreulich guten Atmosphäre. Autor: Hans-Jochen Voigt |
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